SKZ 37/1997

INHALT

Kirche in der Schweiz

Solidarität der Schweizer Priester - Ein Jubiläum jenseits einer Million!

von Heinz Angehrn

An ihrer Sitzung vom 12. Mai dieses Jahres genehmigte die Schweizerische Kommission Bischöfe ­ Priester als Generalversammlung des Vereins «Solidarität der Priester der Schweizer Diözesen» dessen Jahresrechnung pro 1996 aufgrund des Berichts des Präsidenten und der Rechnungsrevision, die durch die beiden Revisoren, Weihbischof Paul Vollmar und Generalvikar Pius Eigenmann, vorgenommen wurde. Sie nahm Kenntnis vom erfreulich hohen Einnahmenüberschuss von SFr. 199443.30, mit dem das Vermögen unseres Werkes die vor einigen Jahren angepeilte Marke von einer Million Franken gleich deutlich übersteigen konnte, der aber nur dank einer einmaligen Spende in hohem Umfang erreicht wurde. Gleichzeitig schloss sie die Arbeiten an der Revision der Statuten der «Solidarität», die sie nach einer Aussprache mit der Schweizer Bischofskonferenz anlässlich derer Ordentlichen 233. Sitzung in Givisiez im Frühherbst 1996 an die Hand genommen hatte, mit der Kenntnisnahme von deren französischer und italienischer Übersetzung, ab. Die Jahresrechnung pro 1996 und der Revisorenbericht dazu sind diesem Bericht beigefügt, so dass ich nun auf einige Aspekte des Gesprächs mit der Bischofskonferenz und der Neuformulierung der Statuten eingehen kann, was auch den Rechenschaftsbericht für dieses Jahr darstellen soll:

1. 20 Jahre im kritischen Rückblick

Am 20. September 1976 gründeten die damaligen Mitglieder der Kommission Bischöfe ­ Priester ein Hilfswerk unter dem Namen «Solidarität der Priester der Schweizer Diözesen». Mit einem freiwilligen Jahresbeitrag (empfohlen wurde damals noch ein Prozent des Bruttolohnes) sollten sich alle in der Seelsorge tätigen Priester in der Schweiz an einem Lohnausgleich beteiligen. Die Kommission wählte den damaligen Churer Bischofsvikar Dr. Karl Schuler zu ihrem Präsidenten. Unter seiner engagierten Führung und dank seiner guten Beziehungen zu allen Ordinariaten (nur St. Gallen soll sich damals etwas gesträubt haben...) wurde das Werk in wenigen Jahren auf ein beachtliches Niveau mit einem «Jahres-umsatz» von gegen einer halben Million Franken ausgebaut. Getrübt wurde der Erfolg des Projektes allerdings durch die Tatsache, dass gegen SFr. 200000.­ pro Jahr über viele Jahre hinaus als Pauschalbetrag an die Diözesen Lugano und Sion gingen und so der Eindruck entstehen musste, dass die ebenfalls in der Stiftungsurkunde ausgedrückte Absicht, «dass in allen Teilen der Schweiz alle Priester über den ordentlichen Weg der Kirchensteuer einen angemessenen Lohn erhalten», kaum je erreicht, wenn nicht sogar gerade durch unser Werk unterlaufen würde. So nannte der verstorbene Bischof von Lugano, Eugenio Corecco, unser Werk in einer entsprechenden Diskussion «un lavoro di carità», das man einfach so lange am Leben erhalten solle, wie es nur möglich sei.
Nach zehn Jahren Tätigkeit gab Karl Schuler im September 1986 sein Amt an den Schreibenden weiter, der (wie an dieser Stelle verschiedentlich berichtet wurde) in zähem Ringen mit den Ordinariaten eine Besserung der genannten Problematik erreichen konnte. So ging der Finanzbedarf unseres Werkes in den letzten fünf Jahren auf gut SFr. 250000.­ pro Jahr zurück, und es eröffnete sich die Möglichkeit, mit einem vernünftigen Vermögen ausgestattet den strukturellen Veränderungen, die die Zeit der katholischen Kirche in unserem Land wohl bringen wird, entgegenzublicken.

2. Die Diskussion mit der Bischofskonferenz vom 3. September 1996

Mit Interesse nahmen die Mitglieder der Bischofskonferenz von der unter 1. geschilderten Entwicklung und der aktuellen Finanzlage des Werkes Kenntnis. Der Schreibende stellte auch ihnen nochmals die zurzeit anstehende Grundsatzfrage, ob die «Solidarität» in einer gewissen Zeit aufgelöst und durch interne Priester-Hilfskassen der Diözesen (wie sie in Lausanne-Genf-Freiburg und St. Gallen schon exisieren) ersetzt werden soll. Hier wurde der klare Wille ausgedrückt, dass die «Solidarität» als gesamtschweizerisches, die Sprach- und Bistumsgrenzen überschreitendes Werk im Dienst von einzelnen Priestern, die unverschuldet in Notsituationen geraten sind, weiterbestehen soll. So soll sie als Hilfskasse der Schweizer Priester auf freiwilliger Basis weiterbestehen. Aufgrund der Altersstruktur des Schweizer Klerus wurde in diesem Zusammenhang auch darauf verwiesen, dass uns eine Zukunft mit wenigen aktiven jungen Priestern (die dementsprechend «zahlungskräftig» sind) und vielen älteren Priestern, die aus diversen Gründen in materielle Not kommen können, bevorsteht.
Deshalb wurde der Gedanke beiseite gelegt, Überschüsse jenseits einer definierten Grenze an andere Hilfswerke oder ins Ausland weiterzugeben, und vielmehr der Auftrag erteilt, auf der Basis eines sicheren Vermögens die Zukunft anzugehen. Die Kommission Bischöfe ­ Priester erarbeitete auf der Basis dieses Gesprächs ein nur geringfügig abgeändertes neues Statut, dessen Zweckbestimmung wie folgt lautet: «Unter dem Namen ÐSolidarität der Priester der Schweizer Diözesenð existiert ein gemeinnütziger Verein nach ZGB 60/63 mit dem Zweck, unter den Priestern der Schweizer Diözesen auf freiwilliger Basis den grösstmöglichen Lohnausgleich herzustellen.» (Der genaue Text der umformulierten Statuten kann beim Präsidenten bezogen werden.) Diese Formulierung erlaubt in Zukunft, dass auch nicht mehr aktive Priester in Notfällen unterstützt werden können.

3. Aufbruch ins dritte Jahrzehnt

So steht nun fest, dass unser Werk auch nach Erreichen der ehemaligen Limite des Erwachsenwerdens weiter bestehen wird. Mit dieser Feststellung verbinde ich vor allem den einen und recht dringlichen Wunsch, dass in diesem dritten Jahrzehnt in der Schweizer Kirche die nötige kircheninterne geistige Solidarität erlebt und gelebt werden wird, die es braucht, damit Solidarität im materiellen Bereich überhaupt möglich ist. Nur wenn sich die verschiedenen Adressatengruppen, mit denen unser Werk kooperieren will und muss, sprich einerseits die grosse Anzahl der noch in der Seelsorge aktiven Priester mit ihren Kirchenerfahrungen, -erwartungen und -träumen, und anderseits die Ordinariate mit ihren Personalabteilungen, die für alle Priester und ihr geistiges und materielles Wohlergehen gewichtige Verantwortung tragen, als eine einheitliche und solidarische Gemeinschaft auf dem Weg in eine ungewisse Kirchen-Zukunft erleben, dann ist es auch möglich, dass unser Werk seine ihm im Zweckartikel gegebene Aufgabe gut, umfassend und allen Betroffenen gerecht werdend wahrnehmen kann.
Für unser Werk ist der Name nicht nur Verpflichtung (insofern bemühen sich alle Zuständigen: der Präsident; die Verteilkommission mit zusätzlich Dekan Giusep Quinter, Chur, und Don Gianpaolo Patelli, Caslano; die Gesamtkommission mit je zwei Vertretern der Diözesen und den beiden Bischöfen Kurt Koch und Paul Vollmar sowie unsere absolut zuverlässige Rechnungsführerin, Sr. Thomas Spescha in Ilanz, um seriöse und gerechte Arbeit), sondern auch Voraussetzung für gute Arbeit und erfolgreichen Geschäftsverlauf. Doch bei dieser Voraussetzung sind wir auf Sie, liebe Mitbrüder in Seelsorge und Verwaltung, aber auch auf Sie, liebe Hauptamtliche in der Seelsorge, die Sie unser Kirchenklima mittragen und -prägen, angewiesen. Die «Solidarität» braucht Ihre Solidarität, um auch im dritten Jahrzehnt ihren Namen zu Recht tragen zu können.

Unser Mitredaktor Pfarrer Heinz Angehrn ist Präsident des Vereins «Solidarität der Priester der Schweizer Diözesen»


Solidarität der Priester der Schweizer Diözesen

Jahresrechnung 1996

Erfolgsrechnung per 31. 12. 1996

  Aufwand Vorkolonne Saldo CHF
 300 Auszahlungen

232 923.90

 
 301 Spesen

2 308.80

 
 30 Total Ordentlicher Aufwand

 

235 232.70

  Subtotal Aufwand  

235 232.70

  Reingewinn  

199 444.30

  Total Aufwand

 

 434 677.00

  Ertrag    
 4 Ordentlicher Ertrag  
 400/1 Spendeneingänge

290 749.10 H

 
 400/2 Ausserordentliche Spende

100 000.00 H

 
 401 Zinsertrag

43 927.90 H 

 
 40 Total Ordentlicher Ertrag  

 434 677.00 H

 4 Total Ordentlicher Ertrag  

 434 677.00 H

 8 Abschluss    
 800 Gewinn/Verlust

-.-

 
 80 Total Abschluss  

 -.-

 8 Total Abschluss  

 -.-

  Total Ertrag  

 434 677.00 H

 Bilanz per 31.12.1996    
  Aktiven    
 100 Kassa

571.80

 
 101 Postcheck

9 111.15

 
 102 Sparheft KBS 79280-70

 155 860.70

 

 103 Sparheft KBS 170.839-06

100 612.05

 
 104 PC Inländische Mission

4 589.90

 
 105 Verrechnungssteuer

15 374.70

 
 10 Total Umlaufsvermögen

 

 286 120.30

 110 Wertschriften

900 000.00

 
 11 Total Anlagevermögen  

 900 000.00

  Total Aktiven  

 1 186 120.30

  Passiven    
 200 Transitorische Passiven

3 500.00 H

 
 20 Total Fremdkapital  

3 500.00 H

 210 Eigenkapital

983 176.00 H

 
 211 Jahresgewinn/-Verlust

-.-

 
 21 Total Eigenkapital  

 983 176.00 H

  Subtotal Passiven  

983 676.00 H

  Reingewinn  

199 444.30 H

  Total Passiven  

1 186 120.30 H

Im Besitz des Fonds «Solidarität der Priester der Schweizer Diözesen» befindet sich ein Sparheft über Fr. 20810.50. Laut Verfügung vom 1. 4. 1977 kommt das Geld jedoch erst nach Ableben des Spenders dem Fonds zugute. Die jährlichen Zinsen dürfen der laufenden Rechnung gutgeschrieben werden.

Ilanz, 21. Februar 1997

Sr. Thoma Spescha


Solidarität der Priester der Schweizer Diözesen

Bericht und Antrag zur Jahresrechnung 1996

Wir haben die Jahresrechnung 1996 von «Solidarität der Priester der Schweizer Diözesen» am 24. März 1997 geprüft.
Die Rechnungsführerin, Sr. Thoma Spescha, hat die Buchhaltung des Berichtsjahres 1996 korrekt und sauber geführt. Die Buchungen stimmen mit den Belegen überein, und die aufgeführten Vermögenswerte sind alle ausgewiesen.

Die Erfolgsrechnung 1996 ergibt bei Einnahmen von Fr. 434 677.- und Ausgaben von Fr. 235 232.70 einen Einnahmen-Überschuss von Fr. 199 444.30
Das Vermögen beträgt per 31.12.1996 Fr. 1182 620.30

Der ordentliche Spendeneingang ging gegenüber dem Vorjahr um Fr. 71461.70 zurück, wurde aber durch eine ausserordentliche Vergabung von Fr. 100000.- mehr als wettgemacht. Allen Priestern, die auch 1996 dieses schweizerische Werk der Solidarität unterstützt haben, sprechen wir einen herzlichen Dank aus.

Wir stellen folgende Anträge:

1. Die Jahresrechnung 1996 sei zu genehmigen.

2. Der Rechnungsführerin, Sr. Thoma Spescha, sei Entlastung zu erteilen und für die ehrenamtliche, sorgfältige Arbeit der beste Dank auszusprechen.

Chur/St. Gallen, 26. März 1997

Die Rechnungsrevisoren:

+ Paul Vollmar 
Weihbischof

Pius Eigenmann
Generalvikar


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1997