SKZ 48/1997

INHALT

Neue Bücher

Seniorenakademie

Josef Ernst (Hrsg.), Theologie im Wandel, Erfahrungen einer Seniorenakademie, Paderborn (Bonifatius) 1997, (Reihe: Kontur, Band 9446), 249 S.

Die Leute werden, statistisch gesehen, immer älter. Frühpensionierungen bzw. -verrentungen sind an der Tagesordnung. Viele Menschen dieser Altersgruppen suchen für die Zeit des Ruhestandes nach sinnvollen Beschäftigungen, zumal gerade der Übergang von der Arbeits- in die Ruhezeit für viele nicht unproblematisch verläuft. Daraus hat sich inzwischen ein eigener Forschungszwang entwickelt, der sich mit den Problemen des Älterwerdens intensiv beschäftigt. Infolge dieser Forschungen ergeben sich immer umfangreicher werdende Angebote in Wissenschaft, Volksbildung und auf ähnlichen Ebenen.
Auch die Paderborner Theologische Fakultät bietet älteren Menschen in ihrer «Seniorenakademie», die der emeritierte Neutestamentler Josef Ernst leitet, ein Weiterbildungsprogramm an, das inzwischen immer mehr Senioren dankbar annehmen. Im Wintersemester 1995/96 bot die Fakultät unter dem Leitthema «Theologie im Wandel» eine Vorlesungsreihe an, in der in 16 Einzelverträgen 12 Fakultätsmitglieder «den Glauben der Väter neu und zeitnah auslegen» wollten, wie das Vorwort des Herausgebers betont. Den Anstoss dazu gaben Diskussionen in der Seniorenakademie über die Entwicklungen in der Theologie seit dem Vaticanum II. Antworten werden aus den einzelnen theologischen Disziplinen von der Dogmatik über die Exegese und das Kirchenrecht bis hin zur Kirchengeschichte, Pastoralpsychologie und christlichen Gesellschaftslehre gegeben. Ein zusätzlicher Beitrag des Sammelbandes beinhaltet die Festansprache anlässlich des 70. Geburtstages von Erzbischof Dr. Johannes Joachim Degenhardt, gehalten von Franz Josef Ortkemper unter dem Titel «Der Geist weht, wo er will», der sich für die Realisierung einer Pluralität in der Kirche aus paulinischer Sicht verwendet.
In den einzelnen Beiträgen bedienen sich die Autoren zwar einer wissenschaftlichen Sprache, die jedoch auch dem Laien verständlich bleibt, so dass der interessierte Leser einen guten Einstieg in die Fachproblematik erhält. Auch die Anmerkungen sind insgesamt knapp gehalten, wodurch die Lesbarkeit der Texte zusätzlich erleichtert wird. So wendet sich das Buch vor allem an den theologisch interessierten Leser, ohne dass dieser Fachmann oder -frau sein muss. Wer an einem Einblick in die aktuelle theologische Gegenwartsfragen, beruflich oder privat, interessiert ist, wird gern zu diesem Taschenbuch greifen.

Klaus Zacharias


Die Katharer

Hans-Georg Deggau, Befreite Seelen. Die Katharer in Südfrankreich, DuMont Verlag, Köln 1995, 258 Seiten.

Die Katharer-Tragödie des Hochmittelalters findet immer noch Interesse. Ist es die Verbundenheit mit einer faszinierenden Kulturlandschaft oder der Zusammenhang mit politischen Aspirationen der französischen Krone oder der Reflex einer im Reichtum unglaubwürdig gewordenen Kirche? Die Katharer haben immer Sympathien. Sie sind auch unentbehrlich zum Verständnis der Provence und des Languedoc. In dieses Umfeld gehört auch Hans-Georg Deggaus Buch. Aber es setzt auch eigene Akzente. Nicht die sattsam bekannten und immer neu erzählten Episoden der Katharer-Verfolgung stehen im Vordergrund, sondern das katharische Selbstverständnis, ihre Abkehr von einer Kirche der Mächtigen und einer Religion, die zur Routine verkommen war. Eingehend wird Herkunft und Gehalt der katharischen Lehre untersucht, ein Thema, das differenzierter als bisher ins Auge gefasst werden sollte. Das führt den Leser zur Einsicht, dass uns auch heute noch ähnliche Probleme bewegen können. Die Beschäftigung mit den zeitlich und räumlich weit entfernten Katharern kann uns da neue Dimensionen eröffnen und uns einiges über uns selbst sagen.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1997