11/1999

INHALT

Amtlicher Teil

 

Alle Bistümer

 

Wort der Schweizer Bischöfe zum Karwochenopfer 1999 für die Christen im Heiligen Land

Erbittet für Jerusalem Frieden! (Ps 122)

An der Schwelle ins dritte Jahrtausend blicken wir auf die heilige Stadt Jerusalem, das weltweite «Symbol des Friedens», wo Juden, Christen, Moslems und die beiden Völker der Palästinenser und Israelis zusammenleben. Sie lieben diese Stadt und ringen schwer um einen dauerhaften Frieden. Die einmalige Bedeutung von Jerusalem und die besondere Berufung durch Gott besteht doch darin, dass die jüdischen, christlichen und moslemischen Gläubigen in gegenseitigem Vertrauen ihren Auftrag erfüllen, ein Ort der Versöhnung zwischen Religionen und Völkern zu werden, wo «Friede und Gerechtigkeit sich küssen» (Ps 85,11). Die Einmaligkeit und Heiligkeit Jerusalems erfordert einen Sonderstatus für die heiligen Stätten, wo alle, Ortsansässige und Pilger, Freunde und Gegner, unbeschränkt Zugang zur Stadt des Friedens haben. «Welch ein Segen wäre es, wenn das Heilige Land, wo Gott gesprochen hat und Jesus umhergewandelt ist, der besondere Ort der Begegnung und des Gebets der Völker, die Heilige Stadt Jerusalem aber zum Zeichen des Friedens und der Versöhnung werden könnte!» (Papst Johannes Paul II.).
Im Bewusstsein der historischen Ereignisse erwarten Palästina und Israel im Jubiläumsjahr einen Grossandrang von Pilgern aus aller Welt. Diese Erwartung ist mehr als berechtigt, denn Jesus Christus lebte auf diesem zentralen Fleck Erde, verkündete das Kommen des Gottesreiches und bezeugte dessen Anbruch durch seine Taten. Die einheimischen Christen halten den Glauben an ihn heute wach, auch wenn sie in Israel und Palästina eine verschwindend kleine, benachteiligte Minderheit sind. Sie sind die lebendigen Steine der lokalen Gemeinschaften und bezeugen den christlichen Glauben seit dem Pfingstereignis in Jerusalem vor 2000 Jahren.
Um Pilger aus dem Ausland, besonders Christen, auf ihren Reisen zu begleiten, führt die Universität Bethlehem seit einigen Jahren einen Ausbildungskurs für christliche Reiseleiter durch. Zurzeit gibt es etwa 100 gut ausgebildete und qualifizierte Touristguides. Sie führen Pilger zu den christlichen Stätten und freuen sich, Christen aus allen Erdteilen in ihrem Glauben bestärken zu können. Einheimische christliche Gemeinschaften bereiten sich auch speziell vor, um Glaubensbrüdern und -schwestern aus dem Ausland an ihrem Gemeindeleben Anteil zu geben.
Gerne geben wir Ihnen diesen Hinweis, damit Sie bei einer Wallfahrt ins Heilige Land an diese Möglichkeit der Reisebegleitung denken. Auf diese Weise entsteht solidarisches Verhalten mit jenen Menschen, denen wir im Glauben besonders verbunden sind. Diese Ausbildung gehört zu jenen pastoralen und karitativen Werken im Heiligen Land, die durch das Karwochenopfer unterstützt werden. Überzeugt empfehlen wir Ihnen dieses Opfer, verbunden mit dem Dank für die Grosszügigkeit der vergangenen Jahre.
Eine besinnliche Karwoche und ein von Freude und Hoffnung erfülltes Osterfest wünschen wir Ihnen von Herzen.

Freiburg, im Februar 1999
Ihre Schweizer Bischöfe


Bistum Basel

 

Wahlen und Ernennungen

Josef Lussmann auf den 14. März 1999 zum Pfarrer der Pfarreien Hofstetten-Flüh (SO) und Witterswil-Bättwil (SO).


Gespräch zwischen Bischof Kurt Koch und der Initiativgruppe «Pfingsten 99»

Zwischen der Initiativgruppe «Pfingsten 99» und dem Bischof von Basel, Dr. Kurt Koch, sowie dem Pastoralamtsleiter Hans Rudolf Häusermann fand am 4. März im Bischöflichen Ordinariat in Solothurn ein Gespräch statt. Die Veröffentlichung der Werkmappe «Agapefeiern» war der Anlass, diverse Fragen zu besprechen.
Zu Beginn wurde abzuklären versucht, warum es so lange dauerte, bis es zu diesem Gespräch kam und weshalb eine Gruppe dazu aufrufe, die altchristliche Tradition der Agapefeiern wieder einzuführen. Die Gruppe machte deutlich, dass sie keine Konfrontation beabsichtige und dass sie den Unterschied zwischen Agape und Eucharistie nicht verwischen wolle. Dem Bischof ist es sehr wichtig, dass Neues, das in Gruppen entsteht, durch einen synodalen Prozess geklärt und auf eine geordnete Weise in das öffentliche Leben eines Bistums eingeführt wird und dadurch allenfalls Akzeptanz erhält.
Neue Gottesdienstformen drängen sich auf, weil zusehends mehr Pfarreien wegen des Priestermangels nicht mehr in der Lage sind, am Sonntag die Eucharistie zu feiern. An ihrer Stelle werden seit zwei Jahrzehnten Wort- und Kommunionfeiern gehalten. Als neue Form will die Agape das gemeinsame Mahl als gottesdienstliche Feier ausserhalb des Kirchenraumes erleben lassen. Die Agape ist vorgesehen an Sonn- oder Festtagen im Anschluss an die Eucharistie oder an einen Wortgottesdienst.
Im Gespräch wurden unklare oder interpretationsbedürftige Formulierungen in Texten der Werkmappe zu klären versucht. Für Bischof Koch ist es wichtig, den Unterschied zwischen Agape und Eucharistie klar darzustellen. Zudem fragt er die Gruppe an, wie ihre Aussage zu verstehen sei, die Agapefeier trage zur Entklerikalisierung der Liturgie bei. Um weitere noch offene Fragen zu klären, ist ein zweites Gespräch zwischen Bischof, Pastoralamt und der Gruppe Pfingsten 99 vorgesehen. Einig waren sich der Bischof und die Gruppe, dass nach vollzogener Klärung die gemachten Erfahrungen mit Agapefeiern in den verschiedenen Gremien des Bistums ausgewertet werden sollen.
Teilnehmer am Gespräch mit dem Bischof waren am 4. März von Seiten der Initiativgruppe: Walter Blum, Josef Brunner, Urs Eigenmann, Peter Haag, Herbert Sohn, Rolf Zimmermann.

Solothurn, 10. März 1999


Im Herrn verschieden

Alois Keiser, emeritierter Kaplan, Tobel
In Tobel starb am 9. März 1999 der emeritierte Kaplan von Tobel, Alois Keiser. Er wurde am 2. August 1907 in Zug geboren und am 9. Juli 1933 zum Priester geweiht. Stationen seines Wirkens waren zunächst die Vikar- bzw. Pfarrhelferstellen in Grosswangen (1933­1935), Menzingen (1935­1941), Bärschwil (1944­1949) und Oberkirch (SO) (1949­1951). Nach einem Aufenthalt in Deutschland wirkte er als Kaplan in Tobel (1960­1975). Auch nach der Demission als Kaplan blieb er in Tobel (seit 1975). Dort befindet sich auch sein Grab.


Bistum St. Gallen

 

Priesterrat und Rat der hauptamtlichen Laienseelsorger/-innen

An der zusätzlich anberaumten Februar-Tagung des Diözesen Priesterrates und des Rates der hauptamtlichen Laienseelsorger/-innen mit Bischof Ivo im Pfarreizentrum Wil wurde versucht, konkrete Lösungen aufzuzeigen für das eine und andere an den beiden vorangegangenen Tagungen herausgearbeitete Problem im Zusammenhang mit der Ämterfrage und der Sakramentalität der Kirche.
Im November beschäftigten sich die Mitglieder der Räte mit den Berufsbildern von Priester und Laienseelsorger/-in und diskutierten Möglichkeiten für eine bessere Zusammenarbeit der Seelsorger innerhalb einer Pfarrei oder eines grösseren Verbundes. Zu dieser Tagung war Gemeindeberater Paul Zemp als Beobachter eingeladen worden.
Um Sakrament und Sakramentalität der Kirche im Zusammenhang mit der Ämterfrage ging es an der St.-Arbogast-Tagung. Die Impulsreferate hielt Prof. Dr. Medard Kehl. Sie dienten als Grundlage für die Diskussion in der Februar-Sitzung in Wil. In Gruppen wurde an den Problemfeldern «Gemeindeleitung» und «Umgang mit Sakramentalität und Sakramenten» gearbeitet. Das Büro hatte dazu ein Papier vorgelegt, auf dem der Idealzustand, der Istzustand und Postulate aufgelistet waren und dazu Möglichkeiten, was und wie angegangen werden könnte oder müsste.
Als Folge der recht intensiv geführten Gespräche erhält die Dekanenkonferenz von den Räten den Auftrag, sich Gedanken zu machen über «heilsame Zeichen» für Angehörige von Kranken und Sterbenden oder auch an Lebenswenden.
Die Förderung von Teamfähigkeit von Seelsorger und Seelsorgerin ist ein zentrales Anliegen. Darauf wird nun schon während der Ausbildung grosses Gewicht gelegt. Wie die schon mehrmals geforderte Seelsorge an den in der Praxis stehenden Seelsorgerinnen und Seelsorgern ausgeübt werden soll (Begleitung, Supervision, durch den Dekan oder eine speziell dafür freigestellte Fachkraft), ist noch offen. Eine Arbeitsgruppe, die mittlerweile bereits einmal zusammengekommen ist, soll Vorschläge formulieren. Ihr gehören an: Generalvikar Anton Thaler (Personalamt), Paul Hutter (Leitung Fortbildung), Dekan Heinz Angehrn, Pastoralassistentin Ingrid Krucker, Pastoralassistent Jan Vosse, Katechet Hanspeter Wagner.
Die Oktobersitzung in Jona ist dem Thema «Seelsorgemodelle» gewidmet. Im Anschluss daran soll die Arbeit an den Berufsbildern von Männern und Frauen im kirchlichen Dienst weitergeführt werden. Am Stellenbeschrieb anstelle eines Pflichtenheftes für Priester, Diakone und Laien soll auch erst nach der Diskussion über die Seelsorgemodelle weitergearbeitet werden. Ziel ist «Rechtsgleichheit».
Die nächste Sitzung der beiden Räte findet am 17. Juni in Niederhelfenschwil statt.


8. Diözesanforum kirchliche Jugendarbeit

Statt in resignativer krankmachender Haltung den «Untergang zu verwalten», solle die Kirche in einer Zeit der sozialen und gesellschaftlichen Umbrüche mit unternehmerisch denkenden und handelnden Persönlichkeiten den «Übergang gestalten». Das forderte der Wiener Pastoraltheloge Paul M. Zulehner in seinem Referat am Diözesanforum.
Die Kirche von morgen lebt von Personal mit unternehmerischem Geist, mit starken positiven Energien und nicht von Leuten mit Beamtenmentalität oder solchen, die innerlich gekündigt haben. Zulehner war nicht mit Rezepten für eine erfolgreiche Jugendarbeit ans Diözesanforum gekommen, das zum achten Mal von der Daju, der Diözesen Arbeitsstelle für Jugendseelsorge, organisiert worden war. Er nahm die rund 170 im Pfarreiheim St. Fiden-St. Gallen anwesenden Jugendseelsorgerinnen, Jugendseelsorger, Pfarrer, Pfarreibeaufragten sowie Mitglieder von Kirchenverwaltungs- und Pfarreiräten in die Pflicht. Er erinnerte sie an die Kernkompetenz des Christentums, an die Gottes- und Nächstenliebe und hoffte, sie mit seinen provokativen Gedanken für ihre Arbeit mit der Jugend zu infizieren.

Selbstbestimmte Menschen

Die Kirche erlebt eine Übergangskrise. Diese ist nur teilweise hausgemacht. Vielmehr gibt es neben und hinter der Kirchenkrise eine Menschenkrise und eine Gotteskrise. Darum sollten sich die kirchlichen Mitarbeiter, so Zulehner, von den Insiderthemen wie Zölibat und Frauenordination und von der selbstmörderischen Aussage «wir sind selber schuld» verabschieden. In einer Übergangskrise könne die Kirche nur mit verwurzelten, selbstbestimmten Menschen bestehen, die wissen, wofür sie stehen. Es genüge nicht zu sagen «ich bin Kirche». Darum ermunterte der «Unternehmerberater für die Kirche» die Frauen und Männer im Saal, sich zu fragen: «Habe ich eine unbeugsame Loyalität zu meiner Kirche? Beteilige ich mich am chicen Jammern über (das Unternehmen) Kirche?»
Zulehner forderte ein absolutes Jammerverbot und im Gegenzug dazu eine Radikalisierung in der Nachfolge Christi. Leute ohne Spiritualität müssten sich eine andere Arbeit suchen. Nur wenn um die motivierten «Botschafter auf zwei Beinen» herum Kirche existiert, wird es auch morgen noch Kirche geben. Menschen mit wachsender Freiheits- und Daseinskompetenz sind gefragt. In einer Zeit, da die Ich-Stärke des jungen Menschen ab- statt zunimmt und sich die Ich-Schwäche in Aggressivität oder Antriebslosigkeit äussert, ist Persönlichkeitsentwicklung notwendig.

Belastbare Solidarität

Wir stehen an einer Wegzweigung zwischen Entsorgungs-Unkultur und Solidar-Kultur. Wenn wir diese Entsorgungs-Unkultur, also den Entzug von Sorge für die schwachen Bevölkerungsgruppen (Alte, Behinderte, Langzeitarbeitslose), nicht wollten, brauche es Menschen mit einem Höchstmass an belastbarer Solidarität, sagte Zulehner.
Die Angst, im Leben zu kurz zu kommen und das Glück zu verpassen, zerstört die Solidarität. Wo Angst regiert, hat auch die Freiheit keine Chance. Der Preis für die Ent-Solidarisierung ist der Sinnverlust. Der Alltag ist zu banal geworden, also verabschiedet man sich aus dem real existierenden Leben. Immer mehr, auch junge Menschen, versuchen, die lästig werdende Last der Freiheit wieder loszuwerden (Gefahr für die Demokratie), fliehen in den Fundamentalismus der Kirche, in Sekten.
In der Mystik, der Solidarität und der Freiheit liegen die grossen Möglichkeiten einer Kirche der Zukunft. Menschen, die versuchen, privat Christ zu sein, werden es bald nicht mehr sein. Enorm wichtig sind daher religiöse Netzwerke, wo gläubig gelebt wird.
In der Jugendarbeit der Kirche, die stark personifiziert ist, geschieht Persönlichkeitsentwicklung, soll eine optimale Solidaritätsbegabung (handfeste Projekte) gefördert und eine mystisch-radikale Spiritualität (Gebet, Besinnung, Exerzitien) gepflegt werden. «Kommen Sie weg von einem Kirche-light-Gefühl, von einer Wellness-Religiosität», ermunterte Zulehner die Anwesenden. «Und hören Sie auf, dem Jugendlichen zu beweisen, dass er Gott oder die Kirche braucht. Gehen Sie auf ihn zu und sagen sie ihm: die Kirche braucht dich, wir brauchen dich.»


Gebietsabtei Saint-Maurice

 

Demission des Abtes

Seit 29 Jahren ist Bischof Henri Salina Abt von Saint-Maurice. Er hat deshalb Papst Johannes Paul II. gebeten, seine Demission als Gebietsabt von Saint-Maurice anzunehmen. Der Heilige Vater hat dieser Bitte entsprochen. Mgr. Henri Salina bleibt Titularbischof von «Mons in Mauretania» und wird Apostolischer Administrator «sede vacante», bis sein Nachfolger kanonisch von der Gebietsabtei Besitz ergreift, was ungefähr im Verlauf des Monats Juli zutreffen sollte.
Das Generalkapitel der Chorherren von Saint-Maurice wird zu gegebener Zeit einen neuen Abt wählen. Nach der Bestätigung durch den Heiligen Stuhl wird dann der Name des Erwählten veröffentlicht.

Chorherr Gabriel Stucky
Kanzler der Gebietsabtei


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999