SKZ 42/1997

INHALT

Neue Bücher

Wortgottesdienste

Max Huber (Hrsg.), Ich bin die Auferstehung und das Leben. Neue Wortgottesdienste mit Predigten zu den «Ich-bin-Worten», Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1997, 138 Seiten.

Der vom Leiter des bischöflichen Seelsorgeamtes von Passau, Domkapitular Max Huber, edierte Band folgt dem Wunsch des Papstes in seinem apostolischen Schreiben «Tertio Millesimo adveniente», die Jahrtausendwende religiös vorzubereiten. Die Beiträge, in die sich 14 Autoren teilen, greifen das Hauptthema des ersten Vorbereitungsjahres (1997) auf und behandeln Jesus Christus. Die 15 Wortgottesdienste kreisen um die herausragenden «Ich-bin-Worte». Die sorgfältig formulierten Lese- und Gebetstexte sowie die theologisch fundierten Ansprachen und Meditationen sind auch über den erwähnten Anlass hinaus verwendbar, ja sie weisen auf diese Thematik direkt hin. So ist ein Materialbuch entstanden, zu dem man gerne und mit Nutzen greift, weil es in jeder Hinsicht Substanz hat.

Leo Ettlin


Der Ökumeniker Prinz Max

Iso Baumer, Max von Sachsen. Primat des Andern. Texte und Kommentare, Universitätsverlag, Freiburg Schweiz 1996, 272 S. (3. Band des Gesamtwerkes).

1990 und 1992 veröffentlichte Iso Baumer zwei Bände über Leben und Wirken des Prinzen Max von Sachsen (1870­1951), des langjährigen Professors an der Universität Freiburg/Schweiz, zuerst an der theologischen (1900­1912 für Kirchenrecht und Liturgie), später an der philosophischen Fakultät (1921­1951 für orientalische Kulturgeschichte). Die Publikation dieser Bände zeigte einen in weiten Kreisen völlig vergessenen Pionier der Ökumene.
Prinz Max entstammte dem Fürstengeschlecht der Wettiner, die das Königreich Sachsen bis 1918 regierten. Seine Berufung an die Universität Freiburg sollte deren Prestige, das durch den Professorenauszug von 1897/98 gelitten hatte, aufwerten. Der gelehrte Prinz, der sich schon früh mit den Ostkirchen beschäftigte, geriet 1910 infolge eines Artikels, den er in der Zeitschrift «Roma e l'Oriente» (Grottaferrata/Italien) veröffentlichte, ahnungslos in den Bannstrahl des Vatikans und wurde von Pius X. verurteilt.
Im vorliegenden 3. Band veröffentlicht Iso Baumer einschlägige, für den Leser sonst kaum greifbare Quellentexte zu den beiden Textbänden. Wir erwähnen besonders den entscheidenden Artikel der obenerwähnten Zeitschrift, worin Prinz Max Gedanken über die Wiedervereinigung der Ost- und Westkirche äusserte, die mutig und um Jahrzehnte vorauseilend Wesentliches zum Problem der Begegnung zwischen der Katholischen Kirche und den uralten Schwesterkirchen des Ostens vorwegnahmen. Das Schreiben Pius' X. ist ­ laut Iso Baumer ­ «in jeder Hinsicht ungerechtfertigt und unwürdig» (S. 106). In der Zwischenzeit sind im Verhältnis zwischen Ost- und Westkirche beträchtliche Verbesserungen erreicht worden.
Die päpstlichen Aussagen sind nur im Zusammenhang mit dem unseligen Modernistenstreit zu sehen. Hinter dem Rücken des Papstes, jedoch mit Unterstützung einflussreicher Kreise an der Kurie, organisierte Mgr. Benigni einen straff geleiteten Geheimbund zur Überwachung angeblicher modernistischer Kreise. Mitglied dieses Geheimbundes in Freiburg war Mgr. Friedrich Speiser, Professor für Kirchenrecht, der Prinz Max offensichtlich von der Universität entfernen wollte (vgl. Iso Baumer, Bd. 1, S. 158).
Des weitern finden sich Stellungnahmen zu Tolstoi als Ethiker und zu Solowjew als Religionsphilosoph. Von besonderem Interesse ist sein Urteil über das Judentum. Sein Vortrag, den er im August 1932 in Dresden über den Antisemitismus gehalten hat, überzeugt durch seine innere Freiheit und seinen Respekt gegenüber den jüdischen Mitbürgern.
Die edle, seiner Zeit weit vorausschauende Gestalt erhält in diesen Texten ein sehr klares, überzeugendes Profil. Iso Baumer hat mit der Veröffentlichung dieser drei Bände einen entscheidenden Beitrag geleistet, dass Prinz Max nicht dem Vergessen anheimfällt.

Alois Steiner


Ostern verstehen

Kurt Koch, Ostern verstehen. Predigten von Palmsonntag bis Pfingsten, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1997, 142 Seiten.

Bischof Kurt Koch hat in der Zeit seiner Lehrtätigkeit als Professor in Luzern auch häufig Sonntagsaushilfen geleistet. Der vorliegende Band enthält 17 Predigten für die Zeit von Ostern bis Pfingsten. Sie stellen eine geglückte Verbindung von theologischer Wissenschaft mit Volksunterweisung dar. Es sind Predigten, mit denen wohl jeder Seelsorger etwas anzufangen weiss. Das Buch ist der Pfarrgemeinde Beckenried gewidmet.

Leo Ettlin


Der lateinamerikanische Weg

Peter Hünermann, Juan Carlos Scannone (Hrsg.), Lateinamerika und die Katholische Soziallehre. Band 3: Bernhard Frailing u.a. (Hrsg.), Demokratie, Menschenrechte und politische Ordnung, Mainz (Matthias-Grünewald) 1993, 502 Seiten.

«Die Diskrepanz von Recht, demokratischer Idee und faktisch-politischer Ordnung zeigt sich in aller Deutlichkeit an den Schwierigkeiten der Umsetzung politischer Reformen in Lateinamerika; die beharrenden Kräfte politischer und wirtschaftlicher Eliten, ein etatistisches Staatsmodell bei gleichzeitig faktisch schwachem Staat bremsen den ökonomisch-sozialen Entwicklungsprozess» (Buchumschlag). Gibt es aus dieser schwierigen Situation einen gangbaren Weg für die nahe und ferne Zukunft?
Diesen Fragen geht der hier besprochene dritte Band des lateinamerikanisch-deutschen Dialogprogrammes unter dem Aspekt der politisch-demokratischen Ordnung und der Menschenrechte nach. Namhafte Wissenschaftler Deutschlands und Südamerikas behandeln die Themen aus je eigener Perspektive, wobei verschiedene, teils auch kontradiktorische Gesichtspunkte vertreten werden.
Der erste Abschnitt widmet sich den Fragen der Demokratie und ihrer Grundlagen, den Menschenrechten, der Rechtskultur und der Solidarität. Im zweiten Teil, «Umwelt: Recht, Ökonomie, Bewusststein», werden Umweltfragen Südamerikas abgehandelt. Der dritte Teil widmet sich den Fragen des Staates.
M. Eckholt hat zu den verschiedenen Themenbereichen eine reichhaltige Literaturliste zusammengestellt. Innerhalb der Artikel wird zudem reichlich Literatur geboten. Für eine nächste Auflage wäre, neben dem themengeordneten Literaturverzeichnis, ein nach Autoren geordnetes Verzeichnis wünschenswert (damit z.B. die genaue Referenz zu D. Garcia-Sayans Artikel [S. 123] ohne langes, umständliches Suchen gefunden werden kann).
Reichhaltig, kontrovers und dadurch zum weiteren Diskurs anregend, gelingt es den Herausgebern dieses dritten Bandes, dem interessierten Leser zu verschiedenen Aspekten Informationen und Thesen zu präsentieren. Sie sind ein wichtiger Beitrag zu entwicklungspolitischen, ökologischen und makroökonomischen Fragen, die wir in den kommenden Jahren anzugehen haben. Besonders markant sticht die These heraus, die erste Welt, das heisst die von der aufgeklärten Staatsidee, der parlamentarischen Demokratie und der expansiven Wirtschaftspolitik geprägten Staaten müssten ihre eigenen Konzepte (um nicht Ideologien zu sagen) hinterfragen und korrigieren. Der «Siegeszug der Marktwirtschaft und der Demokratie» könnte sich sehr bald als grosse Illusion erweisen, wenn nicht Politiker, IMF, Weltbank, UNO und die führenden Wirtschaftskräfte lernen, auf die Anliegen der sogenannten Dritten Welt zu hören und dabei die eigenen europäisch-amerikanischen (d.h. von der Aufklärung geprägten) Konzepte kritisch zu reflektieren. Die Verantwortlichen der Dritten Welt wiederum werden aus ihrer und der europäischen Geschichte lernen müssen, um ihre heutige Praxis ebenso radikal korrigieren zu können. Die Reihe «Lateinamerika und die katholische Soziallehre» leistet dazu einen wichtigen Diskussionsbeitrag.

Antonio Hautle


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1997