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Kirche in der Welt |
Die Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz und der skandinavischen Diaspora reichen weit zurück. Eine neue Bedeutung erhielten sie, als der Solothurner Päpstliche Diplomat, Erzbischof Bruno Heim, Delegat für die Kirche des Nordens wurde. Denn 1962 gründete er das Ansgarwerk, ein Diasporahilfswerk für Skandinavien; er selber bezeichnete das Ansgarwerk, das seit 1980 die Rechtsform eines Vereins hat, als «Werk für die vergessene Kirche des Nordens».
Die Zahl der Katholiken nahm in den letzten 30 Jahren allerdings ständig
zu. Es sind aber vor allem Zugänge aus südlichen Ländern.
Zur Zeit der Hochkonjunktur holte auch der Norden sogenannte Fremdarbeiter,
und diese waren meistens aus katholischen Ländern. Später kamen
die vielen Flüchtlinge in den Norden, von denen ebenfalls viele katholisch
waren. Pfarrer Guido Kreienbühl, der Leiter des Schweizerischen Ansgarwerkes
und Verbindungsmann in Kopenhagen, berichtet von etwa 45 verschiedenen Nationalitäten
unter seinen Gläubigen. Die sprachlichen Unterschiede sind sehr gross,
haben aber das Gute an sich, dass sich am Sonntag in den Gottesdiensten
alle am gemeinsamen Tisch des Herrn doch finden.
Die Diaspora-Situation mit den lutherischen Glaubensbrüdern ist dank
guter ökumenischer Beziehungen nicht mehr so krass wie früher.
Aber eine katholische Kirchensteuer gibt es heute noch nicht. Der Staat
zieht von den Bürgern eine Kirchensteuer ein, wovon alle Bedürfnisse
der staatlichen lutherischen Kirche abgedeckt sind. Die Kirche des Nordens
lebt also von Sonntagsopfern und unter anderem von der Unterstützung
der Ansgarwerke von Deutschland und der Schweiz.
Die nachstehende Statistik des deutschen Ansgarwerkes zeigt uns die Situation
in den Ländern des Nordens.
Als Bischof Bruno Heim als apostolischer Delegat für die Kirche
des Nordens mit Sitz in London wirkte, sah er die Situation klar und gründete
das Ansgarwerk. Er stand damals schon in engem Kontakt mit P. Hermann Seiler
SJ aus dem Wallis, der viele Jahre in Stockholm und Uppsala lebte und dozierte.
Er war auch Mitbegründer der einzigen katholischen Zeitschrift Signum,
die heute gerne von Hochschulen abonniert wird. Die Jesuiten führen
dieses Presseorgan weiter, und jetzt wirkt P. Erwin Bischofberger SJ, ein
Rheintaler, in dessen Redaktion mit. Er war viele Jahre Dozent an der Universität
Uppsala und wurde Anfang 1997 zum Superior der Jesuiten in Stockholm ernannt.
Pfarrer Guido Kreienbühl von Pfaffnau (LU) ist Seelsorger für
die deutschsprechenden Katholiken und seit 1. Januar 1997 auch noch für
die Frankophonen. Er gründete die katechetische Arbeitsstelle in Kopenhagen
und betreute viele Jahre den Steno-Verlag zur Herausgabe von katholischer
Literatur.
In Kopenhagen ist zudem Sr. Stefania Thür, auch eine Rheintalerin,
bei den Kleinen Schwestern Jesu im Einsatz für die Kranken. In Finnland,
in Tampere und Piikiö, sind zwei welsche Kleine Schwestern Jesu in
der Katechese tätig.
Die Beziehungen der Schweiz zur Kirche des Nordens reichen aber weiter zurück,
ins Jahr 1823. Bischof Jakob Laurenz Studach von Altstätten war erster
Hofkaplan am schwedischen Königshof nach der Reformation. Als er 1832
von Papst Gregor XVI. zum Apostolischen Vikar von Schweden und Norwegen
ernannt wurde, wurde er im königlichen Hause und in Regierungskreisen
als integrer, mit Takt und Klugheit sowie weiser Diplomatie ausgestatteter
Mann der Kirche voll akzeptiert. Er wurde als Übersetzer und Autor
von Werken in schwedischer Sprache Mitglied der königlichen Akademie
der Wissenschaften. Grosses leistete er als Wiederbegründer und Organisator
der katholischen Kirche des Nordens. Im Pfarrarchiv Altstätten ist
sein Lebenswerk beschrieben.
Dank der Opfer und Spenden der Mitglieder des Schweizer Ansgarwerkes und
einiger Pfarreien ist es möglich, jedes Jahr Projekte für Presse
und Katechese sowie Klöster und Vereinigungen der Kirche des Nordens
finanziell zu unterstützen. In der halbjährlich erscheinenden
Zeitschrift «Informationen der katholischen Kirche des Nordens»
werden die Projekte vorgestellt. Mit dem Dank an alle Spender verbindet
das Ansgarwerk die Hoffnung, dass noch weitere Pfarreien in der Schweiz
die «vergessene Kirche des Nordens» unterstützen werden
(Schweizer Ansgarwerk, Postkonto 60-20359-6; der Sitz ist beim SKF, Burgerstrasse
17, 6003 Luzern).
Leo Keel ist Präsident des Schweizer Ansgarwerkes
| Land | Bistum | Fläche in km2 | Zahl der Einwohner | Zahl der Katholiken | % | Zahl der Priester und Diakone | Priester- studenten |
Name des Bischofs |
| Dänemark | Kopenhagen | 43 000 | 5 231 902 | 32 082 | 0,61 | 104 | 4 | Czeslaw Kozon Altbischof: Hans L. Martensen |
| Schweden | Stockholm | 450 000 | 8 816 381 | 165 000 | 1,87 | 145 | 12 | Hubertus Brandenburg Weihbischof: W. Kenney CP |
| Norwegen (Süd) | Oslo | 154 560 | 3 149 095 | 36 472 | 1,16 | 51 | 8 | Gerhard Schwenzer SSCC Altbischof: John Gran |
| Norwegen (Mitte) | Prälatur Trondheim |
56 458 | 612 928 | 2 188 | 0,36 | 5 | 2 | Georg Müller SSCC Apostolischer Administrator |
| Norwegen (Nord) | Prälatur Tromsoe |
175 000 | 470 000 | 1 220 | 0,28 | 10 | 1 | Gerhard Goebel MSF |
| Finnland | Helsinki | 338 145 | 5 077 912 | 6 133 | 0,12 | 24 | 1 | Paul M. Verschuren SCJ |
| Island | Reykjavik | 103 000 | 250 000 | 2 050 | 0,82 | 13 | 1 | Johannes Gijsen |