Kirchenzeitung
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Für eine missionarische Jugendpastoral   

Papst Franziskus zitiert in Evangelii Gaudium Johannes Paul II.: «Die Missionstätigkeit stellt auch heute noch die grösste Herausforderung für die Kirche dar», und so «muss das missionarische Anliegen das erste sein». Darauf stellt Franziskus die Frage: «Was würde geschehen, wenn wir diese Worte wirklich ernst nehmen würden? Wir würden einfach erkennen, dass das missionarische Handeln das Paradigma für alles Wirken der Kirche ist.» (EG 15)1

Das Gebot der Stunde lautet darum, «dafür zu sorgen, dass die Strukturen der Kirche alle missionarischer werden2, dass die gewöhnliche Seelsorge in all ihren Bereichen expansiver und offener ist, dass die in der Seelsorge Tätigen in eine ständige Haltung des Aufbruchs versetzt und so die positive Antwort all derer begünstigt, denen Jesus seine Freundschaft anbietet ». (EG 27) Das gilt auch für die kirchliche Jugendarbeit. «Mission» bedeutet in ihrem Kontext, die Freundschaft Jesu zu den Jugendlichen zu bringen. Der Konsens darüber, wie dies geschehen soll, ist unter den Akteuren in der Jugendpastoral nicht mehr so eindeutig wie die Worte des Papstes.

Ein Blick über den Tellerrand hinaus

Am 12. Mai 2017 wurde über den Antrittsbesuch des neuen deutschen Jugendbischofs Stephan Oster an der Hauptversammlung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) berichtet. Durchaus innerhalb einer «Hermeneutik des Wohlwollens» kritisierte Bischof Oster eine «Lightversion des Evangeliums», die in den bundesdeutschen Jugendverbänden vertreten werde. «Viel zu wenig sprechen die Verbände vom Proprium der Kirche: Jesus Christus.»3 Die Kritik wird vom BDKJ zurückgewiesen. Eine Verständigung darüber erscheint ungewiss. Auch bei uns führen wir solche Diskussionen. Wie kommen wir hier weiter? Es bleibt zu hoffen, dass die Prozesse, die durch die Bischofssynode 2018 über die Jugend ausgelöst werden, uns weiterhelfen.

Firmand und Firmandin – typische Jugendliche

Aus meiner Erfahrung fehlt den Firmanden weitgehend das Bewusstsein, von Gott einen Auftrag (eine Berufung) zu empfangen. Im Vordergrund steht der Wunsch, einmal im Leben mit der eigenen Wahl, die nicht direkt mit Gott in Verbindung gebracht wird, glücklich zu werden. Die Fragen «Was will Gott von mir?» oder «Was will Gott aus mir machen?» stellen die wenigsten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ich erinnere an das Gebet des hl. Franziskus um Erleuchtung: «Höchster, glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens und schenke mir rechten Glauben, gefestigte Hoffnung und vollendete Liebe. Gib mir, Herr, das (rechte) Empfinden und Erkennen, damit ich deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle. (Amen.) Eine solche Bitte liegt nicht mehr im Tagesbewusstsein der Jugendlichen, die ich firme. Dem Papst geht es aber gerade darum: um eine berufungsorientierte Jugendpastoral und die mit ihr verbundenen Schritte der Begleitung und Unterscheidung.

Echte Zeugen überzeugen

Der Jugendliche hört nur dem zu, der etwas zu sagen hat. Er spürt sehr genau, ob hinter den Worten echte Christusliebe, Gotteserfahrung und tiefe Überzeugungen stehen. In diesem Sinn geben wir in der Jugendpastoral die eigene Gottesbeziehung weiter, nicht mehr und nicht weniger. Der hl. Patrick schreibt am Ende seines missionarischen Lebens in seiner Confessio (Nr. 3): «Darum kann ich nicht schweigen, noch hätte mein Schweigen irgendeinen Sinn, über die Wohltaten und die Gnade, die Gott mir im Land meiner Gefangenschaft zuteilwerden liess. Diese Schrift ist daher Ausdruck meiner Dankbarkeit dafür, dass Gott mich auf die rechte Bahn gewiesen und sich mir offenbart hat, so dass ich es nun vermag, ihn vor aller Welt zu preisen und seine Wunder zu rühmen.»

Die Zentralität Christi und der hl. Eucharistie

Ich habe den Eindruck, dass wir in der Verkündigung mit dem Gott-Sein und der Singularität Jesu nicht wirklich Ernst machen. Wenn Jesus dem Jugendlichen nur als menschliches Vorbild und Wertespender vorgestellt wird, nicht aber als Gott und Erlöser, zu dem er beten kann, bedeuten ihm Kirche und Sakramente wenig oder gar nichts. Er sieht Jesus nicht in der Kirche, die sein Leib ist (vgl. Kol 1,18). Eine aktive Teilnahme am kirchlichen Leben kommt für ihn deshalb kaum in Frage. Was bleibt, sind situative, kirchlich angehauchte Community-Erfahrungen, die nicht das Potenzial haben, zum tragenden Fundament der eigenen Christus- bzw. Gottesbeziehung zu werden. Die Erfahrung zeigt leider, dass die Firmung für die meisten Jugendlichen der Abschluss der eigenen Partizipation am sakramentalen Leben ist. Es gibt immer Ausnahmen, aber mehrheitlich stimmt hierzulande diese Beobachtung. Nach der aktiven Zeit in den kirchlichen Jugendverbänden sieht es nicht besser aus. Auch wenn die vielen Ministranten ihren Dienst sehr gerne tun: Nachher kehren sie sonntags kaum mehr zur hl. Messe zurück. Die jüngeren Generationen brechen der Kirche weg und erscheinen wie ihre Eltern in der Kirche nur mehr sporadisch oder gar nicht. Die Gründe für ein so breites Phänomen sind unterschiedlich, aber sie liegen meiner Meinung nach nicht zuerst in den Jugendlichen selbst, sondern in Defiziten der Verkündigung und Glaubensweitergabe. Der Abstand zum sakramentalen Leben und die Distanz zur Kirche entsprechen sich. Aber auch das Gegenteil ist zu beobachten. Je mehr junge Menschen die Sakramente, vor allem Eucharistie und Beichte, wiederentdecken, umso lebendiger sind sie auch wieder Kirche und bauen sie auf (vgl. 1 Kor 10,16f; Lumen Gentium 7). Ohne Eucharistie gibt es keine Kirche und umgekehrt. Über diesen Zusammenhang muss nachgedacht werden. Diakonie allein macht noch keine Kirche.

Vorbilder des Glaubens

Jugendliche brauchen Vorbilder. Nicht Strukturen, uns selbst müssen wir ändern! Die Heiligen zeigen uns, wie es geht. Ich erinnere an den hl. Paulus: «Was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi Willen als Verlust erkannt. Ja noch mehr: Ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein. Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen.» (Phil 3,7-9a.10) Diese Worte des Apostels offenbaren, worin die missionarische Kraft der Verkündigung ursächlich begründet liegt. Menschen wie ihm hören Jugendliche gerne zu. Sie glauben ihnen und machen sich auf deren Wort hin selbst auf den Weg der Gottsuche und der Christusnachfolge. Daraus folgt, dass Kirche sich nicht «veranstalten» und «organisieren» lässt. Ihre Lebendigkeit zeigt sich nicht in Strukturdebatten. Marketingkampagnen können eine glühende Christusbeziehung nicht ersetzen, um junge Menschen zu motivieren, in den Dienst der Kirche zu treten. Voraussetzung dafür bleibt eine in Christus «verliebte» Kirche, die vorausgeht und Christus als die kostbare Perle par excellence verkündet und thematisiert. Sie ist von ihrem Wesen her missionarisch, überzeugend und begeisternd. Sie hat Ausstrahlung und Zukunft. Viele junge Menschen spüren und wollen das! Auch in unserem Land!

Wir sind von Papst Franziskus zu einer entsprechenden Umkehr und missionarischen Anstrengung aufgerufen. 

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