SKZ 45/1997

INHALT

Neue Bücher

Wie sich die «junge Sekte der Christen» durchsetzte

Wie «sich die junge Sekte der Christen im Spannungsfeld der traditionsreichen jüdischen und hellenistischen Geisteswelt durchsetzte», das möchte Friedhelm Winkelmann, emeritierter Professor für Kirchengeschichte in Heidelberg, Rostock und Tübingen, in seinem Taschenbuch «Geschichte des frühen Christentums» <1>, das in der Beck'schen Reihe «Wissen» erschienen ist, darstellen. Winkelmann, lange Jahre an der Akademie der Wissenschaften zu Berlin tätig, macht das kurz und knapp und auch für den Nichttheologen verständlich. Er beschränkt sich auf die Zeit bis zu Kaiser Konstantin, in der die «entscheidenden Weichenstellungen für die weitere Entwicklung des Christentums» geschahen.
«Das ÐLehrbuch der Geschichte der Alten Kircheð kann seine Herkunft nicht verleugnen. Sein Vorläufer ist die bekannte Kirchengeschichte von K. Bihlmeyer-H. Tüchle. Mit diesem Standardwerk ist der neue Entwurf an eine lange Tradition kirchengeschichtlicher Darstellung gebunden», so stellt sich das Werk des Freiburger Kirchengeschichtlers Karl Suso Frank «Lehrbuch der Geschichte der Alten Kirche» <2> selber vor. Wenn auch Aufbau und Gliederung beibehalten wurden, hat sich «die Ausführung von der Vorlage (d.h. von Bihlmeyer/Tüchle) völlig getrennt», denn das neue Lehrbuch «kann nichts anderes sagen als seine Vorgänger, muss aber nicht Weniges anders sagen». Damit unterscheidet es sich ganz wesentlich vom «Ersatz» des evangelischen Pendants (dem «Heussi») durch Hauschild. Wolf-Dieter Hauschild hat den historischen Stoff inhaltlich total neu aufgeteilt. Wie bei «Heussi-Hauschild» ging auch bei dieser «Neubearbeitung» die Anregung vom Verlag (F. Schöningh) aus. «Die Bearbeitung» ­ so der Autor ­ «hat lange Jahre in Anspruch genommen». Das neue Lehrbuch ist sicher lesbarer als der alte Bihlmeyer. Wertvoll ist der Einbau von Quellentexten (oft zweisprachig) und ein bis in die letzten Jahre nachgeführtes Literaturverzeichnis. Unklar ist, ob die anderen Epochen des alten «Bihlmeyer» in ähnlicher Weise neu bearbeitet werden sollen. Wünschbar wäre es!
Auf ein weiteres Buch, das ein Thema der «alten Kirchengeschichte» behandelt, soll hier noch hingewiesen werden. Reinhart Staats hat in seinem Werk «Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel. Historische und theologische Grundlagen» <3> ein Wagnis unternommen. «Im Zeitalter der wissenschaftlichen Spezialisierung ist es ein Wagnis, das Nizänum in geschichtlicher, auch politikgeschichtlicher, in systematisch- und praktisch-theologischer und liturgiegeschichtlicher Hinsicht zu untersuchen und insgesamt so zu erklären, dass endlich ein fertiges Buch auch von Nichthistorikern und Nichttheologen gelesen werden kann», schreibt der Autor ­ sehr selbstbewusst ­ in der Einleitung. Staats, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Kiel, hat dieses Ziel erreicht, wobei ich freilich etwas daran zweifle, ob auch Nichttheologen alle Kapitel mühelos bewältigen werden. Trotzdem soll uneingeschränkt anerkannt werden, dass hier alles Wissenswerte über das «Nizäno-Konstantinopolitanum» ­ wie das Glaubensbekenntnis des I. Konzils von Konstantinopel (381) auch heisst ­ gesammelt ist. Das ist um so wertvoller, weil es ­ wie theologisch verbindliche Vereinbarungen der letzten Jahrzehnte zwischen christlichen Kirchen erwiesen haben ­ heute das «Basisdokument der Ökumene» geworden ist, also das «ökumenistische aller Glaubensbekenntnisse».

Nestor Werlen

Anmerkungen

1
Friedhelm Winkelmann, Geschichte des frühen Christentums. Beck'sche Reihe «Wissen», Verlag C.H.Beck, München 1996.

2
Karl Suso Frank, Lehrbuch der Geschichte der Alten Kirche (Mitarbeit: Elisabeth Grünbeck), Ferdinand Schöningh, Paderborn 1996.

3
Reinhart Staats, Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel. Historische und theologische Grundlagen, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1996.


Irische Klostergründungen

Helmut Flachenecker, Schottenklöster. Irische Benediktinerkonvente im hochmittelalterlichen Deutschland, (Quellen und Forschungen aus dem Gebiet der Geschichte. Neue Folge, Heft 18. Herausgegeben im Auftrag der Görres-Gesellschaft), Verlag Schöningh, Paderborn 1995, 402 Seiten.

Beim vorliegenden Band handelt es sich um eine Habilitationsschrift für die Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät der katholischen Universität Eichstätt. Der Name Schottenkloster ist verwirrend, weil mit «Scoti» die Iren bezeichnet wurden, die gälisch sprechende Bevölkerung Irlands, das seit der Spätantike Scotia Maior hiess, im Gegensatz zur Scotia Minor, dem heutigen Schottland. Die missionarische Präsenz von Iren auf dem Festland ist uns seit dem 6. Jahrhundert bekannt (Kolumban und Gallus). Um 800 finden wir bedeutende irische Gelehrte am karolingischen Hof und vereinzelt an Domkirchen. Die eigentlichen Schottenklöster entstanden um 1100 und im Verlaufe des 12. Jahrhunderts (Regensburg, Erfurt, Würzburg, Nürnberg, Konstanz, Eichstätt, Wien, Memmingen, Kelheim). Zum iroschottischen Kongregationsverband gehörten zwei Priorate in Südirland als Nachwuchssicherung und finanzieller Rückhalt im Herkunftsland. Dazu kam noch ein Priorat im fernen Kiew, das allerdings nur eine kurze Dauer hatte. Von diesen Schottenklöstern besteht einzig noch das Schottenstift in Wien. Die Wiener Stadtabtei gehört der österreichischen Benediktinerkongregation an und hat die Erinnerung an ihre Herkunft aus Irland im Namen und im irischen Handschriftenbestand erhalten.
Das vorliegende Werk ist eine beeindruckende Dokumentation historischer Quellenforschung und quellenkritischer Interpretation. Ein spröder und bisher brach liegender Stoff hat hier seinen Meister gefunden.
Die Schottenklöster stehen in der benediktinischen Klostergeschichte an einer Wende. Es sind Stadtklöster. Das Interesse an der städtischen Volksseelsorge ist unverkennbar. Für ihren Lebensunterhalt waren die Iroschotten auf die Gunst spendenfreudiger Stadteinwohner angewiesen. Nicht mehr Abkehr von der Welt, sondern vollkommene Nachfolge in der Welt zeichnet sich hier ab. Hier stehen sie mit den Prämonstratensern an einem Übergang, der zu den weit erfolgreicheren Bettelorden führt. Im 15. Jahrhundert versiegt dann auch der iroschottische Nachwuchs von der «Grünen Insel» her.

Leo Ettlin


Kardinal Bea

E. M. Jung-Inglessis, Kardinal Bea. Sein Leben und Werk, EOS-Verlag, Erzabtei St. Ottilien 1994, 213 Seiten.

Die Berlinerin E.M. Jung-Inglessis lebt seit Jahrzehnten in Rom und ist mit dem vatikanischen Geschehen bestens vertraut. Sie hatte den Kardinal der Einheit gut gekannt. Die promovierte Historikerin hatte schon vor dem Konzil eine kurze, aufschlussreiche Biographie verfasst (Augustin Bea, Kardinal der Einheit, 1962). Die vorliegende Biographie erweitert dieses längst vergriffene Taschenbuch bis zum Tod des deutschen Kurienkardinals 1968. Frau Jung hat für diese Biographie solid recherchiert, und sie bereichert sie zugleich mit vielen authentischen Textauszügen aus Reden und Auf-

sätzen. Dabei will sie keineswegs die Standardbiographie von Stiopan Schmidt SJ, dem Privatsekretär des Kardinals, ersetzen. Doch mancher, dem das grosse, in alle Details verästelte Werk Schmidts zu mühsam erscheint, wird diese viel kürzere und flüssig geschriebene schätzen. Sie wird den grossen sympathischen Kardinal von einem allzu frühen Vergessen bewahren.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1997