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«Ist Gott in unserer naturwissenschaftlich geprägten Zeit
überhaupt noch denkbar?» (S. 9). Dass diese Frage den Astrophysiker
Arnold Benz beschäftigt, macht sein Buch für Theologen, Naturwissenschaftler,
ja für jeden Menschen lesenswert, für den Glaubenden, den Suchenden,
den glaubend Suchenden.
Leserinnen und Leser erhalten dank den reichen Kenntnissen und der verständlichen
Sprache des Verfassers Einblick in die unvorstellbaren Dimensionen des Weltalls
und die 15 Milliarden Jahre, mit denen die Wissenschaft heute rechnet seit
dem «Urknall». Infolge der eigenen zu kleinen Zeitspanne orientieren
wir uns gewöhnlich an einer Unveränderlichkeit der Gestirne. Die
naturwissenschaftlichen Erkenntnisse öffnen den Blick auf Sternensysteme,
in denen heute Neues entsteht und sich entwickelt, während Altes vergeht
und verglüht.
Immer wieder setzt der Verfasser bei naheliegenden alltäglichen Erfahrungen
an, um Leserinnen und Leser in die verschlungenen Vorgänge zu entführen.
Er deckt unterschiedliche Begriffsinhalte auf, wenn zum Beispiel mit Chaos
nicht einfach ein lebensbedrohendes Durcheinander gemeint ist, sondern Abläufe
signalisiert werden, die zugleich nach festen Gesetzmässigkeiten ablaufen,
deren Fülle der möglichen Ereignisse aber nicht voraussagen lässt,
welches tatsächlich eintreten wird. Damit tritt an die Stelle früherer
deterministischer Entwicklungstheorien die Sicht eines kreativen Freiraums.
Mit immer neuen Beispielen zeigt der Verfasser die Möglichkeiten der
naturwissenschaftlichen Methode, aber nicht weniger deutlich auch deren
Grenzen, weil sie nicht die ganze Wirklichkeit auszuloten vermag. Es gelingt
ihm, das Staunen zu wecken und damit auf eine Wahr-nehmung aufmerksam zu
machen, in der das Subjekt als betroffenes vermehrt eingebunden ist. Hier
gewinnt die menschliche Deutung das ihr eigene Gewicht. In solchem die unmittelbar
messbaren Abläufe übersteigendem Ahnen wird der Raum für
menschlich verantworteten und religiös fundierten Glauben offen. Es
ist der Raum, in dem auch der Naturwissenschaftler inspiriert vom Ps 19
sein staunendes neues Loblied formuliert (S. 69ff.). Hier wird nicht der
vergebliche Versuch propagiert, Gott als «Lückenbüsser»
aufzubieten, wo die Naturwissenschaft eine Lücke (noch) nicht erklären
kann. Gott ist in allem gegenwärtig, aber nicht mit naturwissenschaftlicher
Methode nachzuweisen. Im Blick auf die Zukunft kann hier die Hoffnung ihre
Wurzeln schlagen.
Wer sich über die heutige Sicht der Welt in Werden und Vergehen orientieren
will; wer Anregung sucht für ein ehrfürchtiges Staunen; wem das
weiterführende Gespräch zwischen Theologie und Naturwissenschaft
ein Anliegen ist; wer heute den Glauben an Gott, den Schöpfer verkünden
will solche Menschen sollten sich die Lektüre dieses Buches von
Arnold Benz nicht entgehen lassen. Sie werden dem Verfasser für die
Erweiterung des Horizontes Dank wissen.
Abgesehen von den Auseinandersetzungen um die Wiedergutmachung von Holocaust-Unrecht
tritt das Judentum bei uns öffentlich oder in der Öffentlichkeit
vor allem als Staat Israel und in den Städten als orthodoxes Judentum
in Erscheinung. So lebt in Zürich eine der grossen orthodoxen jüdischen
Glaubensgemeinschaften Mitteleuropas. Sie macht vielleicht einen Viertel
der rund 6000 Seelen zählenden jüdischen Gemeinschaft von Zürich
aus, bestimmt aber in den Quartieren Aussersihl, Wiedikon und Enge das äusserlich
sichtbare Bild. Ihrem Leben ist der freischaffende Zürcher Fotograf
Livio Piatti in den letzten Jahren einfühlsam nachgegangen. Dabei fotografierte
er die orthodoxen jüdischen Nachbarn nicht nur in der Öffentlichkeit,
sondern auch in gemeindlichen und familiären Zusammenhängen. So
ist ein eindrückliches Bild entstanden, das der Fotograf selber kundig
kommentiert.
Ergänzt werden die Fotos und Bildkommentare von Livio Piatti mit Textbeiträgen
mehrerer jüdischer Autoren und einer jüdischen Autorin: So wird
jüdisches Leben in Zürich auch in einer historischen Perspektive
zur Sprache gebracht (Ralph Weingarten und Felix Rom); Michel Bollag nimmt
die Frage, weshalb die Tora mit der Schöpfungsgeschichte beginnt, zum
Ausgangspunkt für einen theologisch-spirituellen Beitrag; Berthold
Rothschild bedenkt den sozialen Zusammenhalt des orthodoxen Judentums; Elisabeth
Weingarten-Guggenheim übernahm die «kaum lösbare Aufgabe»,
über die Frau im Judentum zu schreiben; Raphael Pifko erzählt
von seinem Besuch der Jeschiwa (Talmudschule) in Kriens; abschliessend führt
der Ökonom Moshe Michael Glass mit Texten aus verschiedenen Jahrhunderten
an das jüdische Selbstverständnis heran.
Das schön gestaltete Buch dokumentiert so nicht nur orthodoxes jüdisches
Leben in Zürich, sondern bietet damit zugleich eine anschauliche und
kundige Einführung in konkretes Judentum.
Die Vorstellung von Hans Urs von Balthasar in der Grünewald-Reihe «Theologische Profile» ist sehr gut gelungen. Der Autor führt von einer originellen Balthasar-Biographie her zum Theologen und Akademikerseelsorger Hans Urs von Balthasar. Diese sorgfältig modellierte Biographie zeigt eine Persönlichkeit von genialer künstlerischer Prägung. Das Buch gibt auch erschöpfend und vornehm Auskunft über dramatische Kapitel des Lebens: den Bruch mit der Gesellschaft Jesu, die Gründung der Säkularinstitute und der Akademikergemeinschaft und besonders die Begleitung der Mystikerin Adrienne von Speyr. Hans Urs von Balthasar hat seit seinen Studienjahren den Aufbruch aus einer verkrusteten Theologie in die Freiheit des Zweiten Vatikanums erlebt und erlitten. So gibt diese Biographie auch Aufschluss über die damals prägenden Dozenten der Jesuitenschule Fourvières in Lyon: de Lubac, Deniélou usw. Ein halbes Jahrhundert theologischer Auseinandersetzung wird da mit präzisen Informationen vorgeführt. Natürlich wird die Eigenart dieses theologischen Vordenkers eingehend dargestellt; seine Beiträge zur Trinitätstheologie, zur Theologie des Karsamstags, die Lehre von der All-Erlösung. Das Buch bietet allen, die sich für Balthasar und sein Werk interessieren, einen verlässlichen und gut lesbaren Zugang.