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Kirche in der Schweiz |
Die Mitglieder der Pastoralplanungskommission (PPK) der Schweizer Bischofskonferenz trafen sich am 13./14. Mai 1997 zur 63. Plenarversammlung im Haus Bruchmatt in Luzern, um hauptsächlich über den Schlussbericht ihrer Arbeitsgruppe 2 (AG 2) "Prospektive" zu beraten und zu beschliessen.
Schmetterlinge auf einer grünenden Pflanze schmückten jeden
Platz am Sitzungstisch der Plenarversammlung, an welchem die AG 2 ihren
Schlussbericht mit diesem Symbol der PPK überreichte. Um es gleich
vorwegzunehmen: Der Bericht mit dem Titel "Solidarische Freiheit in
Kirche und Gesellschaft. Anregungen für eine Neue Evangelisierung der
katholischen Kirche in der Schweiz" wird mit Sicherheit in naher Zukunft
viele kirchliche und weniger kirchliche Schmetterlinge zum Flattern bringen
im Raum der "solidarischen Freiheit". Und er wird in der kirchlichen
(und sicherlich auch in der gesellschaftlichen) Öffentlichkeit noch
viel zu reden, zu diskutieren, zu planen und weiterzuarbeiten geben.
Anlass und Ausgangspunkt für den Arbeitsprozess und den Studienbericht
der AG 2 war die Nationalfonds-Studie "Jede(r) ein Sonderfall? Religion
in der Schweiz". Diese Studie offenbarte eine weitgehende Individualität
oder Individualisierung der Religiosität. Dem galt es, einen Kontrapunkt
in einer neuen Sprache/Begrifflichkeit der Verkündigung entgegenzusetzen.
Die AG 2 fand ihn in den Begriffen von "Freiheit" und "Solidarität".
Auch wenn die einzelnen Diskussionsgruppen und die Plenarversammlung
der PPK am Bericht etwa bemängelten, er sei zu kopflastig, zu stark
von deutschsprachiger Philosophie geprägt, zu fern von den Ideen der
lateinamerikanischen Befreiungstheologie und vernachlässige feministisches
Gedankengut (immerhin wurde der Bericht in einer "Erprobungsphase"
in konkreten Projekten und durch verschiedene Fachleute geprüft und
für gut befunden), verabschiedete die PPK-Plenarversammlung den Bericht
der AG 2 als solide Arbeitsgrundlage für sich selber und hoffnungsvolles
Leitbild für die Kirche Schweiz.
Die PPK wird diesen Bericht auftragsgemäss der Schweizer Bischofskonferenz
unterbreiten in der Hoffnung, dass die Schweizer Bischöfe sich intensiv
mit diesem Bericht beschäftigen werden (eventuell in einem ausserordentlichen
Studientag der SBK) und die Kernaussagen dieses Berichtes zu ihrer eigenen
Denkweise und zu einem Leitbild für die Traktanden der Bischofskonferenz
sowie zu einem Zukunftsleitbild der Kirche Schweiz (und all ihrer Organe)
machen wird. Aus dem Kreis der PPK-Mitglieder fiel auch der Vorschlag, den
Studienbericht zu einer Weiterbildungsgrundlage in den Dekanaten auszugestalten
(eventuell mit methodisch-didaktischen Hinweisen). Im Detail wird ein weiterer
Bericht in der SKZ über die Studie der AG 2 anlässlich der Veröffentlichung
ausführlich informieren.
Anlässlich ihrer Plenarversammlung nahm die PPK auch die Gelegenheit wahr zu einer Begegnung mit Vertreterinnen des "Vereins Frauen und Kirche", Luzern, hat die PPK unter anderem doch auch den Auftrag, para-, inner- und ausserkirchliche Gruppierungen und Bewegungen zu beobachten, vor allem in deren Verhältnis zu den Pfarreien. Die Begegnung mit und die Vorstellung der "Frauenkirche" durch die drei Frauen Li Hangartner, Silvia Huber Studhalter und Esther Bisig-Bächler war für die PPK ein spannendes Erlebnis. Die abwechslungsreiche methodische Darlegung ihrer Anliegen und ihres Selbstverständnisses, vor allem auch ihre ökumenische Ausrichtung, vermochten die PPK davon zu überzeugen, dass die "Frauenkirche" ein ernstzunehmender und aktiver Teil der Kirche ist, wenngleich auch ein recht unbequemer, provokativer und bezüglich innerkirchlicher Probleme fordernder (Frauenordination, Gleichstellung der Frau in der Kirche usw.). Die PPK wurde einmal mehr herausgefordert, sich mit kirchlichen Bewegungen und Gruppen auseinanderzusetzen und wird alle Erfahrungen mit Bericht und Empfehlungen zum pastoralen Umgang mit diesen Gruppierungen innerhalb der Kirche und in den Pfarreien der Bischofskonferenz gelegentlich unterbreiten.
Nebst den üblichen Geschäften wie Jahresrechnung verabschiedete
die PPK-Plenarversammlung auch ihr Arbeitsprogramm bis 1999. Schwerpunkte
darin sind: Pastoraler Umgang mit Konfessionslosen, Pastorale Zusammenarbeit
in Pfarreiverbänden, Kirche Bewegungen Pfarreien, Freiwillige
Mitarbeit in der Kirche, Mitarbeit bei der EXPO 2001 und bei der "Ökumenischen
Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen Situation der Schweiz",
Medienkonzept für die Katholische Kirche Schweiz und anderes. Ein wichtiger
Punkt wird auch sein, inwiefern sich die AG 3 "Mitfinanzierung"
der PPK in Fragen der Finanzierung gesamtschweizerischer und sprachregionaler
Institutionen vor allem aus dem Blickwinkel der pastoralen Prioritäten
profilieren bzw. nützlich machen kann.
Als letzte, aber nicht minder wichtige Aufgabe beschäftigt sich die
PPK jährlich mit der Vorbereitung und der Durchführung der "Interdiözesanen
Koordination" (IKO), der Versammlung der Delegierten der diözesanen
und kantonalen Seelsorgeräte. Diese findet dieses Jahr statt am 19./20.
September 1997 in Bethanien/St.Niklausen (OW). Hauptthema wird nebst dem
Informationsaustausch die Frage sein: "Wie können wir als Seelsorgeräte
das Anliegen der ÐÖkumenischen Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen
Lage der Schweizð in den Seelsorgeräten auf allen Ebenen zum Tragen
bringen?"
Dr. theol. Robert Lendi ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im SPI (Schweizerisches Pastoralsoziologisches Institut, St. Gallen), das unter anderem die Arbeitsstelle der Pastoralplanungskommission der Schweizer Bischofskonferenz (PPK) führt.