18/1999

INHALT

Amtlicher Teil

 

Bistum Basel

 

Ausschreibung

Die Leitung der Arbeitsstelle für überpfarreiliche Jugendseelsorge Basel-Stadt wird für einen Theologen/eine Theologin für ein 80%-Pensum zur Besetzung ausgeschrieben (s. a. Inserateteil dieser Ausgabe).
Interessenten mit den entsprechenden theologischen und fachlichen Voraussetzungen melden sich bitte bis zum 23. Mai 1999 beim diözesanen Personalamt, Baselstrasse 58, 4501 Solothurn oder E-Mail: personalamt.

bistum-basel@kath.ch


Das Ständige Diakonat

Wir planen zurzeit wiederum die Vorbereitung für interessierte Theologen unseres Bistums auf das Ständige Diakonat. Die Vorbereitungszeit erstreckt sich über ein Jahr. Interessierte Theologen erhalten gerne weitere Auskünfte beim Personalamt. Wer sich im Verlaufe des Jahres 1999/2000 auf das Ständige Diakonat vorbereiten möchte, melde sich bitte bis Mitte Juni 1999 beim Personalamt. Nachstehend finden Sie die allgemeinen Kriterien für die Zulassung zum Ständigen Diakonat, wie sie in unserem Bistum üblich sind:

  1. Bezüglich Anforderungen an die Weihebewerber und Voraussetzungen für die Weihespendung gelten die Regelungen des CIC (vgl. can 1024­1052).
  2. Zusätzlich zu den Bestimmungen des CIC gelten im Bistum Basel folgende Weihekriterien:

a) Die Bewerber müssen ein Theologiestudium auf einem vom Diözesanbischof anerkannten Bildungsweg erfolgreich abgeschlossen haben.
b) Wer zum Ständigen Diakon geweiht wird, muss über eine ausreichende positive Erfahrung als hauptamtlicher Seelsorger verfügen.
c) Die Weihekandidaten bringen eine positive Erfahrung als Verheiratete im kirchlichen Dienst mit. Die Gattin erklärt sich bereit, den diakonalen Dienst ihres Ehemannes mitzutragen.


Bistum Chur

 

Ernennung

Diözesanbischof Amédée Grab ernannte:
Herrn Pfarrer Marcus Flury, 7166 Trun, zum Bischöflichen Beauftragten im Personalrat für die Bistumsregion Graubünden.


Bistum St. Gallen

 

Gottesdienste für die Kosovo-Flüchtlinge

Die Schweizer Bischöfe laden alle Gläubigen ein, durch Gebet und spontane Hilfsaktionen die Solidarität mit den Frauen, Männern, Kindern und Betagten, die vertrieben wurden und nun heimatlos sind, weiterzuführen und damit beizutragen, dass die Opfer der Gewalt ihre Hoffnung nicht verlieren und eines Tages in Frieden und Würde in ihre Heimat zurückkehren können.
Wir schliessen uns diesem Anruf an und möchten unsere Pfarreien zu besonderen Bittgottesdiensten anregen. Wir denken an einen Gottesdienst für die Flüchtlinge in den Tagen vor Christi Himmelfahrt (Bitttage), an Bitttags- und Auffahrtsprozessionen und auch an Gottesdienste in der Pfingstnovene. Das gemeinsame Gebet vermag unsere Ohnmacht zu besiegen und unsere Hoffnung zu stärken.

Anton Thaler, Generalvikar


Eggersriet. Amtseinsetzung

Dekan Georg Schmucki, Rorschach, hat am Samstag, 24. April, in Eggersriet Josef Kaufmann als Pfarrer von Eggersriet und Grub (SG) (40 Prozent) eingesetzt. Als Offizial ist Josef Kaufmann auch Ordinariatsmitglied. Im gleichen Gottesdienst wurde Marie-Louise Kühnis, die schon seit fast drei Jahren in Eggersriet arbeitet, offiziell als Pfarreibeauftragte eingesetzt.


Oberbüren-Niederbüren. Abschied

Im Gottesdienst vom Sonntag, 24. April, hat sich der 67-jährige Hermann Hungerbühler als Pfarrer im Seelsorgeverband Oberbüren-Niederbüren verabschiedet. Mit seinem Amtsantritt war 1992 die Gründung des Seelsorgeverbandes einhergegangen. Er hat die beiden Pfarreien zusammen mit Pastoralassistent Beat Bühler betreut. Nun zügelt Hermann Hungerbühler nach Bollingen am oberen Zürichsee, von wo aus er noch verschiedene seelsorgerliche Aufgaben wahrnehmen will. Unter anderem möchte er auch die Geschichte der St.-Michaels-Pfarrei, Niederbüren, aufarbeiten.


25 Jahre Diözesane Katechetische Arbeitsstelle

Die Gründung der Katechetischen Arbeitsstelle vor 25 Jahren zeugt von Weitblick. Bei der gegenwärtigen Personalsituation im Bistum St. Gallen sind die nebenamtlichen Katechetinnen und Katecheten aus der Arbeit im Religionsunterricht nicht mehr wegzudenken. Im Festgottesdienst am Sonntagnachmittag, 2. Mai, dankte ihnen Bischof Ivo dafür, dass sie ihre Gaben dazu einsetzen, den Glauben an Kinder und Jugendliche weiter zu geben.
Die Hauptaufgabe der Diözesanen Katechetischen Arbeitsstelle ist die Aus- und Fortbildung von nebenamtlich tätigen Katechetinnen und Katecheten. Bis heute haben sich über 650 Frauen (vor allem Frauen!) und Männer für diesen Dienst in der Kirche ausbilden lassen. In diesem Frühjahr muss der angebotene Kurs des grossen Zuspruchs wegen sogar doppelt geführt werden. Für die Oberstufe gibt es trotzdem zu wenig Lehrkräfte.
Die Arbeitsstelle engagierte sich in der Lehrplanarbeit und publizierte im Verlauf der Jahre diverse Lehrmittel und Arbeitshilfen für den Religionsunterricht. Die neueste Unterrichtshilfe ist zusammen mit der Bibelpastoralen Arbeitsstelle auf die Qumran-Ausstellung hin geschaffen worden.
Erster Stellenleiter, damals noch an der Frongartenstrasse, war P. Edwin Gwerder, der heute in der Ordensleitung der Immenseer engagiert ist und am Jubiläumsanlass manchen bekannten Gesichtern begegnete. Sein Nachfolger seit 1981 ist Theo Stieger, Theologe und Religionspädagoge. Der im dritten Stock des Klosterhofes 6 A domizilierten Arbeitsstelle steht ein Sekretariat zur Verfügung. Bei Ursula Stadelmann, selber jahrelang Katechetin, laufen die vielfältigen katechetischen Fäden zusammen.


Verändertes Umfeld

Es ist heute in einem stark veränderten Umfeld schwer geworden, Religionsunterricht zu erteilen. «Wir müssen den Glauben neu buchstabieren lernen», sagt Theo Stieger. Der Unterricht in der Schule allein genügt nicht mehr. Für die Vorbereitung auf die Sakramente wie Erstkommunion und Firmung braucht es zusätzlich einen ausserschulischen Rahmen, Projekte in die die Eltern, die Pfarrei möglichst miteinbezogen werden sollten. Dies hat Konsequenzen für die Aus- und Weiterbildung der Katechetinnen und Katecheten, die immer mehr auch über erwachsenenbildnerische Fähigkeiten verfügen müssen.


Jubiläumsfeier

Am Ende des Jubiläumsgottesdienstes wünschte eine Katechetin ein Land, in dem alle Menschen sich an Milch und Honig stärken und eine Kirche, in der Frauen und Männer nach ihren Fähigkeiten sich einsetzen können und ihnen keine hierarchischen Strukturen Grenzen setzen. Der festliche Gottesdienst war von Diözesankatechet Philipp Hautle mit einer Gruppe von Katechetinnen eindrücklich gestaltet worden. Bischof Ivo nahm die Gedanken vom Wasser, von der Quelle, vom Volk Gottes, das mit Mose durch die Wüste zieht auf der Suche nach dem Land, wo Milch und Honig fliessen, in seiner Predigt auf. Ein kleiner Honigtopf, der die Mühsal des katechetischen Alltags versüssen soll, begleitete die vielen Frauen und die Männer, die eindeutig in der Minderheit waren, ins Festzelt im Klosterhof, wo bei Speis und Trank so etwas wie ein grosses Klassentreffen stattfand. Vereinzelt bezeugten Pfarrer und Pastoralassistenten mit ihrer Anwesenheit, wie froh und dankbar sie sind um die Arbeit der nebenamtlichen Katechetikkräfte.


Bistum Sitten

 

Frühjahrssitzung des Priesterrates des Bistums Sitten

Am vergangenen 14. April 1999 fand die Frühjahrssitzung des Priesterrates des Bistums Sitten statt. Die Mitglieder trafen sich unter der Leitung ihres Präsidenten, Regens Stefan Roth, im Bildungshaus Notre-Dame du Silence in Sitten. Der insgesamt 34 Mitglieder zählende Rat war fast vollzählig anwesend. Entschuldigen musste sich aus der Bistumsleitung Generalvikar Robert Mayoraz, der aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte.
Drei grosse Hauptthemen standen bei der diesjährigen Frühjahrssitzung des Priesterrates auf der Traktandenliste: die Lineamenta für die 10. Ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode im Oktober 2000 in Rom; Fragen zum Katechumenat im Oberwallis; und Fragen bezüglich eines gemeinschaftlichen Tages für die Priester.

Gemeinsam der Einheit dienen

Das Thema der nächsten Ordentlichen Bischofssynode lautet: «Der Bischof als Diener des Evangeliums Jesu Christi für die Hoffnung der Welt.» Bischof Norbert Brunner fragte die anwesenden Ratsmitglieder nach ihren Wünschen und Anliegen für die 10. Bischofssynode. Im Vordergrund stand der Wunsch nach mehr Information. Das Verhältnis des Bischofs zum Presbyterium und umgekehrt war ebenfalls ein Gesprächsthema. Der Priesterrat war der Auffassung, dass die Beziehung der Priester zum Bischof im Bistum Sitten sehr gut sei, hingegen seien die Beziehungen zur institutionellen Kirche aus pastoralen und arbeitsbelastenden Gründen in den letzten Jahren immer anspruchsvoller geworden. Es wurde auf die schwierige Aufgabe des Bischofs hingewiesen, einerseits die Verantwortung für die eigene Diözese wirklich wahrzunehmen, und anderseits die Mitverantwortung für die Universalkirche im Bischofskollegium nicht zu vernachlässigen.

Katechumenat im Oberwallis

Der Priesterrat hat an Bischof Norbert Brunner den Antrag gestellt, auch im Oberwallis für das Katechumenat einen Verantwortlichen einzusetzen. Das Katechumenat sei zu einer pastoralen Aufgabe geworden, die immer mehr an Bedeutung gewinnen würde.
Die seelsorgliche Situation im Unterwallis hat bereits seit einiger Zeit einen Verantwortlichen für das Katechumenat erforderlich gemacht.

Chrisam-Messe im Jahr 2000 ­ Priestertag für die Zukunft

Ein konkretes Ergebnis des Austausches über die Lineamenta der nächsten Bischofssynode war der Vorschlag des Priesterrates, im Jubiläumsjahr 2000 alle Priester des Bistums zur Chrisam-Messe und zur anschliessenden Agape einzuladen. Der Bischof betonte, dass er diesen Vorschlag mit Freude verwirklichen werde.
Es besteht die Möglichkeit, dass dieser Tag eine Fortsetzung finden wird in einem jährlichen oder zweijährlichen Priestertag. Konkreteres dazu soll zu einem späteren Zeitpunkt besprochen werden.


L'Art de la foi ­ «Artes Fidei» ­ Kunst des Glaubens

Im Rahmen der Ausstellung «Artes Fides», die vom 16. April bis 7. November 1999 dauern wird, gibt es verschiedene Veranstaltungen, Vortragsreihen, Seminare, Kolloquien usw.

Eröffnungsfeier

Persönlichkeiten aus Staat und Kirche trafen sich am Freitag, 16. April 1999, im Bischofshaus von Sitten zur Eröffnung der Ausstellung «Artes Fidei», die über 1600 Jahre Christentum im Wallis berichtet. Neben Bischof Norbert Brunner als Gastgeber unterstrichen unter anderen auch Staatsrat Jean-René Fournier, Stadtpräsident François Mudry und Burgermeister Jean-René Favre, Domdekan Paul Werlen und Generalvikar Josef Zimmermann durch ihre Anwesenheit die Bedeutung dieser Ausstellung im «Diözesanmuseum ­ Domschatz» Sitten.

Kunst des Glaubens

Bischof Norbert Brunner hielt in seiner Begrüssungsansprache fest, dass es bei der Ausstellung nicht bloss darum geht, zurückzuschauen, sondern vielmehr auch darum, zu zeigen «was 1600 Jahre Christentum unserer Zeit zu sagen haben, was unsere Geschichte uns in unserer Lebensart bringen kann und in der Art den Glauben auch über das Jahr 2000 hinaus zu verkünden.»
Seit drei Jahren hat eine Gruppe der Diözesanen Kunstkommission diese Ausstellung vorbereitet und organisiert. Hauptinitianten der Gruppe waren Romaine Bertelletto und Architekt Charles-André Meyer.

65 Ausstellungsobjekte

Dank der Grosszügigkeit verschiedener Museen, Institutionen, Pfarreien und Personen innerhalb und ausserhalb des Bistums Sitten ist es möglich geworden, in dieser Ausstellung ausserordentliche Kunstwerke zu zeigen.

Der Glaube der Väter

«Möge der Gott eurer Väter für immer auch der Gott eurer Söhne sein!» Diesen Ausspruch von Papst Johannes Paul II. anlässlich seines Pastoralbesuches 1984 stellte Michel Maret, Präsident der diözesanen Kunstkommission, an den Anfang seiner Ausführungen. Er betonte, dass drei Etappen die Glaubensgeschichte des Wallis kennzeichnen: die Konfrontation, die Identifikation und der Dialog.
Die erste Etappe ist jene der Konfrontation zwischen Kirche und Staat, zwischen dem Reich Gottes und dem irdischen Reich. Verschiedene Reliquienschreine von St-Maurice sowie die Gestalt des heiligen Theodul sprechen von dieser Phase unserer Geschichte.
Die zweite Etappe der Ausstellung behandelt die geschichtliche Phase, in der kirchliche und weltliche Macht in der Hand des Bischofs lagen. Verschiedene Kunstgegenstände dieser Zeit sind in der Ausstellung zu sehen: der Bischofsstab von Bischof Franz-Joseph Supersaxo, das Brevier von Bischof Jost von Silenen, Monstranzen und Kelche.
Die dritte Etappe ­ die Kirche im Dialog mit der Welt ­ zeigt Kultgegenstände aus der Moderne mit Betonung der Marienverehrung durch die Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis.
Die letzte Abteilung der Ausstellung befasst sich mit der Zukunft der Kirche. Diese ist nicht Produkt unserer Visionen, da diese zu kurz greifen, sondern sie entspringt dem Willen Gottes, der nicht immer unserem entspricht. (pm/he)


Das Zentrum der Kunst ist das Werk Christi

(Kurzfassung des Vortrages von Bischof Dr. Kurt Koch vom 17. April 1999 in Brig)

Praktisch-theologische Überlegungen zur Kunst im Dienste der Versöhnung zwischen Evangelium und Kultur hat der Bischof von Basel, Kurt Koch, am Samstagabend, 17.April, in Brig vorgelegt. Anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums der Lehensschenkung des «Landes am Rotten» durch König Rudolf III. von Burgund an Bischof Hugo von Sitten sprach er zur Eröffnung der Ausstellung «Artes Fidei» über die Kunst als Möglichkeit zur Glaubensweitergabe. Nur wenn die Kirche ihre spezifisch religiöse Kompetenz zur Geltung bringe, könne es auch zu einer neuen und fruchtbaren Begegnung zwischen Kirche und Kunst kommen, stellte der Bischof fest.

An Medien anknüpfen

Nach Auffassung von Bischof Koch gibt es heute einen dramatischen Bruch zwischen dem christlichen Glauben und der modernen Kultur. Der Grund dafür liegt im Zerfall der Volkskirche, die Kirche und Gesellschaft miteinander verbunden habe. Dadurch, dass diese unaufhaltsam verschwinde, sei auch die enge Symbiose von Kirche und Kunst brüchig geworden. Die religiösen Sehnsüchte des Menschen artikulierten sich heute besonders im Bereich des Medienreligiösen, wenn auch oberflächlich und diffus. Nach Meinung des Bischofs sei die christliche Glaubensverkündigung jedoch gut beraten, wenn sie an die Medien (Bild und Film) anknüpfe und versuche, diese durch die Höhe und Tiefe der Antwort des christlichen Glaubens zu transzendieren.
Die spezifische Bedeutung der Kunst liege vor allem darin, führte der Bischof aus, das sie einen «befreienden Grenzverkehr» zwischen der christlichen Offenbarung und der Erfahrung des modernen Menschen ermögliche. «Dieser ersten Annäherung von Seiten der christlichen Botschaft kann die zweite Annäherung von Seiten der menschlichen Kunst zuarbeiten, die den Menschen von seiner alltäglichen Banalität zur Offenheit für seine menschliche Grunderfahrungen zu erschliessen versucht». Dazu seien vor allem die Metaphern des Menschen selbst nützlich und notwendig, wie sie sich im Schatz von Dichtung und Kunst gesammelt haben. Der Bischof betonte: «Um den Menschen zu einer geöffneten Selbsterfahrung zu bringen, ist vornehmlich die Kunst hilfreich. Zwar vermag die Kunst keine unmittelbare Antwort auf die Grunderfahrungen des Menschen zu geben, aber sie kann den Erfahrungshorizont erschliessen und den Menschen zu Grunderfahrungen verhelfen, die für die Glaubensverkündigung unbedingt notwendig sind, damit sie den Text der christlichen Offenbarung in diesen anthropologischen Grunderfahrungen gleichsam einnisten kann.»

Sakramentale Schau der Wirklichkeit

Der Bischof führte weiter aus, dass die Kunst die menschliche Erfahrungwirklichkeit transparent für die Transzendenz Gottes mache und dafür einen Raum im Erfahrungsbereich des Menschen ermögliche. Darum beruhe christliche Kunst vor allem auf dem Symbol. Bischof Koch zitierte dann aus der von der Sittener diözesanen Kunstkommission herausgegebenen Buch «Artes Fidei», in dem es heisst, dass das aus der christlichen Kunst geborene Werk nicht nur auf sich selbst oder auf seinen Schöpfer verweist; denn: «sein Zentrum ist das Werk Christi, der die Materie mit der Seele und den Himmel mit der Erde versöhnt». Die christliche Kunst ermögliche eine sakramentale Schau der Wirklichkeit, weil sie nämlich die Wirklichkeit nicht als eine blosse Sache erfasst, sondern gleichzeitig auch als ein Symbol, das erschlossen werden muss. Darin bestehe der Umgang der Kunst mit der Wirklichkeit und zugleich die Grundvoraussetzung für die Möglichkeit christlicher Kunst.
Die christliche Kunst helfe auch die Schönheit Gottes und die Schönheit der Welt wieder zu entdecken. Dies vor allem dadurch dass die Kunst noch einen unmittelbaren Zugang zur Wirklichkeit des Schönen habe. «Entgegen der durchgehenden Ethisierung des christlichen und kirchlichen Lebens heute erweist sich vor allem die Kunst als Anwältin der ästhetischen Dimension des Menschseins und des Glaubens, um freilich von daher einen neuen Zugang auch zum Ethischen zu erschliessen». Die Kirche habe heute die moralischen Forderungen zum dominierenden Thema gemacht: die transmoralischen Gehalte der Religion, der Begegnung mit dem Heiligen, die Erfahrung der Transzendenz seien dabei in den Hintergrund getreten. «Nur wenn die Kirche ihre spezifisch religiöse Kompetenz zur Geltung bringt und dabei die Kostbarkeit jener Wahrheit im Blick hat, die ihr anvertraut ist, kann es auch zu einer neuen und fruchtbaren Begegnung zwischen Kirche und Kunst kommen», so der Bischof.

Gott ist schön!

In der westlichen Glaubenstradition werde heute nicht mehr viel von der Schönheit als Eigenschaft Gottes gesprochen. Gott sei aber in der biblischen Tradition nicht nur wahr und gut, sondern vor allem auch schön ­ wird doch immer wieder seine und seiner Schöpfung Herrlichkeit gepriesen. Wenn aber Gott vor allem schön ist, gehe es auch darum, diese wunderbare Schönheit zu geniessen, und ihm wie im Gloria zu danken für seine grosse Herrlichkeit. Ein Christentum, das nicht mehr den Mut habe von der seligen Nutzlosigkeit der schönen Liebe Gottes und der ebenso schönen Liebe zu Gott zu künden, gäbe sich deshalb selbst auf. Darum sei es vor allem auch Aufgabe der christlichen Kunst, vor allem durch die Feier der Liturgie, dazu anzuleiten, sich an der Schönheit Gottes zu erfreuen, geniessen und die ästhetische Dimension des Glaubens wieder zu entdecken. Darüber hinaus wolle sie einen neuen Zugang zur Feier der Liturgie erschliessen, dabei aber nicht die harte Wirklichkeit des menschlichen Leidens liturgisch verdrängen. «Vielmehr zeigt gerade die Kunst, dass die Hässlichkeit der Welt erst im Kontrast zu ihrer Schönheit sichtbar wird und dass folglich in der Kunst wie in der Liturgie die Alltagsmisere keinesfalls ausgespart, sondern trotzdem gefeiert wird.» Der Bischof fuhr fort: «Die armen und leidenden Menschen und ­ gleichsam als ihre leidenschaftliche Anwältin ­ die Kunst, wissen genau, dass Gebet und Gottesdienst immer auch Akte des Widerstandes des Glaubens gegen die faktische Realität sind und gerade darum nur in einer gläubigen Kontrasthaltung gegen die Leidenserfahrung vollzogen werden können». Dann zeigte er auf, wie die glaubwürdige Feier der Liturgie sich als elementarer Weg zur Weitergabe des Glaubens erweist, bei dem, in der jene heilige Unberechenbarkeit zum Tragen komme, die nach Kurt Marti die Priester und Theologen von den Dichtern und überhaupt von den Künstlern neu lernen sollten und es auch könnten. «Denn solche heilige Unberechenbarkeit ist notwendig, um in der heutigen Zeit glaubwürdig von Gott zu reden und sein Geheimnis zu feiern.» Abschliessend stellte Bischof Koch fest, eine «Symbiose von Kultur und Glaube, von Kunst und Kirche sind wir Christen der Gesellschaft auch und vor allem anlässlich des zweitausendjährigen Jubiläums der Geburt Jesu Christi schuldig.» (oe/he)


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999