SKZ 49/1997

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Berichte

Lust am Kirchesein

von Walter Ludin

Was in andern Kantonen bisher trotz grossen Bemühungen noch nicht gelang, glückte nun der Luzerner Kirche schon zum dritten Mal: ein Begegnungstag der Katholiken und Katholikinnen. Am letzten Samstag im Oktober strömten Hunderte von Gläubigen in die Rottaler Gemeinde Ruswil, um unter dem Motto «Zukunft und Hoffnung» ein Stück lebendige Kirche zu erfahren. Gerade auf dem Hintergrund der Frustration, die der Ad-limina-Besuch der Schweizer Bischöfe bis in die hinterste Pfarrei ausgelöst hatte, waren alle Beteiligten dankbar, Kirche auf eine mutmachende Weise zu erleben.
Im Auftrag des Katholischen Seelsorgerats des Kantons Luzern (KSRL) und des Synodalrates der römisch-katholischen Landeskirche hatte ein Organisationskomitee über ein Jahr lang ein attraktives Programm für das Treffen erarbeitet. Die Vorgabe hiess: «Wir bereiten keinen Katholikentag alter Prägung vor. Begegnung und Dialog sollen im Mittelpunkt stehen.» An «Orten der Begegnung» (Ateliers) wurde der Austausch mit Persönlichkeiten möglich, die auf ihre Art Impulse für eine zukunftsoffene Kirche geben konnten. Am meisten Anklang fand der 81jährige Kapuziner Walbert Bühlmann. Zu seinen beiden Ateliers kamen insgesamt 200 Personen. «Als ÐProphetinnenð die Zukunft mitgestalten»: So hiess ein anderer Ort der Begegnung, der vom Schweizerischen katholischen Frauenbund (SKF) des Kantons gestaltet wurde.
Neben den sieben Ateliers, einem Bibel-Parcours zum Exodus, einem Offenen Singen, Gesprächen mit Kolping, einer kunsthistorischen Führung durch die prächtige, kürzlich renovierte Ruswiler Pfarrkirche sowie Theaterszenen von Jugendlichen und einem Kinderatelier (mit immerhin 50 hochmotivierten Kindern) war der «Marktplatz» ein weiterer Schwerpunkt des Programms. Nach längerer Diskussion hatte das OK grünes Licht für diesen Vorschlag gegeben, der sich am «Markt der Möglichkeiten» der deutschen Katholikentage inspirierte. So drängte sich in der alten Turnhalle von Ruswil Stand an Stellwand, um so einen Einblick in die Vielfalt des kirchlichen Lebens im Kanton zu vermitteln.
Mit über 300 Besuchern war der Publikumserfolg des Tages das Podium mit dem Titel: «25 Jahre nach der Synode 72. Wir brauchen neuen Wind.» Als die «alten Hasen» von ihren Erlebnissen mit der Synode erzählt hatten, bedauerten es die jüngeren Teilnehmerinnen des Podiums, damals noch nicht dabei gewesen zu sein. Doch eine junge Frau aus dem Publikum meinte, die Begeisterung für die Synode 72 sei gut und recht. Ihre Generation hätte aber andere Fragen als damals: «Wir brauchen neuen Wind, der uns interessiert.» Darauf konnte an die Tagsatzung 98 im Bistum Basel erinnert werden, die im kommenden Frühjahr (21.­23. Mai) in Luzern stattfindet, um unter andern Vorzeichen synodale Erfahrungen (d.h. Kirche unterwegs, im offenen, konstruktiven Gespräch!) zu ermöglichen.
Nicht auf die Tagsatzung gemünzt, aber sicher auch auf sie zutreffend schrieb der landesabwesende Diözesanbischof Kurt Koch seinen Luzerner Mitbürgerinnen und Mitbürgern in seinem Grusswort, das im kreativ gestalteten Schlussgottesdienst verlesen wurde: «Jesus mahnt uns auch zur Umkehr und öffnet uns die Augen für die Herausforderungen in unserer Zeit. Das bedeutet in kritischer Loyalität mutig Fragen aufzuwerfen, um Antworten zu finden, die wieder Jesus Christus mehr in den Mittelpunkt unseres Lebens stellen.»
Der Begegnungstag der Luzerner Katholiken und Katholikinnen vermochte zwar vor allem «Insider» anzuziehen. Doch auch und gerade diese haben es nötig, von Zeit zu Zeit in ihrem Engagement bestärkt zu werden und Kirche auf eine lustvolle Weise zu erfahren. Zudem entstand nach aussen hin «das Bild einer offenen und dialogbereiten, einer heiteren und optimistischen Kirche» (Stefan Calivers in seinem Frontkommentar des «Willisauer Boten»). Nach all den negativen kirchlichen Schlagzeilen ist ein solcher Nebeneffekt nicht zu unterschätzen.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1997