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Theologie |
«Durch die Verschmelzung mit den Lehren und Lebensformen des Christentums,
das in ihrem Rahmen und unter ihrem ständigen Einfluss zu einer Weltreligion
wurde, hat die griechisch-römische Kultur in den Jahrhunderten der
Spätantike die Gestalt gewonnen, in der sie auf die Nachwelt weiterwirkte.»
(A. Dihle).
Wer in St-Maurice oder Chur, in Trier oder Köln romanische und gotische
Basiliken betrachtet, die auf Grundmauern aus dem 4. oder 6. Jahrhundert
stehen, hat ein echtes Sinnbild unserer Zivilisation vor Augen. Die spätrömische
und frühchristliche Zeit hat der kulturellen Entwicklung Europas die
Basis gegeben und ist in vielen ihrer Errungenschaften noch lebendig.
Früher hat uns die Schule ein eher turbulentes Bild dieser Epoche
mitgegeben. Es war vom «Fall Roms», vom «Ende der Antike»,
von der Völkerwanderung und vom «Anheben des Mittelalters»
die Rede. Die neuere historische Forschung erkennt aber zunehmend, dass
die Periode vom ausgehenden 3. bis zum Beginn des 8. Jahrhunderts
von Konstantin dem Grossen bis zu Karl Martell als einheitlicher Zeitraum
betrachtet werden muss, gekennzeichnet sowohl durch Beständigkeit (z.B.
in der Wirtschafts- und Sozialstruktur) als auch durch Wandel (z.B. Regionalisierung,
Verlagerung des westlichen Bildungswesens in den Klerus und die Klöster).
Bemerkenswerterweise sind Einheit und Bedeutung dieser Epoche in Freiburg
schon vor 100 Jahren erkannt worden. Bei der Gründung der theologischen
Fakultät wurde neben Kirchengeschichte und Patristik ein Seminar für
christliche Archäologie geschaffen. Es war weltweit die zweite Forschungsstelle
dieses Fachs (nach Freiburg im Breisgau). Sein Leiter war bis 1932 der erste
Rektor der Universität, der Luxemburger Professor Msgr. Jean-Pierre
Kirsch, der 35 Jahre später ein gleiches Institut in Rom gründete.
Auf ihn folgte der Freiburger Msgr. Othmar Perler, Professor 19321971
und Rektor 19521954.
Nach einer Zeit, in der die christliche Archäologie auch in Freiburg
von der klassischen, vor- und frühgeschichtlichen überschattet
worden war, besann sich die philosophische Fakultät ihrerseits auf
die früher von den Theologen gepflegte Tradition. Auslöser war
ab 1994 die Arbeitsteilung im Verbund der Universitäten Bern, Neuenburg
und Freiburg. Auch die west- und gesamtschweizerische Hochschulkoordination
verlangt eine aufgeteilte Spezialisierung. So hat die Universität Freiburg
diesen Herbst den Elsässer Jean-Michel Spieser zum Professor für
frühchristliche Archäologie berufen. Wie sieht er seine künftige
Arbeit?
«Das Fach beschäftigt sich, wie der Name sagt, mit den Werken
und Baudenkmälern, die von den Christen seit dem 3. Jahrhundert auf
uns gekommen sind. Im weiteren Sinne umfasst es seit der Regierung von Kaiser
Konstantin, der das Christentum offiziell anerkannt hat, die ganze Zivilisation
im Bereich des alten römischen Reiches. Für dessen westlichen
Teil beginnt dann mit den Merowingern eine neue Epoche. Im Ostteil mit dem
Balkan, Griechenland, Kleinasien, Syrien, Ägypten und Nordafrika (wobei
Italien als Sonderfall gilt) endet die frühchristliche Zeit teils mit
den arabischen Invasionen, teils setzt sie sich in der byzantinischen Kultur
fort. Der Freiburger Lehrstuhl wird den Akzent mehr auf dieses Ostreich
legen: Er will den Zugang zu Kunst und Geschichte der byzantinischen Welt
vermitteln und diese zum abendländischen Mittelalter in Beziehung setzen.»
Willy Kaufmann ist Generalsekretär des Hochschulrates sowie Sekretär des Hochschulvereins Freiburg und der Kommission für den Hochschulsonntag