SKZ 49/1997

INHALT

Berichte

Laienkatechetinnen und Laienkatecheten in der deutschen Schweiz

von Theres Zumsteg

Der diesjährigen Mitgliederversammlung VLS (Vereinigung der deutschsprechenden Laienkatecheten und -katechetinnen der Schweiz) im Pfarreiheim Barfüsser in Luzern trug die Leiterin des Katechetischen Instituts Luzern (KIL), Prof. Helga Kohler-Spiegel Überlegungen zum Berufsstand der Katechetinnen und Katecheten angesichts der neuen Schule und eines sehr breit gewordenen Arbeitsfeldes vor. Vorgängig wurde im geschäftlichen Teil der Generalversammlung der ehemalige Präsident der Vereinigung, Nick Sieber, für sein langjähriges, grosses Engagement geehrt und offiziell aus dem Vorstand verabschiedet. Neu gewählt als verantwortliche Co-Präsidentinnen wurden Sandra Dietschi und Brigitte Flückiger Nadler.
Den ersten Jahresbericht an der Generalversammlung trug Nick Sieber vor, der bis 1996 mehr als 10 Jahre lang als Präsident die VLS leitete. Er schaute auf diese ganze Zeit zurück und strich drei Schwerpunkte der VLS-Arbeit heraus: Im Bereich der Fort- und Weiterbildung veränderten sich die Seminare weg vom Grossanlass mit sehr bekannten Referenten zum prozesshaften Arbeiten in kleineren Gruppen. Ein wichtiges Erwachsenenbildungs-Projekt wurde zusammen mit dem IFOK (Institut für Fort- und Weiterbildung der Katechetinnen und Katecheten) erarbeitet und unter dem Namen «Lernort Gemeinde» durchgeführt. Berufspolitisch beschäftigte den Vorstand die Frage: «Katechet/Katechetin im Alter ­ was dann?» Eine Tagung zu diesem Thema löste die Frage nicht, doch aus der diesbezüglichen Zusammenarbeit mit Karl Kirchhofer wuchs das nun regelmässig vom IFOK angebotene Laufbahnplanungsseminar. Ein wichtiges Ziel der VLS konnte in Nick Siebers Präsidialzeit erreicht werden: 1993 führte die gewerkschaftliche Orientierung der Vereinigung zum Anschluss an den VCHP (Verband des christlichen Staats- und Gemeindepersonals der Schweiz).
Mit einem Gleichnis aus dem Landbau machte Nick Sieber den Mitgliedern des VLS-Vorstands Mut und wünschte ihnen Durchsetzungsvermögen: Es sei wichtig, in der «Landschaft Kirche Schweiz» junge Pflanzen zu setzen, aber auch Pflöcke einzuschlagen, um die jungen Pflanzen im Sturm zu schützen. Zum Dank für seinen Einsatz wurde Nick Sieber einstimmig zum Ehrenmitglied der VLS ernannt.

Verbandsarbeit

Im September 1996 übernahmen Brigitte Flückiger Nadler und Sandra Dietschi gemeinsam die präsidialen Arbeiten. Sie berichteten: Das IFOK-Symposium «Fort- und Weiterbildung in der Zeitenwende» im November 1996 brachte neuen Kontakt zur Schwesterorganisation SKV (Schweizerische Katecheten-Vereinigung). Daraufhin wurde bei einem Treffen der Vorstände eine weitere Zusammenarbeit vorbereitet. Mit dem VLS-Seminar «Man sieht nur mit dem Herzen gut...» im Mai 1997 ging eine Trilogie mit Ottmar Fuchs zu Ende. Die Vorbereitungen für das Seminar 1998 sind fortgeschritten, die Prospekte erhältlich: «Time Out ­ Kirchliche Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen zwischen Lust und Last» heisst das Thema.
Aus den Wahlen gingen hervor: Als Präsidium Sandra Dietschi (Kontakte nach aussen) und Brigitte Flückiger Nadler (Vereinsinterna), als Kassierin bestätigt wurde Irène Gander-Thür; in die weiteren Vorstandsarbeiten teilen sich die bisherigen Werner Bosshard, Rolf Haag, Regula Schmid, Theres Zumsteg und neu Pia Andres.
Wie verhalten sich die beiden Organisationen VLS und VKB (Verband kirchlicher Berufe) zueinander? Alois Studerus erklärte das Modell einer angestrebten Doppelstruktur: Unter dem gemeinsamen Dach VKB könnten einerseits die gewerkschaftlichen Bedürfnisse regional abgedeckt werden (VKB-Sektionen), andererseits könnte die VLS gesamtschweizerisch die berufsspezifischen, fachlichen Bedürfnisse wahrnehmen. Im Hinblick auf seine Aufgabe als Gesprächspartner für Katechese-Verantwortliche führt der Vorstand bei seinen Mitgliedern eine Vernehmlassung durch. Die Rückmeldungen über Selbstverständnis und Arbeitsfelder der Katecheten und Katechetinnen sollen als Grundlage zur Erarbeitung eines breit abgestützten Positionspapiers dienen. Der Vorstand ist sich aber auch der Grenzen bewusst, die der ehrenamtlichen Arbeit gesetzt sind: Für wirkungsvolle, wegweisende Arbeit im katechetischen Fachbereich müssen weitere Verbündete gefunden werden.

Verändertes Berufsbild

Nach einem festlichen Apéro referierte Helga Kohler-Spiegel unter dem Titel: «Unser Berufsstand im Angesicht der neuen Schule: Chancen ­ Möglichkeiten ­ Perspektiven». Sie zeigte auf, wie sich das Berufsbild des Katecheten und der Katechetin verändert, wie vielfältig und anspruchsvoll die Aufgaben geworden sind. Der Religionsunterricht an der Schule ist nur mehr ein Teil der Arbeit. Immer breiter wird das Aufgabenfeld der Kinder-, Jugendlichen- und Erwachsenenbegleitung. Helga Kohler sieht als ein zentrales Arbeitsfeld die Familienkatechese: Eine Arbeit mit Eltern, die als Erwachsene ernst zu nehmen sind.
Helga Kohler ermutigte die Katecheten/Katechetinnen dazu, den Menschen das anzubieten, was ihnen selbst wichtig geworden ist. An ihnen muss erfahrbar werden, dass Glaube hilfreich ist.
In der anschliessenden Diskussion zeigte sich noch einmal, wie unverzichtbar gegenwärtig ist, dass Katecheten/Katechetinnen in der Schule mitarbeiten, sich auch im Lehrkörper einer Schule integrieren: Entweder sind sie stärker drin oder über kurz oder lang draussen.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1997