INHALT |
Dokumentation |
Heiliger Vater,
Sie empfangen uns mit einem brüderlichen Herzen, wie Sie selbst
immer wieder unterstreichen, um als Bischof von Rom den Dienst der Liebe
und der Gemeinschaft der Kirche Jesu Christi wahrzunehmen. Das ist eben
in der Eucharistie, die wir mit Ihnen konzelebriert haben, zum Ausdruck
gekommen.
Sie empfangen uns mit einem, möchte ich sagen, «universalen»
Herzen, das Sie trotz der damit verbundenen Strapazen auf die Strassen der
Welt führt: kürzlich in den Libanon, nach Prag, Polen, Paris und
bald Lateinamerika.
Man darf an Ihrer Fürsorge für alle Kirchen nicht zweifeln.
Wir teilen diese Sorge mit Ihnen, auf die erneute Einladung des Zweiten
Vatikanischen Konzils selbst hin, das in Lumen Gentium sagt: «Die
Bischöfe, die den Teilkirchen vorstehen, üben als einzelne ihr
Hirtenamt über den ihnen anvertrauten Anteil des Gottesvolkes, nicht
über andere Kirchen und nicht über die Gesamtkirche aus.
Aber als Glieder des Bischofskollegiums und rechtmässige Nachfolger
der Apostel sind sie aufgrund von Christi Stiftung und Vorschrift zur Sorge
für die Gesamtkirche gehalten» (Art. 23).
Der Besuch «ad limina apostolorum» und die Begegnung mit Ihnen
erwecken dies alles in uns zum Leben. Seit unserer letzten Visitatio im
Jahre 1992 haben wir in Ihrem Kreis, Heiliger Vater, ein Ereignis miterlebt,
das die Herzen der Schweizer Katholiken und Katholikinnen erfreut hat: die
am 29. Oktober 1995 erfolgte Seligsprechung von Maria Theresia Scherer,
Maria Bernarda Bütler und Marguerite Bays.
Man muss auch unterstreichen, dass Ihnen eine stark erneuerte Bischofskonferenz
begegnet: die Sitze von fünf Diözesen nämlich St. Gallen,
Sitten, Lugano, Lausanne, Genf und Freiburg sowie Basel haben neue
Bischöfe erhalten, und Sie haben für die Diözesen Chur sowie
Lausanne, Genf und Freiburg noch Weihbischöfe ernannt.
Das alles erfolgte im Frieden dank gut durchgeführten Befragungen,
wie wir bezeugen können, dank aufmerksamen Befragungen, die Ihnen gewiss
sehr geholfen haben, gute Wahlen zu treffen.
Der Nuntius, den Sie uns seinerzeit geschickt haben, Mgr. Karl-Josef Rauber,
hatte mit all dem zu tun, und unsere Konferenz bleibt ihm auch sehr dankbar.
Gaudium et Spes. Wir haben Freuden, aber natürlich auch Sorgen, Heiliger
Vater; die Sorge, die unsere Aufmerksamkeit hat, ist die manchmal abweichende
Sicht der Ekklesiologie, die bei uns da und dort festgestellt werden kann.
Die Sorge um die Priester- und Ordensberufe, die Ablösung der Priester
und Diakone, der engagierten Laien angesichts der Vielfalt der Aufgaben
der Kirche: in den kommenden Monaten und Jahren werden wir noch an dieser
Pastoral arbeiten. Möge es hier Früchte geben, wenigstens unter
den Tausend jugendlichen Schweizern, die Ihnen in Paris begegnet sind.
Sorge ferner, die sich aus den sehr besonderen Beziehungen zwischen der
Kirche und den kantonalen Staaten ergibt; Sorgen, die Sie kennen, die von
grossen persönlichen Spannungen in unserer Kirche herrühren und
die, was unvermeidlich ist, auf die politische Gesellschaft ausstrahlen.
Dazu kommen die Probleme, die die Fragen der Bioethik aufwerfen, der Gentechnik;
die immer wiederkehrende Frage der Abtreibung.
In diesen Bereichen sind die Texte Ihres Lehramtes für uns mehr als
eine kostbare Stütze.
Die wirtschaftliche Situation, die Arbeitslosigkeit, die Rezession, die
Globalisierung des Welthandels fordern uns heraus.
Diesbezüglich ist auf ökumenische Weise denn wir bleiben
gegenüber dieser Öffnung, die zu fördern ist, aufmerksam
eine Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft der Schweiz
lanciert worden, wie die vom Evangelium genährten Christen sie sehen.
Ebensowenig vergessen wir, dass das Jubiläum des Jahres 2000, seine
Vorbereitung, eine grosse der Kirche angebotene Gnade sind.
Heiliger Vater, Sie sind jedem einzelnen Mitglied unserer Konferenz begegnet;
jeder einzelne konnte Ihnen seine zuweilen schwierigen, ihn am meisten berührenden
Probleme anvertrauen.
Die Pilgerreise an die Gräber von Petrus und Paulus, die Begegnung
mit Ihnen, ermutigen uns einmal mehr, unseren Dienst als verantwortliche
Hirten mit Mut und Geduld auszuüben, zum Wohl des uns anvertrauten
Anteils des Gottesvolkes.
Mögen die selige Jungfrau Maria, die Heiligen unseres Landes, der heilige
Niklaus von Flüe und die Seligen, die Jesus Christus in unseren helvetischen
Landen bezeugt haben, uns auf den Wegen des Reiches Gottes begleiten.
+ Henri Salina CRA,
Präsident der Bischofskonferenz