SKZ 37/1997

INHALT

Kirche in der Schweiz

Im Bistum Sitten ist ein reiches Seelsorgejahr zu Ende gegangen

von Heidi Widrig

Ende Juni 1997 ist im Bistum Sitten ein reiches Seelsorgejahr 1996/1997 zu Ende gegangen. Höhepunkte dieses Jahres waren die verschiedenen Weihen von Diakonen, Ständigen Diakonen und Priestern, die Fortbildungskurse für Priester und Laien sowie die Vorbereitung auf das Jahr 2000. Im Unterwallis fand zudem im Frühjahr 1997 ein stark besuchtes und vielbeachtetes Familienfestival statt.
Es lohnt sich, am Ende eines Seelsorgejahres innezuhalten und Bilanz über die Arbeit des vergangenen Jahres zu ziehen. Im Bistum Sitten darf auf ein reich gesegnetes Pastoraljahr zurückgeschaut werden. Einige Schwerpunkte sollen nachfolgend festgehalten werden.

Vorbereitung auf das Jubiläum im Jahr 2000

Am 13. Oktober 1996 eröffnete Bischof Norbert Brunner anlässlich des Weihetages der Kathedrale von Sitten die Vorbereitungszeit auf das Jubiläum 2000. Diese Eröffnung wurde in allen Pfarreien mitgefeiert.
Darauf folgte ein intensives Jahr der Vorbereitung: Es wurde ein bistumeigenes Logo kreiert, das guten Anklang gefunden hat; im Oberwallis hat jede Pfarrei eine Kontaktperson respektive einen Ansprechpartner in Sachen Jubiläum 2000 bezeichnet. In den fünf Dekanaten des Oberwallis fand jeden Monat abwechselnd ein Gebetsabend statt, um für eine gute innere Vorbereitung auf das grosse Jubiläum zu beten. Der Fortbildungskurs für die kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im deutschsprachigen Teil des Bistums stand im März dieses Jahres unter dem Thema «Christus». Die Pfarreien haben einen Leitfaden für die Seelsorge zum Thema Jubiläum 2000 erhalten.
Zurzeit ist ein Gebet und ein «Antependium» für das Jubiläum in Vorbereitung. Dieses Antependium, ein Leinentuch, kann für verschiedene Zwecke gebraucht werden: für den Altar, Ambo, als Wandbehang oder auch als Fahne. Es wird die Kirchenfarben als Zeichen der Erneuerung der Kirche auf die Jahrtausendwende hin tragen. Drei Kreise in den Farben Blau-Grün-Rot symbolisieren die christlichen Grundtugenden Glaube, Hoffnung und Liebe. Auf jedem dieser farbigen Kreise wird ein Symbol für die drei Jahre sichtbar sein: für Christus, für den Heiligen Geist und für Gott-Vater. Die Antependien werden Anfang Oktober erhältlich sein.

Priester- und Diakonatsweihen

Am Sonntag, den 8. Dezember 1996 konnte Bischof Norbert Brunner in der Pfarrkirche von St-Martin Bruno Sartoretti zum Diakon und Jean-Michel Moix zum Priester weihen. Am gleichen Tag erhielt auch Pascal Venetz in der Pfarrkirche von Kippel die Diakonatsweihe. Beide Diakone erhielten am vergangenen 8. Juni in der Kathedrale von Sitten durch Bischof Norbert Brunner die Priesterweihe. Das Bistum Sitten erhielt somit im vergangenen Seelsorgejahr drei Neupriester. Insgesamt konnte Bischof Norbert Brunner, seitdem er im Amt ist, schon sieben Diakonatsweihen und 15 Priesterweihen (elf Diözesanpriester und vier Ordenspriester) erteilen.
In diesem Jahr erhielt das Bistum drei neue Ständige Diakone. Die Gesamtzahl der Ständigen Diakone im Bistum Sitten und dem Grossen St. Bernhard ist nun, seit der offiziellen Einführung des Ständigen Diakonats im Jahre 1993, auf zehn angewachsen. In der Ausbildung befinden sich zurzeit drei Kandidaten.

Priesterrat und Fortbildung

Am 30. Oktober 1996 und am 16. April 1997 fanden die zwei jährlichen Priesterratssitzungen statt. Schwerpunkt der Herbstsitzung war das Thema «Priester-sein heute». Ein vertieftes Nachdenken über die Berufung des Priesters wird immer dringender und elementarer. An der Frühjahrssitzung beschäftigte sich der Priesterrat vor allem mit dem Thema «Wortgottesfeiern im Bistum Sitten». Während die Herbstsitzung mehr einen besinnlichen und bildenden Charakter hatte, ging es an der Frühjahrssitzung um praktische Fragen und Probleme, die die konkrete Seelsorge betrafen.
«Jesus von Nazaret, der Christus zu unserem Heil» war das diesjährige Thema der Fortbildung im Oberwallis. Professor Hermann-Josef Venetz von Freiburg verstand es, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Jesus, seine Person und seine Frohe Botschaft zu begeistern. Er entführte sie in die Zeit Jesu, zeigte ihnen sein konkretes Umfeld auf, führte sie in Kultur, Sitten und Bräuche jener Zeit ein, verstand es aber auch ebensogut, Brücken zu schlagen in die heutige Zeit, um so Jesus Christus auch für uns heute zu aktualisieren. Im Unterwallis befasste sich der Fortbildungskurs mit dem Thema: «Im Dienste der Kirche an der Schwelle zum 3. Jahrtausend».

Das Opfer für das Bistum und die Diakonie des Bistums

Im vergangenen Herbst musste Bischof Norbert Brunner wieder einen dringenden Appell an alle Gläubigen des Bistums richten. Er stellte seinen Aufruf unter den Leitgedanken: «Hilf Deiner Kirche und hoffe mit ihr». Die Weiterarbeit mehrerer Seelsorgestellen im Bistum war gefährdet, weil die Finanzen knapp geworden waren. Die Gläubigen haben den Hilferuf sehr gut verstanden und haben grosszügig geantwortet. Verschiedene Dienste und Dienststellen hängen im Bistum Sitten finanziell wesentlich von diesem jährlichen Opfer ab. Darum hofft der Bischof, dass die Gläubigen sich dessen auch im kommenden Herbst bewusst bleiben.
Seit ungefähr einem Jahr hat sich im französischsprachigen Teil des Bistums Sitten eine neue Initiative entwickelt, um gegen die verschiedenen Formen der neuen Armut anzugehen. Die Verantwortlichen der Dienststelle Diakonie des Seelsorgerates besuchten im vergangenen Jahr die Pfarreiräte, um die einzelnen Pfarreiratsmitglieder für dieses Anliegen zu sensibilisieren. Ziel ist es, in jeder Pfarrei Personen zu finden, die ein waches Auge für Menschen haben, die unter irgendeiner Form von Armut leiden. Das kann materielle oder geistige Armut sein, Menschen, die mit Drogen oder Alkohol Probleme haben, usw. Wichtig dabei ist, dass diese Leute erfasst werden können, bevor sie in die Isolation absinken. Und damit diese Menschen dort, wo sie leben, Hilfe bekommen und begleitet werden können, braucht es in grösseren Orten sogar in jedem Wohnquartier einen Beauftragten dafür. Damit würde die Kirche einem wichtigen diakonalen Dienst gerecht.
Die Frage der Diakonie wird im Seelsorgerat Oberwallis in der kommenden Amtsperiode (1997­2000) Gesprächsthema sein.
Ebenso hat Caritas Wallis im vergangenen Seelsorgejahr in Brig eine neue Zweigstelle eröffnet, die von Sr. Denise Malin ehrenamtlich geleitet wird. In der Beschreibung der Zweigstelle heisst es: «Wir verstehen uns als Anlaufstelle für Hilfesuchende. Mit ihnen besprechen wir Probleme und Schwierigkeiten und suchen die nächsten Schritte. Unsere Hilfe ist vor allem Weg und Stärkung der Selbsthilfe, wir informieren über entsprechende Dienststellen und leisten finanzielle Hilfe, wo es möglich ist.»

Agape und Bistumsfest

Am Ende des Seelsorgejahres, am 13. Juni 1997, lud der Bischof alle Verantwortlichen sowie Mitglieder der Kommissionen und Dienststellen zu einem gemütlichen und freundschaftlichen Treffen ein. Damit verbunden war eine Wortgottesfeier, ein Apéro und ein Imbiss. In seiner Einladung schrieb der Bischof: «Für einmal soll es keine Arbeitssitzung sein. Ich lade Sie einfach zu einer Begegnung ein, ohne Dossier, ohne Notizblock und ohne Agenda.» Es sollte ein Zeichen des Dankes für die stete Verfügbarkeit und Einsatzbereitschaft der Mitglieder im Dienste des Bistums sein. Die grosse Beteiligung von über 100 Personen war eine echte Freude für alle.
Der Kathedralweihetag (der 2. Sonntag im Oktober) soll während der ganzen Vorbereitungszeit auf das Jahr 2000 hin zu einem grossen Bistumsfest werden. Konkrete Hinweise über das nähere Programm werden im September gemacht.
Mit dem Oktobermonat will die Jubiläumskommission 2000 eine Serie von Beiträgen im Walliser Boten über das Wallis und das Christentum veröffentlichen. Diese Beiträge sollen vorerst zweimonatlich erscheinen. Ihr Ziel ist es, die Gläubigen des Bistums zu einer Art Wanderung in Wort und Bild durch ihr eigenes christliches Erbe einzuladen.
Über die Arbeit des Bischofs gäbe es vieles zu berichten; ein kleines Ereignis aus seinem Alltag soll diesen Bericht beschliessen: Es war nach einer Firmung, an der Vigil des Pfingstfestes. Der Bischof hatte einer ganzen Reihe von Firmlingen die Hände aufgelegt. Die Leute waren alle noch auf dem Vorplatz der Kirche versammelt, als unvermittelt ein 3- bis 4jähriges Mädchen auf den Bischof zusteuerte, ihr noch jüngeres Schwesterchen mit sich zog und dem Bischof ihr Händchen entgegenstreckte und das, was sie offenbar während der Firmung vom Bischof immer wieder gehört hatte, nun auch ihm wünschen wollte und sagte: «Der Friede sei mit Dir!» Möge dieser Friedensgruss aus Kindermund uns alle in das nächste Seelsorgejahr begleiten.

Heidi Widrig ist Mitarbeiterin namentlich für den Informationsdienst am Bischöflichen Ordinariat Sitten


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1997