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Die Leute werden, statistisch gesehen, immer älter. Frühpensionierungen
bzw. -verrentungen sind an der Tagesordnung. Viele Menschen dieser Altersgruppen
suchen für die Zeit des Ruhestandes nach sinnvollen Beschäftigungen,
zumal gerade der Übergang von der Arbeits- in die Ruhezeit für
viele nicht unproblematisch verläuft. Daraus hat sich inzwischen ein
eigener Forschungszwang entwickelt, der sich mit den Problemen des Älterwerdens
intensiv beschäftigt. Infolge dieser Forschungen ergeben sich immer
umfangreicher werdende Angebote in Wissenschaft, Volksbildung und auf ähnlichen
Ebenen.
Auch die Paderborner Theologische Fakultät bietet älteren Menschen
in ihrer «Seniorenakademie», die der emeritierte Neutestamentler
Josef Ernst leitet, ein Weiterbildungsprogramm an, das inzwischen immer
mehr Senioren dankbar annehmen. Im Wintersemester 1995/96 bot die Fakultät
unter dem Leitthema «Theologie im Wandel» eine Vorlesungsreihe
an, in der in 16 Einzelverträgen 12 Fakultätsmitglieder «den
Glauben der Väter neu und zeitnah auslegen» wollten, wie das
Vorwort des Herausgebers betont. Den Anstoss dazu gaben Diskussionen in
der Seniorenakademie über die Entwicklungen in der Theologie seit dem
Vaticanum II. Antworten werden aus den einzelnen theologischen Disziplinen
von der Dogmatik über die Exegese und das Kirchenrecht bis hin zur
Kirchengeschichte, Pastoralpsychologie und christlichen Gesellschaftslehre
gegeben. Ein zusätzlicher Beitrag des Sammelbandes beinhaltet die Festansprache
anlässlich des 70. Geburtstages von Erzbischof Dr. Johannes Joachim
Degenhardt, gehalten von Franz Josef Ortkemper unter dem Titel «Der
Geist weht, wo er will», der sich für die Realisierung einer
Pluralität in der Kirche aus paulinischer Sicht verwendet.
In den einzelnen Beiträgen bedienen sich die Autoren zwar einer wissenschaftlichen
Sprache, die jedoch auch dem Laien verständlich bleibt, so dass der
interessierte Leser einen guten Einstieg in die Fachproblematik erhält.
Auch die Anmerkungen sind insgesamt knapp gehalten, wodurch die Lesbarkeit
der Texte zusätzlich erleichtert wird. So wendet sich das Buch vor
allem an den theologisch interessierten Leser, ohne dass dieser Fachmann
oder -frau sein muss. Wer an einem Einblick in die aktuelle theologische
Gegenwartsfragen, beruflich oder privat, interessiert ist, wird gern zu
diesem Taschenbuch greifen.
Die Katharer-Tragödie des Hochmittelalters findet immer noch Interesse. Ist es die Verbundenheit mit einer faszinierenden Kulturlandschaft oder der Zusammenhang mit politischen Aspirationen der französischen Krone oder der Reflex einer im Reichtum unglaubwürdig gewordenen Kirche? Die Katharer haben immer Sympathien. Sie sind auch unentbehrlich zum Verständnis der Provence und des Languedoc. In dieses Umfeld gehört auch Hans-Georg Deggaus Buch. Aber es setzt auch eigene Akzente. Nicht die sattsam bekannten und immer neu erzählten Episoden der Katharer-Verfolgung stehen im Vordergrund, sondern das katharische Selbstverständnis, ihre Abkehr von einer Kirche der Mächtigen und einer Religion, die zur Routine verkommen war. Eingehend wird Herkunft und Gehalt der katharischen Lehre untersucht, ein Thema, das differenzierter als bisher ins Auge gefasst werden sollte. Das führt den Leser zur Einsicht, dass uns auch heute noch ähnliche Probleme bewegen können. Die Beschäftigung mit den zeitlich und räumlich weit entfernten Katharern kann uns da neue Dimensionen eröffnen und uns einiges über uns selbst sagen.