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Kirche und Staat |
Der zionistische Traum von einem Land ohne Volk für ein Volk ohne
Land nahm die Wirklichkeit Palästinas verzerrt wahr, und auch das arabische
Bestehen auf einem arabischen Palästina nahm die Wirklichkeit nicht
zur Kenntnis. Ein Teil der Folgen wird uns von den Informationsmedien täglich
zur Kenntnis gebracht. Ein anderer Teil ist weniger spektakulär, aber
nicht minder tragisch: Die Situation der autochthonen Christen und Christinnen
im jüdischen Israel und im mehrheitlich muslimischen Palästina,
ganz abgesehen von den langjährigen kriegerischen Auseinandersetzungen
im einst mehrheitlich christlichen Libanon. Diese autochthonen Christen
und Christinnen sprechen heute arabisch, weil sich im Gefolge der arabischen
Völkerwanderung des 7. und 8. Jahrhunderts nicht nur der Islam ausgebreitet
hat, sondern auch die christlich gebliebenen Gläubigen die arabische
Sprache übernommen hatten. Den Nachkommen dieser «alten»
Christen und Christinnen muss die ihnen von westlichen Glaubensgeschwistern
nicht selten gestellte Frage, wann sie denn (vom Islam her) konvertiert
hätten, bitter schmecken.
Solidarität mit den Christen und Christinnen im «Heiligen Land»
kann deshalb zum einen ohne weiteres als Teil der durch die Verstrickung
in die Irrungen und Wirrungen des Zweiten Weltkrieges geforderten Solidarität
verstanden werden. Zum andern erfüllt die Solidarität mit den
autochthonen Gläubigen in den Ursprungsländern des Christentums
nicht nur das Apostelwort, allen Menschen Gutes zu tun, besonders aber denen,
die mit uns im Glauben verbunden sind (Gal 6,10), sondern auch den Gedanken
des Austauschs, mit dem Paulus die Kollekte für die Gemeinde von Jerusalem
begründet hatte (Röm 15,2522, 1 Kor 16,14, 2 Kor 8 und
9, Gal 2,10).
Im Dienste dieser doppelten Solidarität stehen auch in der Schweiz
verschiedene Institutionen und Organisationen, nicht zuletzt der Schweizerische
Heiligland-Verein (SHLV). Ihm hat die Schweizer Bischofskonferenz die Durchführung
der jährlichen Karwochenkollekte anvertraut, und er verteilt auch die
Hälfte des Kollektenergebnisses an Projekte, während die andere
Hälfte über die Kustodie der Franziskaner eingesetzt wird; ein
Drittel des Kustodiebeitrages geht im übrigen gleich an die Kongregation
für die orientalischen Kirchen.
Neben dem Karwochenopfer bittet der SHLV auch das Jahr über um Spenden
für Projekte, die er in seiner viermal jährlich erscheinenden
Zeitschrift «Heiliges Land» jeweils vorstellt. Während
das Karwochenopfer keinen Rückgang verzeichnete, musste die diesjährige
Generalversammlung des SHLV einen spürbaren Spendenrückgang zur
Kenntnis nehmen. Betroffen davon sind nicht nur die Projekte, für die
gezielt gesammelt wurde, sondern auch der Bereich der freien Spenden; diese
ermöglichen zum einen die kurzfristige Wahrnehmung von Aufgaben im
«Heiligen Land» und die Restfinanzierung von Projekten, zum
andern stellen sie die Infrastruktur der Hilfstätigkeit des SHLV sicher.
Der SHLV pflegt an seine Jahresversammlungen jeweils einen Gast aus seinem
Wirkungskreis einzuladen; dieses Jahr war es der Gründer und Leiter
des Sozialwerkes «Haus der Gnade» in der israelischen Hafenstadt
Haifa, Kamil Shehade. Obwohl in Israel die kleinste Minderheit, wollen die
Christen ihren Beitrag zum Frieden leisten, versicherte Kamil Shehade; sich
als Brückenköpfe des Friedens zwischen der jüdischen und
der muslimischen Seite sogar (be)treten lassen, was für das arabische
Lebensgefühl einer Selbstentäusserung gleichkomme. Von der Wohnbevölkerung
Israels sind 17% arabischer bzw. palästinensischer Herkunft; 2% sind
christlich, und zu dieser Minderheit gehören die rund 60000 Melkiten,
die Angehörigen der griechisch-katholischen Kirche, deren Abteilung
für soziale Wohlfahrt auch das «Haus der Gnade» zugehört.
Obwohl hauptsächlich für therapeutische Sozialarbeit gegründet,
hat es beispielsweise zunehmend mit hilfsbedürftigen Familien zu tun,
mit Alleinerziehenden oder mit Familien mit einer grossen Kinderzahl. Von
der Armut ist die arabische bzw. palästinensische Bevölkerung
besonders betroffen: mit einem Anteil von 17% an der Gesamtbevölkerung,
beträgt ihr Anteil an den unter der Armutsgrenze Lebenden 38,5%; beunruhigend
ist, dass 45% dieser unter der Armutsgrenze Lebenden Kinder sind.
Die Christen (und Christinnen) im «Heiligen Land» sind so vielfach
herausgefordert, und sie sind auch bereit, auf diese Herausforderungen zu
antworten. Sie dabei zu stärken, sind ihre westkirchlichen Glaubensgeschwister
gefragt. <1>
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Schweizerischer Heiligland-Verein, Postfach 6280, 6000 Luzern 6, Telefon
041-4205788 und 4205789, Telefax 041-4203250, Postkonto 90-393-0.