SKZ 40/1997
Nachdiplomstudium für kirchliche Berufe
Die Fort- und Weiterbildung im kirchlichen Bereich erfolgt nicht nur
in Form kirchlicher oder freier Angebote, sondern zunehmend auch in enger
Zusammenarbeit von kirchlichen Ausbildungsverantwortlichen und Hochschulen
und so gezielt als Nachdiplomstudium. So wird zurzeit an der Universität
Bern im Rahmen der Fördermassnahmen des Bundes für die universitäre
Weiterbildung ein Nachdiplomstudium für Ausbildungspfarrer und
-pfarrerinnen durchgeführt, an dem auch eine katholische Seelsorgerin
teilnimmt; und so wurde der letzte vom Institut für Fort- und Weiterbildung
der Katechetinnen und Katecheten (IFOK) durchgeführte «Kaderkurs»,
der Weiterbildungskurs «Leiten und Begleiten», erstmals in so
enger Zusammenarbeit mit dem Katechetischen Institut Luzern (KIL) durchgeführt,
dass er als Nachdiplomstudium des KIL angelegt werden konnte; so konnte
er vom Bundesamt für Bildung und Wissenschaft finanziell unterstützt
werden, und so wurde als Abschlussdiplom ein staatlich anerkanntes Zertifikat
überreicht.
An der Diplomfeier brachte Walter Bühlmann im Namen des Erziehungsrates
des Kantons Luzern seine Freude darüber zum Ausdruck, dass nun auch
im kirchlichen Bereich die praktische Ausbildung vermehrt professionalisiert
wird. Dass der Nachdiplomkurs «Leiten und Begleiten» durchgeführt
werden konnte, bedeute:
«1. Die Kirche (oder wenigstens einzelne Vertreterinnen und Vertreter
der Kirche) nimmt wahr, dass Leiten von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen
sowie Teamleitung auch in der Kirche seriös und qualifiziert angegangen
sein will. 2. Die Kirche (oder wenigstens einzelne Vertreterinnen und Vertreter
der Kirche) setzt Ansprüche an Leitung und Führung. So ist der
Kurs ÐLeiten und Begleitenð ein Versuch, den hohen Erwartungen,
die an die Leitungskompetenz gestellt werden, gerecht und kompetent zu begegnen.»
Ziel dieses berufsbegleitenden Lehrganges war denn auch, Leitungs- und Beratungsaufgaben
im religionspädagogischen und jugendpastoralen Umfeld kompetenter wahrnehmen
zu können, um den gestiegenen Anforderungen einer veränderten
gesellschaftlichen, kirchlichen und schulischen Realität besser gewachsen
zu sein. Deshalb wurden Theorie und Praxis prozessorientiert miteinander
verbunden, und gehörte die Auseinandersetzung mit Gruppenprozessen
und Gruppendynamik ebenso zu den Kursinhalten wie die Reflexion von Rollen
und Leitungsstilen, Methoden der Projektarbeit, Konfliktmanagement und religionspädagogische
Grundlagen für die Entwicklung von Ausbildungskonzepten.
In Zusammenarbeit mit der Theologischen Fakultät der Hochschule Luzern
und der Vereinigung der Spitalseelsorger und -seelsorgerinnen
plant das IFOK ein Nachdiplomstudium für Klinikseelsorge (Abendweg
1, 6006 Luzern, Telefon 041-4194820, Telefax 041-4194821).
Das Berner Nachdiplomstudium für Ausbildungspfarrer und -pfarrerinnen
will in drei Jahren berufsbegleitend Pfarrerinnen und Pfarrer zu kompetenten
Lehrpersonen in der praktischen Berufsausbildung von Theologinnen und Theologen
ausbilden. Auch wenn die Berufseinführung in den evangelisch-reformierten
Kirchen anders ist als in den römisch-katholischen Bistümern,
kann dieses Nachdiplomstudium auch für katholische Theologen und Theologinnen,
die sich an der Berufseinführung beteiligen, interessant sein. Es setzte
ein mit einem Überblick über den gegenwärtigen Stand der
theologischen Forschung und konzentrierte sich nachher auf die konkreten
Aufgaben der Kirchen in der Gesellschaft von heute und morgen. Klaus Wegenast,
bis vor einem Jahr Ordinarius für Praktische Theologie und heute Gesamtleiter
des Nachdiplomstudiums, legt grosses Gewicht auf die Berücksichtigung
der heutigen Gesellschaft. Das Nachdiplomstudium soll künftige «Lehrmeister»
und «Lehrmeisterinnen» einerseits mit Problemen der modernen
säkularen und pluralistischen Gesellschaft, mit der ihr eigenen Individualisierung
und dem Fehlen integrierender Sinn- und Verhaltenssysteme konfrontieren
und anderseits danach fragen lehren, was das alles für das Pfarramt
und vor allem für eine Berufseinführungsphase bedeutet.
Denn die praktische Ausbildung (Berufseinführung, Vikariat) an der
Nahtstelle zwischen Universität und kirchlicher Praxis muss nach der
an der Universität erworbenen «wissenschaftlich theologischen
Qualifikation» und auf ihr aufbauend eine «berufspraktisch theologische
Qualifikation» vermitteln, und zwar am Lernort Kirchengemeinde bzw.
Pfarrei. Um dieses Ziel erreichen zu können, braucht es qualifizierte
Begleiter und Begleiterinnen, qualifizierte Ausbildungspfarrer und -pfarrerinnen.
Abgeschlossen wird der laufende Lehrgang nächstes Jahr; spätere
Wiederholungen sind geplant.
Rolf Weibel
© Schweizerische Kirchenzeitung - 1997