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Kirche in der Schweiz |
«Macht und Ohnmacht»: So lautet das Thema der Tagsatzung 98, die vom 21. bis 23. Mai in Luzern stattfindet. Die Arbeitsgruppe «Inhalte» (Leitung: Pfarrer Markus Thürig, Kriegstetten) hat dazu das folgende Motto geprägt:
« Wir sind als Volk Gottes von Jesus Christus gesandt und ermächtigt,
Macht nicht als Herrschaft, sondern als Dienst zu gestalten,
angesichts der Mächte dieser Welt,
in Solidarität mit den Ohnmächtigen.»
Jeder dieser vier Punkte entspricht einem Unterthema. Zu jedem Unterthema
wird es sechs Ateliers geben, wovon je eines für Jugendliche. <1> Beim Punkt drei und vier geht es um gesellschaftliche
(wirtschaftliche, sozialpolitische, sozialethische...) Fragen. Es ist der
Kerngruppe der Tagsatzung ein zentrales Anliegen, sich nicht bloss bei innerkirchlichen
Problemen aufzuhalten. Wie es anderswo heisst: «Wollen wir wirklich
noch unsere Wirkkraft als Kirche behalten, so haben wir die Anfragen dieser
Welt und ihrer Menschen ernst zu nehmen. Wir müssen eine Kirche sein,
die für die Welt und für die Menschen da ist und nicht eine,
die um die eigenen Sachen kreist» (Rosmarie Bürgi, Direktorin
des Bildungszentrums Burgbühl in einem Interview der KIPA).
Dies bedeutet nicht, dass interne Fragen zu kurz kommen sollen. Auch heisse
Eisen dürfen und sollen angefasst werden. Die Tagsatzung kennt keine
Berührungsängste.
Schauen wir nun die vier Themenbereiche im einzelnen an, um einen Eindruck
von der geplanten Stossrichtung der Tagsatzung 98 zu erhalten. Beim ersten
Bereich geht es um die Weitergabe des Glaubens, um Kirchenaustritte und
um das Spannungsfeld zwischen den traditionellen Kirchenstrukturen und den
neuen Herausforderungen. Bei der Beschreibung des letztgenannten Ateliers
heisst es: «Wir begeben uns auf die Suche nach neuen Sozialformen
in der Kirche und nach neuen Formen der Gottesdienstfeier. Wir tauschen
unsere Erfahrungen aus über Orte, wo wir die Kirche diakonisch und
missionarisch erlebt haben.»
Von der Ohnmacht und Macht der Gläubigen von Lateinamerika lernen;
Ökumene: Dazu gibt es zwei weitere Ateliers. «Kirche: was soll
das?»: So heisst der Titel des Jugend-Ateliers.
«Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch soll es anders sein» (Mt 20,25f.). Dieses Bibelzitat steht über dem zweiten Unterthema. Ein erstes Atelier fragt aus der Perspektive des Reiches Gottes nach der Aufgabe der Kirche. Zum Atelier «Miteinander Gegeneinander» finden wir im vorliegenden Papier die Umschreibung: «Wie können wir die fundamentale Gleichheit aller Glieder der Kirche und ihre je spezifischen Aufgaben anerkennen? Bezüglich der Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen, von Ordinierten und Nichtordinierten, von Männern und Frauen, von Kirchgemeinderäten und Pfarreiräten, von Seelsorgern und Seelsorgerinnen einerseits und dem Kirchenvolk andererseits fragen wir: Wie können wir das Machtgefälle überwinden und von der Konkurrenz zur Partnerschaft gelangen?»
Die Titel der weiteren Ateliers lauten:
Männliche und weibliche Macht: Das Miteinander als schöpferische Kraft, Neues zu schaffen.
Sie stritten sich, wer der Grösste sei: Gewaltfreie Konfliktbewältigung in der Kirche.
Machtspiele.
Jugendmacht in der Kirche? Macht Jugend Kirche?
Kommen wir nun zu den gesellschaftlichen Fragestellungen der Tagsatzung
im Bistum Basel. Hier geht es um die soziale und wirtschaftliche Zukunft
der Schweiz, die wachsende Armut der Armen und den zunehmenden Reichtum
der Reichen, die freie Marktwirtschaft, die vielfältige Problematik
der Arbeit und den Gebrauch des Geldes (angesprochen ist auch das Geld für
grüne Projekte).
Greifen wir die Beschreibung des Jugend-Ateliers (das unter der Leitung
eines Trickfilmers steht!) heraus: «Meinen Traumberuf kann ich vergessen.
Man muss heute froh sein, eine Lehrstelle zu finden. ÐMit der Lehre
beginnt der Ernst des Lebensð, sagen sie. Geld haben ist lässig.
Geld regiert die Welt. Geld gebe ich für das oder jenes leicht aus.
Ich möchte arbeiten, aber nicht nur arbeiten.»
«In besonderer Solidarität mit den Ohnmächtigen»: Bei diesem vierten Unterthema wird in der Auseinandersetzung mit den Propheten, dem Magnifikat und der Bergpredigt über die «Umkehr der Werte» reflektiert. Geplant sind auch Begegnungen mit Menschen am Rande. «Macht und Ohnmacht: Ein Blick auf mein eigenes Leben», heisst ein weiteres Atelier. Das werdende Leben sowie Versöhnung und Schuldeingeständnis sind zwei andere, sehr aktuelle Stichworte. Das Jugend-Atelier «Just do it» soll spielerisch und kreativ gestaltet werden und zu einer konkreten Aktion an Ort führen.
Die 24 Ateliers vom Donnerstagabend und Freitagvormittag stehen, soweit
es die Platzverhältnisse erlauben, allen Interessierten und nicht nur
den rund 300 Delegierten offen. Hier soll versucht werden, Selbstverpflichtungen
und Impulse für die Basis zu finden, um aus der Ohnmacht zur gegenseitigen
Ermächtigung zu kommen. Am Freitag nachmittag versammeln sich dann
die Delegierten der vier Themenbereiche. Am Samstag findet die Plenarversammlung
statt.
Das Verfahren ist nicht darauf angelegt, schöne Texte zu produzieren.
Vielmehr soll ein Prozess der Ermutigung in Gang kommen. Wenn Schritte aus
der Resignation heraus unternommen werden, lohnt sich das Unternehmen Tagsatzung
98 im Bistum Basel.
Walter Ludin ist Informationsbeauftragter der Tagsatzung 98
<1>
Die sechs A4-Seiten umfassende Liste der 24 Ateliers mit thematischer Umschreibung
und Angaben über die Leitung ist erhältlich bei: Sekretariat Tagsatzung
98, Postfach 2069, 6002 Luzern. Ab 1. Dezember ist sie auch im Internet
abrufbar. tagsatzung98@kath.ch