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Kirche und Staat |
Am 22. September 1997 tagte in Zürich der Verein
Forum der Laientheologinnen und Laientheologen des Bistums Chur. Der Churer
Neutestamentler Prof. Dr. Franz Annen beleuchtete in einem einleitenden
Impulsreferat das Thema Versöhnung. Die Traktanden der Generalversammlung
wurden in kürzester Zeit besprochen und gutgeheissen. Weniger einhellig
verlief die Diskussion um die Neubelebung des Ständigen Diakonates,
der die Mehrheit der Laientheologen und -theologinnen kritisch gegenübersteht.
Mit der Weihe von 7 männlichen und verheirateten Kandidaten zu Ständigen
Diakonen im Winter erreicht die seit einiger Zeit von der Churer Bistumsleitung
angestrebte Neubelebung dieser Weihestufe einen vorläufigen Höhepunkt.
So unbestritten die grundsätzliche Möglichkeit dieser Weihe ist,
so kritisch distanziert sieht ein Grossteil der Laientheologen und -theologinnen
der Entwicklung entgegen. Eine breitangelegte schriftliche Umfrage hatte
nämlich eine klare Ablehnung im Verhältnis 2:1 ergeben. Besonders
der Ausschluss von Frauen vom Diakonat und die damit verbundene Frage nach
solidarischem Verhalten unter den Laientheologen und -theologinnen nahm
in der Debatte breiten Raum ein.
Trotz kontroverser Diskussion war die Auseinandersetzung von Respekt und
Offenheit geprägt und machte deutlich, dass die Churer Laientheologen
und -theologinnen an ihrer Solidarität festhalten und nicht bereit
sind, sich durch diese Frage auseinanderdividieren zu lassen.
An der Generalversammlung des Vereins Forum der Laientheologinnen und
Laientheologen des Bistums Chur im Herbst 1996 wurde im Anschluss an eine
Diskussion über den Ständigen Diakonat eine Arbeitsgruppe damit
beauftragt, über eine Umfrage ein allgemeines Stimmungsbild zu diesem
Thema zu zeichnen.
Die Vereinsmitglieder konnten mit einem nach Geschlecht aufgeschlüsselten
Fragebogen antworten, dem zwei vorgegebene Aussagen zugrundelagen, und zwar
Ziel dieser Umfrage war es, ohne Anspruch auf Wissenschaftlichkeit ein allgemeines Stimmungsbild bei den Laientheologinnen und Laientheologen des Bistums Chur einzuholen.
Von 98 Fragebogen wurden 64 ausgefüllt zurückgeschickt: Geantwortet
haben 18 Frauen (28%) und 46 Männer (72%). Den 20 positiven Antworten
(31%) stehen auf ablehnender Seite 44 (69%) gegenüber, was insgesamt
eine Ablehnung im Verhältnis 2:1 dokumentiert.
Nach Geschlecht aufgeteilt lassen sich die Antworten folgendermassen aufschlüsseln:
Die Frauen haben sich grossmehrheitlich negativ geäussert (3 positiv,
15 negativ), und auch auf seiten der Männer (17 positiv, 29 negativ)
überwiegt die ablehnende Haltung.
Dieses allgemeine Stimmungsbild zeigt in aller Deutlichkeit auf, dass auch
mit den Anstrengungen, den Ständigen Diakonat neu zu beleben, die Frage
nach Zulassung der Frauen zu dieser Weihe höchstens aufgeschoben, aber
nicht aufgehoben ist.
Ernstgenommen werden muss diese ablehnende Haltung dem Ständigen Diakonat
gegenüber aber auch aus zwei Hintergründen, welche in der Umfrage
nicht zum Ausdruck kommen:
1. Der Neubelebung des Ständigen Diakonats wird kritisch ablehnend begegnet, weil die Tendenz erkennbar ist, diesen mittelfristig als conditio sine qua non für das Ausüben der Gemeindeleitungsfunktion zu definieren.
2. Für eine Mehrzahl der potentiellen männlichen Kandidaten kommt der Ständige Diakonat nicht in Frage, weil mit dem Versprechen des Gehorsams dem Bischof gegenüber eine verpflichtende Bindung eingegangen wird eine Bindung, welche übrigens die Bistumsleitung selber gar nicht will (siehe Institutio, welche ohne stichhaltige Begründung seit 8 Jahren nicht mehr erteilt wird).
Aus der Umfrage zieht das Forum der Laientheologinnen und Laientheologen des Bistums Chur dem die Ständigen Diakonate als Vollmitglieder angehören das Fazit:
Auch in diesem Fall steht schlussendlich die Frage des Vertrauens in die Bistumsleitung.