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Kirche in der Schweiz |
Mit dem Vorabendgottesdienst der diesjährigen Engelweih-Feierlichkeiten wurde die restaurierte und umgestaltete «Gnadenkapelle» oder «Heilige Kapelle» in der Klosterkirche Einsiedeln wieder eröffnet. Zum Abschluss der Renovation orientierten das Kloster und die Gestalter die Öffentlichkeit über das gelungene Werk.
Im Zuge der Kirchenrestaurierung wurde auch die Gnadenkapelle zum einen sorgfältig überholt und zum andern so neu gestaltet, dass sie den heutigen liturgischen Bedürfnissen entspricht, fasste Abt Georg Holzherr die in den letzten Jahren ausgeführten Arbeiten zusammen. Dabei sei allen Beteiligten bewusst gewesen, dass sie mit grosser Sensibilität ans Werk gehen mussten; zudem galt es, die Wünsche namentlich von Kloster, Wallfahrt und Denkmalpflege aufeinander abzustimmen. Zentrales liturgisches Anliegen war, durch bauliche und gestalterische Massnahmen den Altar deutlich als Mittelpunkt der Gnadenkapelle, die mehr ist als eine Nebenkapelle, nämlich ein «Kirchlein in der Kirche» (J. W. von Goethe), erscheinen zu lassen. So erinnert die Umgestaltung an das ursprüngliche Patrozinium: Es war eine Erlöser-Kapelle Sanctissimi Salvatoris und ein Kreuz-Altar altare ad crucem , weshalb das Engelweih-Fest auch am Heilig-Kreuz-Tag gefeiert wird; die Kreuzesreliquie ist denn auch wieder im Altaraufbau unter dem Gnadenbild eingesetzt. Mit dem neuen Zelebrationsaltar stehen in der Stiftskirche wieder 12 Altäre, mit denen die 12 Glocken korrespondieren.
Um Platz für einen Zelebrationsaltar zu schaffen, war zuerst geplant, den bestehenden Altar von 1834 zu verkürzen, führte der Architekt Hans Steiner aus. Beim Abbau der Altarmensa wurden dann unter der Marmorverkleidung recht gut erhaltene Teile des Altars von 1817 aus Stuckmarmor in den gleichen Farben und Formen wie die Seitenwände des Kapellenchors entdeckt. So begann sich ein klassizistischer Grundakkord abzuzeichnen und durchzusetzen. So kam es unter Beteiligung der Denkmalpflege zum Beschluss, den Altaraufbau von 1834 sorgfältig auszubauen. Auf die zahlreichen Stuckmarmorarbeiten entfällt denn auch rund die Hälfte der für die Renovation der Gnadenkapelle budgetierten Gesamtkosten von Fr. 685 000..
Mit der Rückführung des Kapelleninneren auf das Jahr 1817 musste auch der Boden neu gestaltet werden. In Anlehnung an klassizistische Vorschläge des Klosterbruders Jakob Natter, des Architekten der heutigen Gnadenkapelle, fiel für das Kapellenschiff die Wahl auf einen dunklen Boden aus Alpenkalk; der Chorboden ist wie der Altar aus weissem Carraramarmor mit ockergelben Schlieren, der mit Bändern in den dunklen Boden des Schiffs ausgreift.
Der Zelebrationsaltar weist einen genügenden Abstand zur Rückwand
auf, so dass die heute allgemein übliche Zelebration «der Gemeinde
zugewandt» (Allgemeine Einführung in das Messbuch) möglich
ist. Mensa und Stipes bilden den Buchstaben Tau und erinnern so an den ursprünglichen
Kreuzesaltar. In die Mensa eingelassen ist der sandsteinerne Reliquienstein
(Portatile) aus dem Jahre 1817 mit Reliquien der Heiligen Meinrad, Luzius
und Adelrich, der durch Anstückung von Sandstein auf die Grundrissfläche
von 33 auf 33 Zentimeter gebracht und mit einer vergoldeten Metalleiste
gefasst wurde. Die Zahl Drei wird in den Massverhältnissen des Altars
fortgesetzt, ergänzt um weitere symbolrelevante Zahlen.
Für den künstlerischen Gestalter der neuen Einrichtungen der Gnadenkapelle
Altar, Ambo, Tabernakel und Bestuhlung , den Liechtensteiner
Bildhauer Georg Malin, war es ein Anliegen, mit dieser konsequenten Ausrichtung
an der Zahlen- und Zeichensymbolik des jüdisch-christlichen Kulturkreises
an eine grosse Tradition wiederanzuknüpfen.
Für die Pressemappe hatte P. Othmar Lustenberger eine Chronik der Baugeschichte der Gnadenkapelle zusammengestellt, die von einer wechselvollen Geschichte berichtet; dieser Geschichte ist jetzt ein weiteres Kapitel angefügt worden. Dass eine Neugestaltung zu reden gibt und nicht alle irgendwie Beteiligten zufriedenstellen kann, liegt in der Natur der Sache: Wenn man sich für eine Variante entscheidet, schliesst man die anderen notwendigerweise aus. In der Natur der gegenwärtigen Befindlichkeit oder Gestimmtheit unserer Kirche liegt indes, dass der Ausdruck solchen Missfallens unverfrorene und beleidigende Formen angenommen hat und vielleicht noch weiter annehmen wird. Tröstlich dabei ist bloss, dass ein gelungenes Werk auf die Dauer stärker sein wird als ideologische Vorurteile.