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Kirche in der Schweiz |
Ende Juni 1997 ist im Bistum Sitten ein reiches Seelsorgejahr 1996/1997
zu Ende gegangen. Höhepunkte dieses Jahres waren die verschiedenen
Weihen von Diakonen, Ständigen Diakonen und Priestern, die Fortbildungskurse
für Priester und Laien sowie die Vorbereitung auf das Jahr 2000. Im
Unterwallis fand zudem im Frühjahr 1997 ein stark besuchtes und vielbeachtetes
Familienfestival statt.
Es lohnt sich, am Ende eines Seelsorgejahres innezuhalten und Bilanz über
die Arbeit des vergangenen Jahres zu ziehen. Im Bistum Sitten darf auf ein
reich gesegnetes Pastoraljahr zurückgeschaut werden. Einige Schwerpunkte
sollen nachfolgend festgehalten werden.
Am 13. Oktober 1996 eröffnete Bischof Norbert Brunner anlässlich
des Weihetages der Kathedrale von Sitten die Vorbereitungszeit auf das Jubiläum
2000. Diese Eröffnung wurde in allen Pfarreien mitgefeiert.
Darauf folgte ein intensives Jahr der Vorbereitung: Es wurde ein bistumeigenes
Logo kreiert, das guten Anklang gefunden hat; im Oberwallis hat jede Pfarrei
eine Kontaktperson respektive einen Ansprechpartner in Sachen Jubiläum
2000 bezeichnet. In den fünf Dekanaten des Oberwallis fand jeden Monat
abwechselnd ein Gebetsabend statt, um für eine gute innere Vorbereitung
auf das grosse Jubiläum zu beten. Der Fortbildungskurs für die
kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im deutschsprachigen Teil des
Bistums stand im März dieses Jahres unter dem Thema «Christus».
Die Pfarreien haben einen Leitfaden für die Seelsorge zum Thema Jubiläum
2000 erhalten.
Zurzeit ist ein Gebet und ein «Antependium» für das Jubiläum
in Vorbereitung. Dieses Antependium, ein Leinentuch, kann für verschiedene
Zwecke gebraucht werden: für den Altar, Ambo, als Wandbehang oder auch
als Fahne. Es wird die Kirchenfarben als Zeichen der Erneuerung der Kirche
auf die Jahrtausendwende hin tragen. Drei Kreise in den Farben Blau-Grün-Rot
symbolisieren die christlichen Grundtugenden Glaube, Hoffnung und Liebe.
Auf jedem dieser farbigen Kreise wird ein Symbol für die drei Jahre
sichtbar sein: für Christus, für den Heiligen Geist und für
Gott-Vater. Die Antependien werden Anfang Oktober erhältlich sein.
Am Sonntag, den 8. Dezember 1996 konnte Bischof Norbert Brunner in der
Pfarrkirche von St-Martin Bruno Sartoretti zum Diakon und Jean-Michel Moix
zum Priester weihen. Am gleichen Tag erhielt auch Pascal Venetz in der Pfarrkirche
von Kippel die Diakonatsweihe. Beide Diakone erhielten am vergangenen 8.
Juni in der Kathedrale von Sitten durch Bischof Norbert Brunner die Priesterweihe.
Das Bistum Sitten erhielt somit im vergangenen Seelsorgejahr drei Neupriester.
Insgesamt konnte Bischof Norbert Brunner, seitdem er im Amt ist, schon sieben
Diakonatsweihen und 15 Priesterweihen (elf Diözesanpriester und vier
Ordenspriester) erteilen.
In diesem Jahr erhielt das Bistum drei neue Ständige Diakone. Die Gesamtzahl
der Ständigen Diakone im Bistum Sitten und dem Grossen St. Bernhard
ist nun, seit der offiziellen Einführung des Ständigen Diakonats
im Jahre 1993, auf zehn angewachsen. In der Ausbildung befinden sich zurzeit
drei Kandidaten.
Am 30. Oktober 1996 und am 16. April 1997 fanden die zwei jährlichen
Priesterratssitzungen statt. Schwerpunkt der Herbstsitzung war das Thema
«Priester-sein heute». Ein vertieftes Nachdenken über die
Berufung des Priesters wird immer dringender und elementarer. An der Frühjahrssitzung
beschäftigte sich der Priesterrat vor allem mit dem Thema «Wortgottesfeiern
im Bistum Sitten». Während die Herbstsitzung mehr einen besinnlichen
und bildenden Charakter hatte, ging es an der Frühjahrssitzung um praktische
Fragen und Probleme, die die konkrete Seelsorge betrafen.
«Jesus von Nazaret, der Christus zu unserem Heil» war das diesjährige
Thema der Fortbildung im Oberwallis. Professor Hermann-Josef Venetz von
Freiburg verstand es, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Jesus,
seine Person und seine Frohe Botschaft zu begeistern. Er entführte
sie in die Zeit Jesu, zeigte ihnen sein konkretes Umfeld auf, führte
sie in Kultur, Sitten und Bräuche jener Zeit ein, verstand es aber
auch ebensogut, Brücken zu schlagen in die heutige Zeit, um so Jesus
Christus auch für uns heute zu aktualisieren. Im Unterwallis befasste
sich der Fortbildungskurs mit dem Thema: «Im Dienste der Kirche an
der Schwelle zum 3. Jahrtausend».
Im vergangenen Herbst musste Bischof Norbert Brunner wieder einen dringenden
Appell an alle Gläubigen des Bistums richten. Er stellte seinen Aufruf
unter den Leitgedanken: «Hilf Deiner Kirche und hoffe mit ihr».
Die Weiterarbeit mehrerer Seelsorgestellen im Bistum war gefährdet,
weil die Finanzen knapp geworden waren. Die Gläubigen haben den Hilferuf
sehr gut verstanden und haben grosszügig geantwortet. Verschiedene
Dienste und Dienststellen hängen im Bistum Sitten finanziell wesentlich
von diesem jährlichen Opfer ab. Darum hofft der Bischof, dass die Gläubigen
sich dessen auch im kommenden Herbst bewusst bleiben.
Seit ungefähr einem Jahr hat sich im französischsprachigen Teil
des Bistums Sitten eine neue Initiative entwickelt, um gegen die verschiedenen
Formen der neuen Armut anzugehen. Die Verantwortlichen der Dienststelle
Diakonie des Seelsorgerates besuchten im vergangenen Jahr die Pfarreiräte,
um die einzelnen Pfarreiratsmitglieder für dieses Anliegen zu sensibilisieren.
Ziel ist es, in jeder Pfarrei Personen zu finden, die ein waches Auge für
Menschen haben, die unter irgendeiner Form von Armut leiden. Das kann materielle
oder geistige Armut sein, Menschen, die mit Drogen oder Alkohol Probleme
haben, usw. Wichtig dabei ist, dass diese Leute erfasst werden können,
bevor sie in die Isolation absinken. Und damit diese Menschen dort, wo sie
leben, Hilfe bekommen und begleitet werden können, braucht es in grösseren
Orten sogar in jedem Wohnquartier einen Beauftragten dafür. Damit würde
die Kirche einem wichtigen diakonalen Dienst gerecht.
Die Frage der Diakonie wird im Seelsorgerat Oberwallis in der kommenden
Amtsperiode (19972000) Gesprächsthema sein.
Ebenso hat Caritas Wallis im vergangenen Seelsorgejahr in Brig eine neue
Zweigstelle eröffnet, die von Sr. Denise Malin ehrenamtlich geleitet
wird. In der Beschreibung der Zweigstelle heisst es: «Wir verstehen
uns als Anlaufstelle für Hilfesuchende. Mit ihnen besprechen wir Probleme
und Schwierigkeiten und suchen die nächsten Schritte. Unsere Hilfe
ist vor allem Weg und Stärkung der Selbsthilfe, wir informieren über
entsprechende Dienststellen und leisten finanzielle Hilfe, wo es möglich
ist.»
Am Ende des Seelsorgejahres, am 13. Juni 1997, lud der Bischof alle Verantwortlichen
sowie Mitglieder der Kommissionen und Dienststellen zu einem gemütlichen
und freundschaftlichen Treffen ein. Damit verbunden war eine Wortgottesfeier,
ein Apéro und ein Imbiss. In seiner Einladung schrieb der Bischof:
«Für einmal soll es keine Arbeitssitzung sein. Ich lade Sie einfach
zu einer Begegnung ein, ohne Dossier, ohne Notizblock und ohne Agenda.»
Es sollte ein Zeichen des Dankes für die stete Verfügbarkeit und
Einsatzbereitschaft der Mitglieder im Dienste des Bistums sein. Die grosse
Beteiligung von über 100 Personen war eine echte Freude für alle.
Der Kathedralweihetag (der 2. Sonntag im Oktober) soll während der
ganzen Vorbereitungszeit auf das Jahr 2000 hin zu einem grossen Bistumsfest
werden. Konkrete Hinweise über das nähere Programm werden im September
gemacht.
Mit dem Oktobermonat will die Jubiläumskommission 2000 eine Serie von
Beiträgen im Walliser Boten über das Wallis und das Christentum
veröffentlichen. Diese Beiträge sollen vorerst zweimonatlich erscheinen.
Ihr Ziel ist es, die Gläubigen des Bistums zu einer Art Wanderung in
Wort und Bild durch ihr eigenes christliches Erbe einzuladen.
Über die Arbeit des Bischofs gäbe es vieles zu berichten; ein
kleines Ereignis aus seinem Alltag soll diesen Bericht beschliessen: Es
war nach einer Firmung, an der Vigil des Pfingstfestes. Der Bischof hatte
einer ganzen Reihe von Firmlingen die Hände aufgelegt. Die Leute waren
alle noch auf dem Vorplatz der Kirche versammelt, als unvermittelt ein 3-
bis 4jähriges Mädchen auf den Bischof zusteuerte, ihr noch jüngeres
Schwesterchen mit sich zog und dem Bischof ihr Händchen entgegenstreckte
und das, was sie offenbar während der Firmung vom Bischof immer wieder
gehört hatte, nun auch ihm wünschen wollte und sagte: «Der
Friede sei mit Dir!» Möge dieser Friedensgruss aus Kindermund
uns alle in das nächste Seelsorgejahr begleiten.
Heidi Widrig ist Mitarbeiterin namentlich für den Informationsdienst am Bischöflichen Ordinariat Sitten