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Wie «sich die junge Sekte der Christen im Spannungsfeld der traditionsreichen
jüdischen und hellenistischen Geisteswelt durchsetzte», das möchte
Friedhelm Winkelmann, emeritierter Professor für Kirchengeschichte
in Heidelberg, Rostock und Tübingen, in seinem Taschenbuch «Geschichte
des frühen Christentums» <1>,
das in der Beck'schen Reihe «Wissen» erschienen ist, darstellen.
Winkelmann, lange Jahre an der Akademie der Wissenschaften zu Berlin tätig,
macht das kurz und knapp und auch für den Nichttheologen verständlich.
Er beschränkt sich auf die Zeit bis zu Kaiser Konstantin, in der die
«entscheidenden Weichenstellungen für die weitere Entwicklung
des Christentums» geschahen.
«Das ÐLehrbuch der Geschichte der Alten Kircheð kann seine
Herkunft nicht verleugnen. Sein Vorläufer ist die bekannte Kirchengeschichte
von K. Bihlmeyer-H. Tüchle. Mit diesem Standardwerk ist der neue Entwurf
an eine lange Tradition kirchengeschichtlicher Darstellung gebunden»,
so stellt sich das Werk des Freiburger Kirchengeschichtlers Karl Suso Frank
«Lehrbuch der Geschichte der Alten Kirche» <2>
selber vor. Wenn auch Aufbau und Gliederung beibehalten wurden, hat sich
«die Ausführung von der Vorlage (d.h. von Bihlmeyer/Tüchle)
völlig getrennt», denn das neue Lehrbuch «kann nichts anderes
sagen als seine Vorgänger, muss aber nicht Weniges anders sagen».
Damit unterscheidet es sich ganz wesentlich vom «Ersatz» des
evangelischen Pendants (dem «Heussi») durch Hauschild. Wolf-Dieter
Hauschild hat den historischen Stoff inhaltlich total neu aufgeteilt. Wie
bei «Heussi-Hauschild» ging auch bei dieser «Neubearbeitung»
die Anregung vom Verlag (F. Schöningh) aus. «Die Bearbeitung»
so der Autor «hat lange Jahre in Anspruch genommen».
Das neue Lehrbuch ist sicher lesbarer als der alte Bihlmeyer. Wertvoll ist
der Einbau von Quellentexten (oft zweisprachig) und ein bis in die letzten
Jahre nachgeführtes Literaturverzeichnis. Unklar ist, ob die anderen
Epochen des alten «Bihlmeyer» in ähnlicher Weise neu bearbeitet
werden sollen. Wünschbar wäre es!
Auf ein weiteres Buch, das ein Thema der «alten Kirchengeschichte»
behandelt, soll hier noch hingewiesen werden. Reinhart Staats hat in seinem
Werk «Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel. Historische
und theologische Grundlagen» <3>
ein Wagnis unternommen. «Im Zeitalter der wissenschaftlichen Spezialisierung
ist es ein Wagnis, das Nizänum in geschichtlicher, auch politikgeschichtlicher,
in systematisch- und praktisch-theologischer und liturgiegeschichtlicher
Hinsicht zu untersuchen und insgesamt so zu erklären, dass endlich
ein fertiges Buch auch von Nichthistorikern und Nichttheologen gelesen werden
kann», schreibt der Autor sehr selbstbewusst in der Einleitung.
Staats, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Kiel,
hat dieses Ziel erreicht, wobei ich freilich etwas daran zweifle, ob auch
Nichttheologen alle Kapitel mühelos bewältigen werden. Trotzdem
soll uneingeschränkt anerkannt werden, dass hier alles Wissenswerte
über das «Nizäno-Konstantinopolitanum» wie das
Glaubensbekenntnis des I. Konzils von Konstantinopel (381) auch heisst
gesammelt ist. Das ist um so wertvoller, weil es wie theologisch verbindliche
Vereinbarungen der letzten Jahrzehnte zwischen christlichen Kirchen erwiesen
haben heute das «Basisdokument der Ökumene» geworden
ist, also das «ökumenistische aller Glaubensbekenntnisse».
1
Friedhelm Winkelmann, Geschichte des frühen Christentums. Beck'sche
Reihe «Wissen», Verlag C.H.Beck, München 1996.
2
Karl Suso Frank, Lehrbuch der Geschichte der Alten Kirche (Mitarbeit: Elisabeth
Grünbeck), Ferdinand Schöningh, Paderborn 1996.
3
Reinhart Staats, Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel. Historische
und theologische Grundlagen, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt
1996.
Beim vorliegenden Band handelt es sich um eine Habilitationsschrift für
die Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät der katholischen
Universität Eichstätt. Der Name Schottenkloster ist verwirrend,
weil mit «Scoti» die Iren bezeichnet wurden, die gälisch
sprechende Bevölkerung Irlands, das seit der Spätantike Scotia
Maior hiess, im Gegensatz zur Scotia Minor, dem heutigen Schottland. Die
missionarische Präsenz von Iren auf dem Festland ist uns seit dem 6.
Jahrhundert bekannt (Kolumban und Gallus). Um 800 finden wir bedeutende
irische Gelehrte am karolingischen Hof und vereinzelt an Domkirchen. Die
eigentlichen Schottenklöster entstanden um 1100 und im Verlaufe des
12. Jahrhunderts (Regensburg, Erfurt, Würzburg, Nürnberg, Konstanz,
Eichstätt, Wien, Memmingen, Kelheim). Zum iroschottischen Kongregationsverband
gehörten zwei Priorate in Südirland als Nachwuchssicherung und
finanzieller Rückhalt im Herkunftsland. Dazu kam noch ein Priorat im
fernen Kiew, das allerdings nur eine kurze Dauer hatte. Von diesen Schottenklöstern
besteht einzig noch das Schottenstift in Wien. Die Wiener Stadtabtei gehört
der österreichischen Benediktinerkongregation an und hat die Erinnerung
an ihre Herkunft aus Irland im Namen und im irischen Handschriftenbestand
erhalten.
Das vorliegende Werk ist eine beeindruckende Dokumentation historischer
Quellenforschung und quellenkritischer Interpretation. Ein spröder
und bisher brach liegender Stoff hat hier seinen Meister gefunden.
Die Schottenklöster stehen in der benediktinischen Klostergeschichte
an einer Wende. Es sind Stadtklöster. Das Interesse an der städtischen
Volksseelsorge ist unverkennbar. Für ihren Lebensunterhalt waren die
Iroschotten auf die Gunst spendenfreudiger Stadteinwohner angewiesen. Nicht
mehr Abkehr von der Welt, sondern vollkommene Nachfolge in der Welt zeichnet
sich hier ab. Hier stehen sie mit den Prämonstratensern an einem Übergang,
der zu den weit erfolgreicheren Bettelorden führt. Im 15. Jahrhundert
versiegt dann auch der iroschottische Nachwuchs von der «Grünen
Insel» her.
Die Berlinerin E.M. Jung-Inglessis lebt seit Jahrzehnten in Rom und ist mit dem vatikanischen Geschehen bestens vertraut. Sie hatte den Kardinal der Einheit gut gekannt. Die promovierte Historikerin hatte schon vor dem Konzil eine kurze, aufschlussreiche Biographie verfasst (Augustin Bea, Kardinal der Einheit, 1962). Die vorliegende Biographie erweitert dieses längst vergriffene Taschenbuch bis zum Tod des deutschen Kurienkardinals 1968. Frau Jung hat für diese Biographie solid recherchiert, und sie bereichert sie zugleich mit vielen authentischen Textauszügen aus Reden und Auf-
sätzen. Dabei will sie keineswegs die Standardbiographie von Stiopan Schmidt SJ, dem Privatsekretär des Kardinals, ersetzen. Doch mancher, dem das grosse, in alle Details verästelte Werk Schmidts zu mühsam erscheint, wird diese viel kürzere und flüssig geschriebene schätzen. Sie wird den grossen sympathischen Kardinal von einem allzu frühen Vergessen bewahren.