INHALT |
Berichte |
Das Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden (CEP) ist aus einer Initiative
des französischen Kanonikus Francis Connan, damals (1959) noch Pfarrer
in St-Severin in Paris, entstanden. Er versuchte, ein Treffen europäischer
Pfarreien zu organisieren. Diese Initiative wurde unterstützt von Kardinal
König in Wien und einem Priester aus Lausanne, François Butty.
Beim ersten Treffen 1961 in Lausanne waren Priester aus sieben Nationen
anwesend, aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich,
der Schweiz und Spanien. Diese stellten fest: «Da unsere menschlichen
wie pfarreilichen Probleme in Europa, das sich allmählich als Gemeinschaft
organisiert, ähnlich sind, wird die Unsinnigkeit eines getrennten und
national isolierten Vorgehens in der Pastoral immer deutlicher.» Sie
beschlossen, sich auf europäischer Ebene alle zwei Jahre zu treffen,
um Erfahrungen und Ideen auszutauschen und so am Aufbau einer europäischen
Völkergemeinschaft mitzuarbeiten.
Seit 1973 kamen auch Laien zum Colloquium, und ihre Teilnehmerzahl ist seitdem
ständig gewachsen. Im Jahre 1991 waren etwa die Hälfte der Teilnehmer
Laien, 1993 bereits fast zwei Drittel.
Das XIX. Colloquium Europäischer Pfarreien fand vom 7.11. Juli
1997 in Udine statt. 250 Personen (Bischöfe, Priester, Diakone, Religiosen,
Frauen und Männer) aus 13 Nationen Europas haben sich während
fünf Tagen mit dem Thema auseinandergesetzt: «Auf dem Weg nach
Emmaus. Wie können wir Begegnung mit Christus fördern?»
Aus der Schweiz nahmen 18 Personen teil, unter anderem Weihbischof Martin
Gächter und Abbé François Butty, Gründungsmitglied.
In Kurzvorträgen und Gruppengesprächen haben die Teilnehmer des
Colloquiums überlegt, was es für die Pfarreien bedeutet, wenn
zunehmend «getaufte Heiden» die Sakramente verlangen. Soll man
diese «Taufscheinchristen» zunächst zu einem Katechumenalen
Weg einladen? Welche Auswirkung hätte eine Verweigerung? Welche Werte
stecken in den sakramentalen Riten? Welches sind die Herausforderungen,
die sich für die Pfarreien daraus ergeben?
In Sprachgruppen und sprachlich gemischten Gruppen wurden Erfahrungen und
Gedanken darüber ausgetauscht. Einheimische Künstler (Claudio
Mario Feruglio und Agostino Morandin) hatten eigens je zwei eindrückliche
Bilder zum Thema Emmaus (Begegnung Dialog Sakrament Gemeinde/Pfarrei)
gemalt. Jeder Tag stand dementsprechend unter einem eigenen Motto, das zur
Meditation anregte und den roten Faden für die Diskussionen bildete.
Ein wichtiger Bestandteil und Schwerpunkt des Colloquiums ist jeweils die
Begegnung mit Pfarreien am Ort. Solche Begegnungen erweisen sich oft als
wertvoller Austausch auf verschiedenen Ebenen der Pfarreiorganisation, der
Seelsorge und der Zusammenarbeit von Priestern und Laien, Hauptamtlichen
und Ehrenamtlichen.
Die Vorträge, wichtige Beiträge und die Ergebnisse des Colloquiums
werden jeweils gesammelt und im folgenden Jahr in einem Buch veröffentlicht.
Am Schluss des Colloquiums werden jedoch bereits die wichtigsten Ergebnisse
von den Experten kurz zusammengefasst: Es wird in den Pfarreien viel getan,
um die christlichen Gemeinschaften zu beleben, auch wenn durch den geringen
Erfolg da und dort Entmutigung aufkommt. Die Zahl der aktiven Mitglieder
unserer Pfarrgemeinden nimmt ab, denn in der neuzeitlichen Kultur schwindet
der christliche Geist, stellt man fest. Angesichts dieser veränderten
Lage lauern die Versuchungen von Müdigkeit, Entmutigung, Idealisierung
der Vergangenheit und Rückgriff auf überholte Frömmigkeits-
und Gebetsformen. Andere reagieren so, dass sie sich auf ihre radikalen
pastoralen Optionen versteifen.
Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des CEP sind keineswegs dem Pessimismus
verfallen. In den Gottesdiensten und Gebetsformen stellt man Fortschritte
fest. Ein neues religiöses Suchen erwacht, das allerdings oft unklar
und der Gefahr des Synkretismus ausgesetzt ist. Das Colloquium legt sein
Augenmerk auf die Personen und unterstreicht die Wichtigkeit der Aufnahmebereitschaft,
der Begegnung, des Dialogs und der Begleitung in der Seelsorge. Die Vorbereitung
auf den Empfang der Sakramente genügt nicht mehr; ein Katechumenaler
Weg, der zur Einheit im Glauben und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes führt
(vgl. Eph 4,13), und eine pädagogische Begleitung sind nötig.
Das verlangt eine zunehmende Mitverantwortung der Pfarrgemeinschaft und
ihrer verschiedenen Charismen und Gruppen. Das allgemeine Priestertum der
Gläubigen muss noch stärker aufgewertet werden in den Formen und
Strukturen der Seelsorgearbeit.
Dieser Erneuerungswille drückt sich sinnbildlich aus in der Feier der
Sakramente. Die sakramentalen Riten und Symbole sind gleichzeitig Antworten
des Menschen auf den Ruf Gottes, Orte der Gnade und Zeiten, in denen die
Freude der versammelten Gemeinde zum Ausdruck kommt. Das Colloquium betont
die Werte der Riten und Zeichenhandlungen und ermutigt zu einer ernsthaften
und gepflegten Vorbereitung der liturgischen Feiern wie auch zu katechumenalen
Wegen, auf denen der Reichtum der Symbolsprache erläutert wird. Natürlich
setzt dies auch ein Umdenken in der Seelsorge-Mentalität voraus. Was
diese Erneuerungsanstrengungen nährt und unterstützt, ist zweifellos
ein gemeinsames und persönliches Lesen und Betrachten der Hl. Schrift.
Domherr Thomas Perler ist Bischofsvikar für die Deutschsprachigen des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg