SKZ 43/1997

INHALT

Neue Bücher

Gerechtigkeit und Recht

von Denise Buser

Der deutsche Sozialethiker und evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg Wolfgang Huber unternimmt es in seinem neuesten Werk «Gerechtigkeit und Recht» <1>, das vielschichtige Kriterium der Gerechtigkeit als Ausgangspunkt seiner Sicht einer christlichen Rechtsethik zu verwenden. Dabei geht er von der Gerechtigkeit als einer der Schnittstellen zwischen Theologie und Jurisprudenz aus. Und zwar als Vertreter des Konzeptes einer öffentlichen Theologie, also der theologischen Richtung, die nach dem «Beitrag des christlichen Glaubens zur verantwortlichen Gestaltung unserer Lebenswelt» fragt. So kreisen Hubers Ausführungen um die beiden ergiebigen Themen der theologischen Grundlagen des Rechts und des Verhältnisses von Recht und Ethik.

Im Horizont der rechtlichen Regelung aktueller Gesellschaftsfragen ­ etwa der Umgang mit gentechnischen Möglichkeiten ­ muss «das Vorhaben, Recht und Ethik voneinander getrennt zu halten», von vorneherein scheitern. Huber hält deswegen das Zeitalter des Rechtspositivismus für beendet. Er erachtet aber auch eine Rückkehr zum Naturrecht für verfehlt, das von einer «Gleichsetzung von ethischen Prinzipien und rechtlichen Normen» ausgeht. Unsere Gesellschaft ist durch einen Pluralismus der ethischen und religiösen Orientierungen geprägt. Die dadurch ermöglichte Gewissensfreiheit ist unvereinbar mit der naturrechtlichen Auffassung, dass Legalität und Moralität, Ethik und Recht deckungsgleich sind.

Im Zusammenhang mit Ethik und Recht kommt den Grund- und Menschenrechten eine Schlüsselrolle zu. Dabei geht es Huber darum aufzuzeigen, dass sich die drei Grundelemente der Menschenrechte ­ Freiheit, Gleichheit, Teilhabe ­ in den Grundinhalten des christlichen Glaubens widerspiegeln. Die Kirchen haben indessen ein theologisches Konzept der Menschenrechte zu entwickeln, das ein glaubwürdiges Eintreten für die Menschenrechte ermöglicht. Allerdings setzt dies nach Huber voraus, dass der Umgang mit den Menschenrechten innerhalb der Kirche geklärt wird. Die Kirchen distanzierten sich bis ins 20. Jahrhundert hinein vom Gedanken der Menschenrechte. Solche kirchlichen Vorbehalte hängen vor allem mit dem brachialen Ausgang der Französischen Revolution zusammen, während der die Menschenrechtsidee in Europa aufgekommen war. Zu einem Gesinnungswandel innerhalb der Kirche kam es erst angesichts der Ungeheuerlichkeiten gegen die menschliche Würde während der beiden Weltkriege. Der Autor stellt fest, dass die gedankliche Basis für die innerkirchliche Auseinandersetzung mit der eigenen Grundrechtssituation (erst) in den achtziger Jahren gelegt wurde.

Moderne Rechtssysteme und biblisches Rechtsdenken

Wolfgang Huber beurteilt das Verhältnis zwischen staatlichen Normordnungen und biblischen Rechtsvorstellungen als eine Beziehung von wechselseitiger Entsprechung; dies schliesst einen «kritischen Blick auf die Verhältnisse der Gegenwart aus der Perspektive des biblischen Denkens wie einen kritischen Blick auf die Angebote biblischen Denkens aus der Perspektive heutiger Erfahrungen und Einsichten ein». Diese Ausgangslage führt dazu, dass den biblischen Rechtsvorstellungen auch im Blick auf die Weiterentwicklung des modernen Rechtsdenkens eine wichtige Bedeutung zugemessen wird. Huber sieht in diesem Zusammenhang zudem die Notwendigkeit, das Bewusstsein für ein planetarisches Ethos zu entwickeln. «Die Aufgabe, die Lebensfähigkeit des Planeten Erde zu erhalten und menschenwürdige Lebensbedingungen zu sichern, erfordert eine Zusammenarbeit über die Grenzen kultureller Traditionen und religiöser Überzeugungen hinweg», lautet sein Postulat. Folgerichtig lehnt Huber die Auffassung von der Beschränkung der Gültigkeit der Menschenrechte auf den europäischen und amerikanischen Rechtsraum ab. Die im Westen geführte Diskussion über die Unmöglichkeit, Menschenrechte in religiös anders geprägten Weltregionen heimisch werden zu lassen, verkenne die religiöse Dimension im Recht. Dies versperre den Zugang zu der inneren Einheit von Recht und Religion in anderen Religionen und Kulturen. «Wer fragen will, wie der Gedanke der Menschenrechte in diesen Kulturen heimisch werden kann, muss auch in der eigenen Kultur wieder nach der verschütteten Verbindung von Recht und Religion Ausschau halten.»

Recht und Konflikt

Unter dem Titel Recht und Konflikt handelt Huber unter anderem den «Kampf um die Rechtsstellung von Frauen» ab. Die immer noch vorhandene Asymmetrie der rechtlichen und gesellschaftlichen Stellung von Frauen und Männern führt Huber zur Formulierung einer sechs Punkte umfassenden Prioritätenliste, die darauf abzielen soll, keine «einseitigen Modelle der familiären und gesellschaftlichen Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern zu favorisieren». Staat und Kirche sollen traditionellen Rollenbildern entgegensteuern, heisst es darin unter anderem, und sich nicht in den Dienst der Bewahrung und Perpetuierung von konservativen Geschlechtsklischees stellen. In der positiven Form bedeutet das wohl nichts anderes, als dass Staat und Kirche aktive Rollen in der Überwindung herkömmlicher Denkschemen im Mann-Frau-Verhältnis spielen sollen.

In seinen differenzierten Beurteilungen versäumt es Huber nicht, argumentativ belegte Überzeugungen in die Darstellung einzubeziehen, die einer aufgeschlossenen, sozial engagierten Linie verpflichtet sind. Der überaus fundiert angegangenen Themenvielfalt in der vorliegenden Abhandlung kann in einer Rezension gar nicht Genüge getan werden. Wolfgang Huber zielt auch nicht darauf ab, einen einfach fassbaren Gerechtigkeitsbegriff im Spiegel rechtlicher Normen und theologischer Ethikkonzepte zu entwickeln. Sein Werk strebt vielmehr an die weiten Horizonte eines Standardwerkes, und wie alle Standardwerke zeichnet es sich durch eine fast enzyklopädische Erfassung sämtlicher thematisch relevanter Aspekte aus, was die vollständige oder auch nur partielle Lektüre ausserordentlich ergiebig macht. In diesem Sinn ist auch der Untertitel «Grundlinien christlicher Rechtsethik» in erster Linie als kritische Bestandesaufnahme des Diskussionsstandes zu verstehen. Rein visionäre Perspektiven stehen deshalb zugunsten der vorhandenen ethisch-theologischen Grundlagen des Rechts, die es fruchtbar zu machen gilt, nicht im Vordergrund.

Dr. iur. Denise Buser ist freie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Kirchenrecht und Staatskirchenrecht der Hochschule Luzern

Anmerkung

1
Wolfgang Huber, Gerechtigkeit und Recht. Grundlinien christlicher Rechtsethik, Chr. Kaiser Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1996, 480 Seiten.


Wegbegleiter durch den Ministrantenalltag

Die Freude von Mädchen und Buben, nach der Erstkommunion Ministranten zu werden, hält unvermindert an. In den neuen Dienst werden sie eingeführt. In den Jahren der Ministrantenzeit erfahren sie eine altersgemässe Begleitung. Mädchen und Buben sind aber auch dankbar für kleine Bücher, in denen sie Antworten finden auf ihre vielfältigen Fragen. Der Theologe Georg Schwikart war selber 13 Jahre Ministrant. Sein Ministrantenbuch <1> ist darum aus grosser Erfahrung heraus und ebenso anregend wie locker geschrieben. Es gibt keine langen Texte. In der Darstellung herrscht grosse Abwechslung. Die Zeichnungen erhellen und ergänzen den Text auf erfrischende Weise. Einige Kapitelüberschriften zeigen tiefe Sachverhalte in einfacher Sprache auf (Liturgie: Eine heilige Welt in unserer unheilen Welt. Symbole: Eine Sprache, die alle Christen verstehen. Haltungen: Feierliche Gymnastik. Geräte, Gewänder, Bücher: Zubehör für das heilige Spiel. Verschiedene Gottesdienste: Das gleiche Thema in vielerlei Formen. Texte des Gottesdienstes: Die Parole heisst nicht immer «Amen»). In einem Quiz habe ich eine Ungenauigkeit entdeckt: Die dreieckige Schweizer Schokolade heisst Toblerone, nicht Minestrone. Minestrone ist eine Gemüsesuppe.
«Begeistert leben ­ für die Zukunft» steht über zwei Begleitern durch das Jahr 1998 <2>. Der Taschenkalender überzeugt durch gute Erlebnisberichte. Da wird eine Osternacht in Indien geschildert. Die Tochter eines deutschen Kaufmanns erzählt, wie sie in Indonesien ministriert. Leider sind einige Beiträge in überaus kleiner Schrift gedruckt.

Jakob Bernet

Anmerkungen

1
Georg Schwikart, Das kleine Ministranten ABC. Was Messdienerinnen und Messdiener wissen müssen. Mit Ilustrationen von Jutta Knipping, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer 1997, 136 Seiten.

2
mini '98. Taschenkalender für Ministrantinnen & Ministranten und junge Christen, 142 Seiten.
Mini-Termin-Poster. Herausgegeben von den Oblaten des heiligen Franz von Sales, Franz-Sales-Verlag, Eichstätt 1997.


Mosaiksteine zur neuesten Schweizer Kirchengeschichte

Gut 60 Jahre sind vergangen, seit der Einsiedler Pater und Historiker Theodor Schwegler OSB die letzte Kirchengeschichte über den Schweizer Katholizismus verfasst hat. <1> Reformierterseits hat Rudolf Pfister mittlerweile ein dreibändiges Werk vorgelegt und dabei auch katholische Perspektiven eingearbeitet.<2> Der Papstbesuch in der Schweiz (1984) gab Anlass, dass sich katholische und evangelische Historiker zusammenschlossen, um gemeinsam eine ökumenische Kirchengeschichte der Schweiz zu verfassen. Unter der Leitung von Lukas Vischer, Lukas Schenker und Rudolf Dellsperger ist sie 1994 erschienen. <3> Obwohl die Redaktoren die Teilbeiträge über die einzelnen Epochen zu einem Ganzen zusammenfügten, war von vorneherein klar, dass lediglich Grundzüge einer Schweizer Kirchengeschichte möglich sind, weil auf vielen Gebieten schlicht die Vorarbeiten fehlen. Der «weissen Flecken» (Alois Steiner) sind noch viele in der zu erforschenden Schweizer Kirchengeschichte. 1993 und 1994 sind im Universitätsverlag Freiburg/Schweiz zwei Sammelbände mit 38 Beiträgen zur jüngsten Katholizismusgeschichte der Schweiz erschienen, die gleichsam Mosaiksteine der jüngsten Schweizer Kirchengeschichte bilden. Entstanden sind sie anlässlich einer Tagung zum Thema «Die Schweizer Katholiken zwischen Tradition und Moderne», die Urs Altermatt und sein französischsprechender Kollege Francis Python in Zusammenarbeit mit Markus Hodel und Irene Dias-Küng unter dem Patronat der «Vereinigung für Schweizerische Kirchengeschichte» am 27./28. April 1990 in Freiburg durchführten. <4> Die beiden Werke bilden die Bände 7 und 8 der inzwischen auf 15 Bände angewachsenen Reihe «Religion ­ Politik ­ Gesellschaft in der Schweiz». Ihre Publikation wurde unterstützt vom Hochschulrat der Universität Freiburg/Schweiz, von der Römisch-katholischen Zentralkonferenz und vom Bischöflichen Ordinariat Solothurn, so dass ihre Preise vergleichsweise tief gehalten werden konnten.

Entwicklungen im Tessiner Katholizismus...

Nicht weniger als sechs Autoren entstammen dem Kanton Tessin, und drei von ihnen befassen sich explizit mit Tendenzen und Stellungnahmen in diesem von der Schweizer Kirchengeschichte vernachlässigten Bistum, das sich 1859 von den Diözesen Como und Mailand löste, dann bis 1968 eine Apostolische Administratur bildete und 1971 ein eigenes Bistum wurde. Carlo Moos entdeckt einige Parallelen zwischen Tessiner und Deutschschweizer Katholizismus zur Kulturkampfzeit mit der Front gegen den Sozialismus und Liberalismus, obwohl nach wie vor starke Einflüsse aus Italien wirksam sind. Nach der Blütezeit zwischen 1920 und 1950 stellt er eine Identitätskrise und Auflösungserscheinungen des vormals geschlossenen Milieus mit seinem intensiven religiösen Leben fest. Wirtschaftliche Entwicklungen und Tourismus haben auch im Tessin Spuren hinterlassen. Michela Trisconi vergleicht die teilweise unterschiedlichen Einstellungen der Tessiner und Freiburger Katholiken in der Kampagne gegen die Freimaurer und andere freigeistige Logen vom 31. Oktober 1934. Fabrizio Panzera untersucht die sich wandelnde Haltung des Tessiner Katholizismus gegenüber dem Faschismus. Alle drei Beiträge verschaffen gute Einblicke in das kirchliche Leben des Bistums Lugano, und die Anmerkungen geben weitere Quellenstudien an.

... in der Westschweiz...

Mehrere Beiträge befassen sich mit Persönlichkeiten und Trends in der katholischen Westschweiz. Sie greifen interessante, bis heute wirksame Probleme auf und sollen hier in ihrer geschichtlichen Reihenfolge kurz und selektiv vorgestellt werden:
Philippe Bender berichtet über die interkonfessionellen Beziehungen im Kanton Wallis um die Jahrhundertwende und zeigt ähnliche Ungerechtigkeiten auf reformierter Seite auf, wie sie Katholiken in der Diaspora am eigenen Leibe erfahren mussten; Philippe Chenaux charakterisiert die Thomas-Renaissance der 20er Jahre in den Theologenkreisen um Jacques Maritain, Charles Journet, Maurice Zündel und François Charrière, indem er sie einerseits in die gesamtkirchliche Thomas-Renaissance des 19. Jahrhunderts einordnet und andererseits als Reaktion auf die Werterschütterung durch den Ersten Weltkrieg und als Antwort auf den Antimodernismus versteht. Das Gespräch mit der von Karl Barth lancierten dialektischen Theologie sollte erst 30 Jahre später von Hans Urs von Balthasar und Hans Küng aufgenommen werden; Antonio Lepori behandelt die kontroverse Rezeption der Sozialenzyklika «Quadragesimo anno» (1931). Die Enzyklika vermochte mit ihren streitbaren Äusserungen über den Sozialismus in der politisch wie ökonomisch instabilen Zwischenkriegszeit keine prägende Wirkung auf den Westschweizer Katholizismus auszuüben; Josef Widmer schildert nochmals die vom Waadtländer Obersten Arthur Fonjallaz formulierte Freimaurerinitiative und die heftigen jungkonservativen Befürworter, darunter Otto Walter, der Vater von Otto F. Walter. In der Tat kamen die Katholiken dabei in Bedrängnis, weil die Initiative zwar der offiziellen Doktrin entsprach, aber ein ähnliches Ausnahmegesetz statuieren wollte wie die Konfessionsartikel.

... und in der deutschsprachigen Schweiz

Sehr vielgestaltig nehmen sich schliesslich die 30 Beiträge über den Katholizismus in seinen politischen, sozialen, kulturellen und religiösen Dimensionen in der Deutschschweiz aus. Zwei Artikel von Bruno Santini-Amgarten und Hermann Bischofberger befassen sich mit der Geschichte und dem Auftrag der katholischen Schulen. Während im übrigen Europa die Schulen in freier Trägerschaft, besonders die kirchlichen Schulen, Aufwind haben, scheinen sie mangels Geld und Personal in der Schweiz in eine progressive Krise zu geraten und vom Moloch Staat ohne Gegenwehr der Kirche aufgesogen zu werden.
Die Beiträge von Bruno Gruber, Bernhard Wild, Beat Hayoz, Hilmar Gernet, Urs Altermatt und Fabrizio Viscontini beschäftigen sich mit der Arbeiterbewegung und den katholischen Vereinen, welche den Umbruch der sechziger und siebziger Jahre unterschiedlich verarbeiteten. Über die politischen Parteien der Christlich-sozialen und der Schweizerischen konservativen Volkspartei sind Vor- und Teilstudien der Dissertationen von Markus Hodel, Dieter Holenstein und Lukas Rölli-Alkemper veröffentlicht. Speziell erwähnt seien die Darstellungen des Werdegangs des Luzerner Rex Verlags von Alois Steiner, dessen Gründung mit der Einführung des Christkönigsfestes in Verbindung steht, und die Skizze über den Kirchenbau zwischen Erstem und Zweitem Vatikanischen Konzil von Heinz Horat.

Welche Zukunft hat die Kirche Schweiz?

Kein Zweifel, die «goldenen Jahre des Milieukatholizismus» mit den imposanten Katholikentagen, der starken C-Partei, der unangefochtenen katholischen Soziallehre, den wachsenden katholischen Vereinen und Verbänden, den katholischen Schulen und Institutionen und der spezifisch katholischen Erziehung scheinen unwiederbringlich der Vergangenheit anzugehören. Der Einbruch der sozialen Stützen des Glaubens bringt eine grosse Herausforderung des persönlichen und kirchlichen Glaubens mit sich. Die heute von vielen gestellte Frage: Werden unsere Kinder noch Christen sein? werden allerdings in diesen geschichtlichen Bänden nicht beantwortet.
Hinsichtlich der Sozialgestalt der Kirche fragt Rolf Weibel am Schluss des einen Bandes, ob sich die katholische Kirche zu einer Sekte entwickeln wird, also zu einer neuen Minderheit in der Diaspora, oder ob sie zur Sektorenkirche mit universalem Charakter und differenziertem Angebot werden wird. Hier müssen das Gespräch und auch die Kirchengeschichte der Schweiz weitergehen, etwa mit der neuen Erfahrung der Synode 72, den neuen ökumenischen und interreligiösen Dialogen, mit den Erfahrungen des Rätekatholizismus auf allen Ebenen, mit den Erfahrungen der Orden und den neuen religiösen Bewegungen, oder über ein «Zurück zu den Quellen» auf das Wesentliche christlichen Lebens, Glaubens und Handelns.
Das zweibändige Werk über den Schweizer Katholizismus ist nicht nur spannend zu lesen; es hat in verdankenswerter Weise gut 40 geschichtlich Interessierte verschiedener Generationen und historischer Methoden miteinander ins Gespräch gebracht und soll weitere Studien und Begegnungen initiieren.

Stephan Leimgruber

Anmerkungen

1
Theodor Schwegler, Geschichte der Katholischen Kirche der Schweiz, Schlieren/Zürich 1935.

2
Rudolf Pfister, Kirchengeschichte der Schweiz, I­III, Zürich 1964/1974/1985.

3
Lukas Vischer, Lukas Schenker, Rudolf Dellsperger (Hrsg.), Ökumenische Kirchengeschichte der Schweiz, Freiburg/Schweiz und Basel 1994.

4
Urs Altermatt (Hrsg.), Schweizer Katholizismus im Umbruch 1945­1990, Freiburg/Schweiz 1993; ders. (Hrsg.), Schweizer Katholizismus zwischen den Weltkriegen 1920­1940, Freiburg/Schweiz 1994.


Lourdes

Rolf Bauerdick, Lourdes, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1995, 142 Seiten, davon 87 Farbfotos.

Dieser Bildband von Rolf Bauerdick hebt sich von Lourdes-Büchern, die aufdringlich herausgeputzten Touristen-Prospekten gleichen, ganz betont ab. Bauerdick überlässt die Darstellung des offiziellen und klerikalen Lourdes seinen Kollegen. Auf seinen zahlreichen Farbfotos ist kein einziger Bischof zu sehen. Für Bauerdick ist der Pilger interessant und die Hoffnung und Zuversicht, die von den einfachen Leuten ausstrahlt. Der Lourdes-Pilger wird in diesen einfühlsamen Aufnahmen von seiner menschlichen Seite her ernst genommen. Beachtenswert ist auch der Text. Auch da vermeidet der Text-Bildautor das fromme und süsse Klischee. Der Autor steht dem eigentlich immer überforderten Wallfahrtsort wohlwollend kritisch gegenüber. Nicht die Massen machen ihm Eindruck, sondern der einzelne Mensch ­ der unheilbar Kranke, der zwar nicht geheilt, aber gestärkt und ermutigt heimkehrt, und besonders eindrucksvoll Bernadette, die Seherin, ihr Kreuzweg und ihre tiefe Nacht der Seele im Kloster von Nevers.
Für Menschen, die vor Lourdes Schwellenangst empfinden, ist hier das geeignete Buch. Es wird sie nicht überschwatzen, aber in der Seele berühren.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1997