SKZ 49/1997

INHALT

Kirche in der Welt

Ein Werk für die skandinavische Diaspora

von Leo Keel

Die Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz und der skandinavischen Diaspora reichen weit zurück. Eine neue Bedeutung erhielten sie, als der Solothurner Päpstliche Diplomat, Erzbischof Bruno Heim, Delegat für die Kirche des Nordens wurde. Denn 1962 gründete er das Ansgarwerk, ein Diasporahilfswerk für Skandinavien; er selber bezeichnete das Ansgarwerk, das seit 1980 die Rechtsform eines Vereins hat, als «Werk für die vergessene Kirche des Nordens».

Diaspora des Nordens

Die Zahl der Katholiken nahm in den letzten 30 Jahren allerdings ständig zu. Es sind aber vor allem Zugänge aus südlichen Ländern. Zur Zeit der Hochkonjunktur holte auch der Norden sogenannte Fremdarbeiter, und diese waren meistens aus katholischen Ländern. Später kamen die vielen Flüchtlinge in den Norden, von denen ebenfalls viele katholisch waren. Pfarrer Guido Kreienbühl, der Leiter des Schweizerischen Ansgarwerkes und Verbindungsmann in Kopenhagen, berichtet von etwa 45 verschiedenen Nationalitäten unter seinen Gläubigen. Die sprachlichen Unterschiede sind sehr gross, haben aber das Gute an sich, dass sich am Sonntag in den Gottesdiensten alle am gemeinsamen Tisch des Herrn doch finden.
Die Diaspora-Situation mit den lutherischen Glaubensbrüdern ist dank guter ökumenischer Beziehungen nicht mehr so krass wie früher. Aber eine katholische Kirchensteuer gibt es heute noch nicht. Der Staat zieht von den Bürgern eine Kirchensteuer ein, wovon alle Bedürfnisse der staatlichen lutherischen Kirche abgedeckt sind. Die Kirche des Nordens lebt also von Sonntagsopfern und unter anderem von der Unterstützung der Ansgarwerke von Deutschland und der Schweiz.
Die nachstehende Statistik des deutschen Ansgarwerkes zeigt uns die Situation in den Ländern des Nordens.

Beziehungen der Schweiz zur Kirche des Nordens

Als Bischof Bruno Heim als apostolischer Delegat für die Kirche des Nordens mit Sitz in London wirkte, sah er die Situation klar und gründete das Ansgarwerk. Er stand damals schon in engem Kontakt mit P. Hermann Seiler SJ aus dem Wallis, der viele Jahre in Stockholm und Uppsala lebte und dozierte. Er war auch Mitbegründer der einzigen katholischen Zeitschrift Signum, die heute gerne von Hochschulen abonniert wird. Die Jesuiten führen dieses Presseorgan weiter, und jetzt wirkt P. Erwin Bischofberger SJ, ein Rheintaler, in dessen Redaktion mit. Er war viele Jahre Dozent an der Universität Uppsala und wurde Anfang 1997 zum Superior der Jesuiten in Stockholm ernannt.
Pfarrer Guido Kreienbühl von Pfaffnau (LU) ist Seelsorger für die deutschsprechenden Katholiken und seit 1. Januar 1997 auch noch für die Frankophonen. Er gründete die katechetische Arbeitsstelle in Kopenhagen und betreute viele Jahre den Steno-Verlag zur Herausgabe von katholischer Literatur.
In Kopenhagen ist zudem Sr. Stefania Thür, auch eine Rheintalerin, bei den Kleinen Schwestern Jesu im Einsatz für die Kranken. In Finnland, in Tampere und Piikiö, sind zwei welsche Kleine Schwestern Jesu in der Katechese tätig.
Die Beziehungen der Schweiz zur Kirche des Nordens reichen aber weiter zurück, ins Jahr 1823. Bischof Jakob Laurenz Studach von Altstätten war erster Hofkaplan am schwedischen Königshof nach der Reformation. Als er 1832 von Papst Gregor XVI. zum Apostolischen Vikar von Schweden und Norwegen ernannt wurde, wurde er im königlichen Hause und in Regierungskreisen als integrer, mit Takt und Klugheit sowie weiser Diplomatie ausgestatteter Mann der Kirche voll akzeptiert. Er wurde als Übersetzer und Autor von Werken in schwedischer Sprache Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften. Grosses leistete er als Wiederbegründer und Organisator der katholischen Kirche des Nordens. Im Pfarrarchiv Altstätten ist sein Lebenswerk beschrieben.
Dank der Opfer und Spenden der Mitglieder des Schweizer Ansgarwerkes und einiger Pfarreien ist es möglich, jedes Jahr Projekte für Presse und Katechese sowie Klöster und Vereinigungen der Kirche des Nordens finanziell zu unterstützen. In der halbjährlich erscheinenden Zeitschrift «Informationen der katholischen Kirche des Nordens» werden die Projekte vorgestellt. Mit dem Dank an alle Spender verbindet das Ansgarwerk die Hoffnung, dass noch weitere Pfarreien in der Schweiz die «vergessene Kirche des Nordens» unterstützen werden (Schweizer Ansgarwerk, Postkonto 60-20359-6; der Sitz ist beim SKF, Burgerstrasse 17, 6003 Luzern).

Leo Keel ist Präsident des Schweizer Ansgarwerkes


Statistik:
Die römisch-katholische Kirche in Nordeuropa

Land Bistum Fläche in km2 Zahl der Einwohner Zahl der Katholiken  % Zahl der Priester und Diakone Priester-
studenten
 Name des Bischofs
Dänemark Kopenhagen 43 000 5 231 902 32 082 0,61 104 4 Czeslaw Kozon
Altbischof: Hans L. Martensen
Schweden Stockholm 450 000 8 816 381 165 000 1,87 145 12 Hubertus Brandenburg
Weihbischof: W. Kenney CP
Norwegen (Süd) Oslo 154 560 3 149 095 36 472 1,16 51 8 Gerhard Schwenzer SSCC
Altbischof: John Gran
Norwegen (Mitte) Prälatur
Trondheim
56 458 612 928 2 188 0,36 5 2 Georg Müller SSCC
Apostolischer Administrator
Norwegen (Nord) Prälatur
Tromsoe
175 000 470 000 1 220 0,28 10 1 Gerhard Goebel MSF
Finnland Helsinki 338 145 5 077 912 6 133 0,12 24 1 Paul M. Verschuren SCJ
Island Reykjavik 103 000 250 000 2 050 0,82 13 1 Johannes Gijsen

         Stand: 1. Januar 1997


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1997