SKZ 43/1997

INHALT

Amtlicher Teil

Bistum Basel

Priesterweihe

Am 10. Oktober 1997 hat Mgr. DDr. Karl Lehmann, Bischof von Mainz (D), im Auftrag des Bischofs von Basel, Dr. Kurt Koch, Ruedi Heim, von Gachnang, in der Kirche Sant'Ignazio in Rom zum Priester geweiht.

Bischöfliche Kanzlei


Bistum Sitten

Das Opfer für die Bedürfnisse des Bistums am 1. November 1997

Aufruf des Bischofs

Viele Menschen setzen sich aus innerer Berufung dafür ein, Christus und seine Frohe Botschaft zu verkünden. Viele tun es unentgeltlich ­ neben ihrem Leben in Beruf, Familie und Dorf. Andere haben ihr ganzes Leben diesem Dienst geweiht. Ihre Berufung stellt sie ganz und uneingeschränkt in die kirchliche Arbeit. Es ist an uns ­ der Diözesangemeinschaft ­, ihnen die notwendigen materiellen Mittel bereitzustellen.

Jesus Christus, das menschliche Antlitz Gottes

So haben wir unser Beten, Feiern und Erleben in der Gemeinschaft unserer Bistumskirche für das Christus-Jahr 1997/1998 überschrieben. Es soll ein Jahr der Freude, des Bittens und Dankens werden. Unser Bemühen wird sich darauf ausrichten müssen, Christus in allem in die Mitte unseres Lebens als einzelner, in der Familie, in der Pfarrei und in der Dorfgemeinschaft zu stellen. Er hat uns Gott, die unendliche Liebe, Güte und Barmherzigkeit gezeigt. In dem Masse, wie wir Christus als das menschliche Antlitz Gottes erkennen und ankünden, in dem Masse wird unser persönliches Leben, wird unsere Welt die Züge des göttlichen Antlitzes tragen.
Eine solche christliche Gemeinschaft kann nur dann wirklich Gemeinschaft sein, wenn die Gläubigen zusammenstehen und sich gegenseitig helfen.
Darum rufen wir Euch auch in diesem Jahr wieder auf, Euren Beitrag an die Finanzen des Bistums beizusteuern. Ihr habt es im letzten Jahr in so grosszügiger Weise getan. Wir hoffen, dass Euer Eifer auch dieses Jahr nicht erlahmen wird.
Gott segne und behüte Euch. Er schenke Euch in Fülle seine Gnaden. Er lasse Euch seine Hilfe erfahren, damit Ihr in Gemeinschaft der Kirche, unter der Führung Christi, des menschlichen Antlitzes Gottes, den Weg der Hoffnung gehen könnt.

Sitten, Oktober 1997

+ Norbert Brunner
Bischof von Sitten


Verstorbene

Dr. theol. P. Vinzenz Stebler OSB, Mariastein

Mit P. Vinzenz, der am 15. Juni 1997 gestorben ist, verliert das Kloster Mariastein eine markante Persönlichkeit, die weit über die Region hinaus gewirkt hat.
Geboren wurde er am 18. Dezember 1917 in Nunningen. Seine Eltern waren Robert Stebler, Spengler und Blechwarenfabrikant, und Berta, geborene Hänggi. Ernst ­ dies war sein Taufname ­ wuchs im Kreis einer grossen Familie auf. Die Primarschule besuchte er in seiner Heimatgemeinde Nunningen. Der damalige Vikar Arnold Egli von Oberkirch begeisterte den Jungen für die Liturgie und das Kirchenjahr. Darum kam er 1931 an die Stiftsschule Einsiedeln. Diese Schule und sein Kloster haben ihn massgeblich geprägt.
Nach Erwerb des Maturitätszeugnisses wurde er im Januar 1938 im St.-Gallus-Stift in Bregenz, dem damaligen Sitz der Mariasteiner Mönche, als Novize eingekleidet. Als er am 15. Januar 1939 seine ersten Gelübde ablegte, war Österreich bereits im grossdeutschen Hitlerreich aufgegangen. Darum schickte Abt Basilius Niederberger den begabten jungen Mönch, der nun Fr. Vinzenz hiess, noch rechtzeitig über die Schweizer Grenze zum Theologiestudium nach Freiburg. Am 2. Januar 1941 wurde das St.-Gallus-Stift von den nationalsozialistischen Machthabern aufgehoben, und die vertriebenen Schweizer Benediktiner durften sich asylrechtlich in Mariastein niederlassen. Darum konnte Fr. Vinzenz die feierlichen Gelübde am 3. Mai 1942 in der alten Klosterheimat Mariastein ablegen. Auch die Priesterweihe empfing er hier am 19. September 1942. Das Theologiestudium vollendete er 1945 bei Prof. Othmar Perler mit der Dissertation «Der benediktinische Weg zur Beschauung». Der Titel lässt etwas durchschimmern von der geistig-spirituellen Haltung und dem monastischen Idealismus des jungen Priestermönches.
Im Herbst 1945 eröffnete Abt Basilius in Mariastein für die ersten Neueintritte eine theologische Hausschule. P. Vinzenz wurde zum Professor ernannt und betreute vor allem die Bibelfächer. Eine ganze Generation von Mariasteiner Mönchen ist durch seine Schule gegangen. Daneben betätigte er sich als Choralmagister und betreute die Oblaten von 1945­1982. Als junger Mönch konnte er nicht zuletzt junge Menschen für das benediktinische Ideal als Weltoblaten begeistern. 1954 übertrug ihm der Abt zusätzlich die Redaktion der Mariasteiner Hauszeitschrift. Er gab den bisherigen «Glocken von Mariastein» ein neues Gepräge, das auch in der Titeländerung zum Ausdruck kam. Sie hiess nun einfach «Mariastein». Für ganze 23 Jahrgänge zeichnete er als Redaktor und schrieb unzählige Artikel für seine Zeitschrift. P. Vinzenz hatte eine literarische und poetische Ader. Einige seiner späteren Dichtungen fanden als Lieder Eingang in unser Kirchengesangbuch, zum Beispiel «Mein treuer Hirte ist der Herr», eine Umdichtung des Psalmes 23, und als Hymnen ins deutsche Stundenbuch. Er konnte leicht formulieren, wenn er einmal wusste, was er schreiben wollte. Das gleiche gilt für seine unzähligen Predigten und Vorträge in Mariastein und anderswo. Denn P. Vinzenz war ein gern gehörter Prediger und wurde immer wieder zu Vorträgen eingeladen.
Als Kenner der Liturgie war er viele Jahre Mitglied der Liturgischen Kommission. Nach dem Konzil wurde er zur Übersetzung des Römischen Messbuches beigezogen. Hier kam ihm sein sicheres Sprachgefühl sehr zugute. Auch war er Mitarbeiter in einer Untergruppe für das geplante «Messbuch 2000».
Nachdem er von der zeitaufwendigen Arbeit als Lehrer der theologischen Hausschule frei war, sie wurde 1969 infolge Nachwuchsmangels aufgegeben, konzentrierte sich P. Vinzenz auf eine neue Arbeit: Er wurde ein gefragter Exerzitienmeister in den Frauen- und Männerklöstern des ganzen deutschen Sprachgebietes. Bei dieser Gelegenheit lernte er beinahe alle Frauenklöster Deutschlands, Österreichs und der Schweiz kennen. Und Reisen war für P. Vinzenz, der sonst die Stille seiner klösterlichen Zelle sehr schätzte, bis zuletzt ein Lebenselement.
Schon vor dem Konzil hatte sich P. Vinzenz in der Ökumene engagiert, insbesondere in einem Basler Kreis. Als kontaktfreudiger Mensch ­ er war jahrelang auch Gästepater des Klosters ­ fand er leicht Zugang zu den Mitmenschen anderer Konfessionen. In diese seine ökumenische Perspektive hinein gehört auch sein Einsatz für die geplante ökumenische Begegnungsstätte im alten Klösterchen zu Beinwil, das ihm schon von seiner Jugendzeit an lieb war. Die Idee dazu kam allerdings nicht von ihm, aber er griff sie auf, weil er damit auch ein persönliches Anliegen verwirklichen konnte. Verzögert durch den Klosterbrand von 1978, wagte er dann 1982 den Schritt ins kaum fertig wieder aufgebaute Beinwil. Infolge persönlicher Schwierigkeiten kehrte er 1985 wieder nach Mariastein zurück. Aber das Projekt Beinwil blieb ihm weiterhin ein grosses Anliegen.
P. Vinzenz war zeit seines Mönchslebens von grossem Idealismus erfüllt, der ihn vielleicht manchmal die Grenzen der Wirklichkeit vergessen liess. Aber gerade das Hineinschauen in so viele andere klösterliche Gemeinschaften mit ihren Problemen half ihm, den Boden der Realität immer wieder zu finden. Seine Spiritualität war geprägt von der Liturgie der Kirche, vom benediktinischen Geiste und vor allem von einer tiefen meditativen Gebetshaltung. Das alles versuchte er als Seelsorger und Berater auch anderen weiter zu geben in Gesprächen, Vorträgen, Predigten und seinen vielen Zeitschriften-Artikeln. Dazu kommen einige Buchveröffentlichungen; genannt seien hier nur die beiden Bändchen, womit er das Stundengebet der Kirche in vereinfachter Form auch unter das Volk bringen wollte.
P. Vinzenz hat seine ihm von Gott vielseitig geschenkten Talente gebraucht und sie eingesetzt zum Aufbau des Reiches Gottes in der Kirche. Gott sei ihm nun der ewige Lohn. Am 19. Juni wurde er in der Klostergruft bestattet.

Abt Lukas Schenker


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1997