SKZ 49/1997

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Wortmeldungen

«Gemeindeleitung, Eucharistie und Priesteramt»

Helmut Hoping weist in seinem Artikel (SKZ Nrn. 46 und 47/1997) eindeutig nach, wo Haag und Wiederkehr amts- und sakramententheologisch «schief» liegen, ohne dabei selbst Gefahr zu laufen, die kirchliche Notsituation zu verkennen. Die Forderung, Pastoralassistent(inn)en dort sakramental zu ordinieren, wo sie den Dienst der Gemeindeleitung übernehmen, ist ­ wie gezeigt wurde ­ aus den genannten Gründen konsequent.
Wenn aber nun Pastoralassistent(inn)en als Gemeindeleiter/-innen sakramental ordiniert werden müssen, dann bleibt zu fragen, wie die Indienstnahme ihrer Kolleg(inn)en aussehen sollte, die ihr Arbeitsfeld vor allem in der Gemeindeauferbauung und Gemeindeseelsorge gefunden haben. Ist ihre Beauftragung nicht auch ein besonderes geistliches Geschehen, das nach aussen hin adäquat erfahrbar werden sollte, ohne gleich allen die Priesterweihe spenden zu müssen? Hoping verweist an dieser Stelle auf den Vorschlag Hünermanns, das Amt um eine vierte Stufe ­ nämlich die der Pastoralassistenz ­ zu erweitern, vielleicht auch ein Weg zur Reform des kirchlichen Weiheamtes und damit auch ein Weg aus der derzeitigen Krise?
Nun wird aber im Hinblick auf diese Problematik schnell deutlich, dass das theologische Selbstverständnis des Pastoralassistenten/der Pastoralassistentin immer noch unter einer nicht zu unterschätzenden Unklarheit leidet. Daher erscheint es als äusserst dringlich, diesen besonderen kirchlichen Dienst auf seine theologische Wertigkeit hin zu untersuchen und damit die immer noch offenen Fragen zu beantworten.
In welcher Korrelation stehen Weihesakrament und amtlicher Dienst in der Kirche? Erwächst der Dienst des Pastoralassistenten/der Pastoralassistentin aus dem kirchlichen Amt oder allein aus den ersten beiden Initiationssakramenten Taufe und Firmung? Genügt für den Dienst der Gemeindeauferbauung und Gemeindeseelsorge tatsächlich die blosse theologisch-wissenschaftliche Qualifikation, oder ist nicht auch eine geistliche Zurüstung notwendig? Welchen ekklesiologischen Ort hat der Dienst des Pastoralassistenten/der Pastoralassistentin in der Kirche überhaupt?
Wünschenswert wäre an dieser Stelle eine dogmatische Standortbestimmung, die die ekklesiologischen Grunddaten dieses kirchlichen Dienstes sowie die tatsächlichen Arbeitsfelder der Pastoralassistent(inn)en zufriedenstellend berücksichtigt.

Andreas Miesen


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1997