SKZ 44/1997

INHALT

Amtlicher Teil

Alle Bistümer

Fremde ­ Herausforderung oder Bedrohung?

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn

Menschen aus anderen Ländern, mit anderen Kulturen und Sprachen, teilweise mit anderen Religionen leben heute mitten unter uns. Sie gehören zu unserer Gesellschaft. Wir begegnen ihnen in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz und in der Freizeit. Viele Einheimische, aber auch die Fremden selber, sind verunsichert. Fremdenangst und Vorurteile bestimmen häufig das gegenseitige Verhalten. Einzelne, welche unsere Gesetze nicht achten, verleiten zu Verallgemeinerungen und prägen das Bild des Mitmenschen allgemein. Gegenseitige Ablehnung und Diskriminierung sind in den letzten Jahren deutlicher geworden, zumal die wirtschaftliche Lage Situationen schafft, die eine Form des Konkurrenzdenkens fördert. Deshalb ist es angezeigt, dass wir uns am «Tag der Völker» mit diesem Anliegen befassen: Bedeuten Fremde unter uns eine Herausforderung oder eine Bedrohung?

Die Überwindung der Angst vor dem Fremden als Voraussetzung

Fremdes, das wir nicht kennen, kann unsere Neugier wecken und unsere Erfahrung bereichern. Fremdes kann uns aber auch verunsichern und als Bedrohung erscheinen. Verunsicherung ist ein schlechter Ratgeber. Argwöhnisch gehen wir auf Distanz und reagieren mit Ablehnung. Die Ablehnung führt zu Spannungen, die uns daran hindern, wichtige Aufgaben gemeinsam an die Hand zu nehmen. In der Überwindung von Angst und Ablehnung können wir neue Erfahrungen machen. Jeder bleibt dem anderen fremd, wenn wir den fremden Mitmenschen nicht kennenlernen.
Der Fremde kann uns auch herausfordern, unseren eigenen Standpunkt, unser Verhalten und unsere Beziehungen zu hinterfragen. Wir setzen das Fremde in Bezug zu uns selber und wählen jenes aus, das uns gut scheint. Dies gilt nicht allein für die Einheimischen, sondern auch für jene, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind.

Die Herausforderung annehmen

Fremdes kann bereichernd und anregend sein, wenn wir Angst und Ablehnung überwinden. Das Zugehen auf den Fremden und die Begegnung mit ihm kann den Reichtum der verschiedenen Kulturen, die durch die Einwanderung fremder Menschen heute bei uns gegenwärtig sind, aufzeigen.
Mit der Zuwanderung von Menschen aus fremden Ländern sind auch Angehörige anderer Religionen zu uns gekommen. Waren diese Religionen bei uns eher auf theoretische Weise bekannt, werden die Gläubigen fremder Religionen immer mehr zu einem Teil der Gesellschaft. Sie werden auch in Zukunft zu unserer Gesellschaft gehören. Viele leben ihren Glauben bei uns aus tiefer Überzeugung. Sie suchen jenen Weg, den sie für ihre religiöse Praxis und die eigene Frömmigkeit als den richtigen annehmen. Sie achten die Gläubigen anderer Religionen, sehen in ihnen nicht Gegner der eigenen Religion, sondern Gefährten, die einen anderen, den eigenen Weg zu Gott gewählt haben.
Manche Christen sind verunsichert, weil sie sich in ihrem Glauben herausgefordert fühlen. In einer Zeit, in der in unserer Gesellschaft Religion und Frömmigkeit einen geringen Stellenwert haben, können überzeugte Gläubige anderer Religionen uns Christen Mut machen, im Glauben Kraft für den Alltag zu schöpfen. Ihr Zeugnis fordert uns heraus, unser Leben aus dem Glauben überzeugender zu gestalten.
In der Begegnung der Gläubigen verschiedener Religionen geht es nicht allein um die Toleranz, sondern vielmehr um die gegenseitige Akzeptanz der Gläubigen, auch jener, die ihren Glauben in einer für sie fremden Umwelt leben wollen. Sie können uns Ansporn sein, die Heilsbotschaft Christi vertiefend zu erfassen und durch sie den Weg zum Heil besser zu erkennen.

Der gemeinsame Weg

Das Wissen um das gemeinsame Ziel, das allen Menschen gesetzt ist, das aber auf verschiedenen Wegen zu erreichen gesucht wird, ist Zeichen der Offenheit gegenüber jenen Gläubigen, die Gott in einer anderen Art verehren.
Die Gemeinschaft und das Zusammenleben mit Menschen anderer Herkunft und Religion kann nur gelingen, wenn wir uns nicht nur an diesem Tag Gedanken machen über uns und die neue Gesellschaft, sondern auch im Alltag die Kontakte mit ihnen suchen und Begegnungen annehmen. So wird die Präsenz von Fremden nicht zur Bedrohung, sondern zur Herausforderung, die oft bereichernde Gegenwart von Menschen verschiedener Herkunft anzunehmen.

Die Schweizer Bischöfe


Bistümer der deutschsprachigen Schweiz

Mehr Zusammenarbeit in der kirchlichen Jugendarbeit

An der September-Sitzung der OKJV (Ordinarienkonferenz und Jugendverbände) wurde die neue «Fachstelle für kirchliche Kinder- und Jugendarbeit» (Auf der Mauer 13, Zürich) durch ihre Leiter Marie-Theres Beeler und Roberto Suter vorgestellt. In dieser Dienststelle für Jugendarbeit engagieren sie sich in der Grundlagenarbeit und in der Weiterbildung von Jugendverantwortlichen in den Regionen und Verbänden. Das schliesst unter anderem ein: Kontakte mit allen Jugendseelsorgerstellen, Fortbildung in den Dekanaten, Impulse für Firmung mit 17, Zusammenarbeit mit der Oberstufen-Katechese. Die neue Fachstelle arbeitet zukünftig in der OKJV mit. Zu ihrer offiziellen Eröffnung am 25. November von 17 bis 19 Uhr in Zürich sind alle Interessierten eingeladen.
Mitgeteilt wurde, dass das zukünftige Erscheinen der Jugendzeitschrift «Lenz» (früher: «läbig») ungewiss ist. Im Jahre 1998 wird ein Projekt für eine neue Jugendzeitschrift erarbeitet, die 1999 erscheinen könnte. Als neue Trägerschaft stehen dahinter: Jungwacht, Blauring, Katholische Pfadfinder/-innen und Jugendseelsorger/-innen.
Schweizer Stellen für Jugendverbände und Jugendarbeit leiden unter den knapper werdenden Finanzen. Daher arbeitet die OKJV Unterlagen für ein Kirchenopfer zugunsten der katholischen Jugendarbeit aus, bei dem die Pfarreien auch über die Bemühungen und verschiedenen Gruppen der kirchlichen Jugendarbeit informiert werden sollen.
Bisher haben sich die kirchlichen Jugend-Vertreter und -Verbände der deutschen, französischen und italienischen Schweiz in unserem Lande nie getroffen. Zu solchen gesamtschweizerischen Treffen kam es nur bei den Weltjugendtreffen, zum Beispiel in Denver und Manila. Beim kürzlichen Weltjugendtreffen in Paris entstand die Idee, die Jugendlichen aller Schweizer Landesteile und Sprachen zu einem gemeinsamen Treffen am 12./13. September 1998 auf dem Monte Tamaro (Tessin) einzuladen, wo Mario Botta eine moderne Bergkapelle erbaut hat. Dazu werden die Jugendlichen ab 16 Jahren eingeladen.

Weihbischof Martin Gächter


Bistum Basel

Wahlen und Ernennungen

Roland Häfliger, bisher Vikar in der Pfarrei St. Maria, Luzern, auf den 19. Oktober 1997 zum Pfarrer der Pfarrei Menziken (AG) im Seelsorgeverband Menziken-Unterkulm-Pfeffikon.
Karl Mattmüller-Bucher, bisher Sozialarbeiter in der Pfarrei Willisau (LU), auf den 26. Oktober 1997 zum Gemeindeleiter der Pfarrei Zollikofen (BE).

Akolythat und Lektorat

Im Auftrag des Diözesanbischofs von Basel, Mgr. Kurt Koch, erteilte Weihbischof Mgr. Martin Gächter am 18. Oktober 1997 in der Vorbourg-Kapelle in Delsberg das Akolythat und Lektorat an die Studenten der Diözese Basel:
Marcel Hofer, von Biel,
Christophe Wermeille, von Saignelégier,
Patrick Werth, von Delsberg.

Bischöfliche Kanzlei

Priesterrat und Rat der Diakone und Laientheologen/-innen im Bistum Basel

Die Räte der hauptamtlichen Seelsorger und Seelsorgerinnen treffen sich am 4./5. November 1997 im Centre St-François, Delémont, zu ihrer Herbsttagung. Das Haupttraktandum ist die Themenwahl für die Dekanatsfortbildungskurse 1999. Die Diözesane Fortbildungskommission schlägt folgende Themen vor:
1. Apokalyptik ­ Apokalypse.
2. «Und sie schufen Gott nach ihrem Bild?»
3. Unternehmerisches Denken und Handeln in der Pfarrei.
Nähere Informationen über diese Themen können im Pastoralamt angefordert werden.
Als zweites Schwerpunktthema wird an der Frage «Zusammenarbeit Ordinierte ­ Nichtordinierte» weitergearbeitet.
Anregungen zu dieser Sitzung sind zu richten an die Mitglieder der Räte oder an das Pastoralamt des Bistums Basel.

Rudolf Schmid, Generalvikar

Seelsorgerat des Bistums Basel

Der Diözesane Seelsorgerat trifft sich am 14./15. November 1997 zu seiner letzten Sitzung der laufenden Amtsperiode im Centre St-François in Delémont.
Schwerpunktthemen sind:
1. Fidei-Donum-Retour: Information durch P. Freddy Valdivia aus Peru, der in Basel tätig ist.
2. Integration ausländischer Christen: Die von einer Arbeitsgruppe erarbeitete Unterlage «Beheimatung ausländischer Mitchristen in unserer Pfarrgemeinschaft» soll verabschiedet werden.
Im weitern hält der Rat Rückblick auf die zu Ende gehende Amtsperiode und macht sich Gedanken über die zukünftige Ratsarbeit.
Anfragen und Anregungen sind zu richten an die Mitglieder des Seelsorgerates oder an das Pastoralamt des Bistums Basel.

Elsbeth Frei, Präsidentin

Liturgie im ökumenischen Dialog

Studientagung der Basler Liturgischen Kommission BLK vom 24.­26. November 1997

Die BLK führt vom 24.­26. November 1997 im Haus der Begegnung, Bethanien, St. Niklausen ­ Kerns, seine jährliche Studientagung mit der Thematik «Liturgie im ökumenischen Dialog» durch. Die Tagung soll unter anderem eine vertieftere Kenntnis des reformierten Gottesdienstes, der Geschichte und der Liturgik vermitteln. Im weitern soll die Studientagung helfen, mögliche und tatsächliche Gemeinsamkeiten zwischen den Konfessionen zu erkennen und Hindernisse für die Gestaltung ökumenischer Gottesdienste zu benennen und zu bearbeiten.
An der Tagung wirken mit: Joseph Studhalter, Greppen (Präsident BLK); Hans-Rudolf Häusermann (Leiter Pastoralamt); Ludwig Hesse, Frenkendorf (Moderator); Pfarrer Alfred Ehrensperger, evangelisch-reformierter Liturgiker, Winterthur; Generalvikar Rudolf Schmid (Fachberater); Hansruedi von Arx, Olten (Kirchenmusiker), und Matthias Drögsler, Holziken (Sekretär).
Das ausführliche Programm kann beim Pastoralamt des Bistums Basel bezogen werden. Neben den BLK-Mitgliedern sind alle an der Thematik Interessierten zu dieser Tagung eingeladen. Auch reformierte Christen, die Gottesdienste gestalten, sind willkommen.
Anmeldung bis spätestens 8. November 1997 an das Pastoralamt des Bistums Basel, Postfach, 4501 Solothurn, Telefon 032-6227825.

Joseph Studhalter, Präsident BLK


Bistum St. Gallen

Im Herrn verschieden
Spiritual Josef Bischof, Tübach

Mit 81 Jahren hatte sich Pfarrer Josef Bischof von der Mauritius-Pfarrei Bichwil verabschiedet, um fortan als Spiritual im Kapuzinerinnenkloster St. Scholastika in Tübach zu wirken. Gut drei Jahre hat er dieses Amt noch ausüben können, bevor er am 17. Oktober 1997 nach kurzer Krankheit im Kantonsspital St. Gallen gestorben ist. Beerdigt wurde er am 21. Oktober in Bichwil.
Der 1912 in Wil geborene Josef Bischof hatte nach dem Besuch des Kollegiums «Maria Hilf» in Schwyz in Freiburg Theologie studiert. Die Priesterweihe empfing er im Jahre 1940 gemeinsam mit 14 Kollegen in der Kathedrale von St. Gallen. Anschliessend war er Kaplan in Montlingen, Mosnang, Gommiswald und Rüti. An seinem 58. Geburtstag, am 25. Oktober 1970, wurde er als Pfarrer von Bichwil installiert. Während seiner Amtszeit war das ehemalige katholische Schulhaus in ein Pfarreiheim umgewandelt, war die Pfarrkirche innen und aussen renoviert worden, fand eine Glockenweihe statt, wurde das Sternsingen wiederbelebt und der Suppentag mit ökumenischem Gottesdienst zu einem festen Bestandteil im Pfarreileben. Als Pfarrer Josef Bischof, der alle seine vielfältigen Dienste in der Pfarrei, in den Vereinen, bei den Betagten und Kranken, mit grosser Hingabe versehen hatte, von dort Abschied nahm, konnte er sagen: «Bichwil reut micht, Tübach freut mich.»


Bistum Sitten

Allerheiligen ­ Opfer für die Belange des Bistums

Am kommenden Samstag, den 1. November 1997, wird im Bistum Sitten in allen Pfarreien das jährliche Opfer für die Belange des Bistums aufgenommen. Im letzten Jahr haben viele Gläubige grosszügig auf den Aufruf des Bischofs und der Bistumsleitung geantwortet. Wenn sich die finanzielle Situation dadurch vorübergehend beruhigt hat, so ist trotzdem für die Seelsorgearbeit jedes Jahr diese Mithilfe aller Gläubigen absolut notwendig. Das Bistumsopfer an Allerheiligen ist zusammen mit den Gaben und Spenden die wichtigste Einnahmequelle für das Bistum.
In der vergangenen Woche hat Bischof Norbert Brunner einen Aufruf an alle Gläubigen gerichtet, ihren Beitrag an die Finanzen des Bistums beizusteuern. Heute ­ wenige Tage vor Allerheiligen ­ soll nochmals daran erinnert werden. Zugleich sind alle Priester und kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeladen, in ihren Pfarreien die Gläubigen auf das Opfer und die Faltblätter hinzuweisen.
Die Seelsorge muss dem Wandel der Zeit Rechnung tragen. Wie sich das gesellschaftliche Leben allgemein verändert, ist das religiöse Leben im besonderen einem Wandel unterworfen. Die Seelsorge darf deshalb nicht stehen bleiben, sondern muss sich den neuen Anforderungen stellen. Eine ständige Herausforderung für die Seelsorge und die Glaubensverkündigung sind die Familienseelsorge, der Religionsunterricht, die Pfarrei-Katechese, die Sorge um geistliche Berufe sowie die Reorganisation der regionalen Seelsorge.
Die Bistumsleitung kann diese Ziele und Aufgaben aber nur dann verwirklichen, wenn dafür die finanziellen Mittel vorhanden sind. Was nützen Vorstellungen und Ideen, wenn sie aus finanziellen Gründen nicht verwirklicht werden können? Nur wenn alle Gläubigen dafür einstehen, kann sich die Seelsorge die Mittel geben, die sie braucht, in einer Zeit, die im Wandel ist. Mit Ihrer Spende an Allerheiligen für die Belange des Bistums setzen Sie ein sichtbares Zeichen.

Herzlichen Dank.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1997