Das Sakrament der Ehe

Brautpaar in der Kirche  | © Oliver Sittel

Das Sakrament der Ehe

«Sie ist eine anspruchsvolle Reise, manchmal schwierig, auch konfliktvoll, aber so ist das Leben.»

Papst Franziskus über die Ehe

Das Sakrament der Ehe spenden sich die Eheleute gegenseitig. Sie sind gleichzeitig Spender und Empfänger des Sakraments. Das tun sie vor der Gemeinde und einem von der Kirche beauftragten Seelsorger. Das Versprechen zum «Bund der Liebe» im Gottesdienst steht auch zeichenhaft für die Verbundenheit und Treue Gottes zu den Menschen.

Ein Sakrament im Wandel
Mit Sneakers an die Hochzeit | © NGDPhotoworks/NGDPhotoworks, Pixabay

«Niemand würde in einen Zug steigen, wenn laut Statistik 30, 40, 50 Prozent dieses Modells aus der Kurve fliegen. Bei der Ehe ist das anders.» (Christiane Florin*)

Die grossen gesellschaftlichen Umbrüche seit den 1960er-Jahren haben die klassischen Familien- und Rollenbilder stark aufgebrochen. Das betrifft ganz deutlich auch Formen des Zusammenlebens in Ehe und Familie. Emanzipation, sexuelle Revolution und das Teilen von Lebensabschnitten mit verschiedenen Partnerinnen und Partnern sind nicht mehr die Ausnahme.

Das klassische Ehe- und Familienbild der römisch-katholischen Kirche steht dazu in einem krassen Widerspruch. Dem sind sich die Kirchenvertreter bewusst. Die Bischofssynoden von 2014 und 2015 über Ehe und Familie im Vatikan haben aber auch gezeigt, wie weit die Haltungen der Entscheidungsträger in der Kirche – mehrheitlich ältere, ehelos lebende Männer – dabei auseinander gehen.

In der westlichen Welt werden die Voraussetzungen des katholischen Eheverständnisses wie Keuschheit vor der Ehe, Wille zur Familiengründung und Erziehung der Kinder im christlichen Glauben oder Unauflöslichkeit der sakramental geschlossenen Ehe nur mehr von einer Minderheit voll und ganz bejaht. Kirchliche Trauungen – insbesondere von Paaren, die beide katholischen Glaubens sind – haben in den letzten Jahren zwar rapide abgenommen. Die Mehrheit der künftigen Ehepaare belässt es bei der zivilrechtlichen Trauung, die bei gegenseitigem Einvernehmen auch unkompliziert geschieden werden kann.

Für die Kirchen stehen die Paare im Zentrum, die sich von sich aus für eine kirchliche Hochzeit entscheiden. Manchen von ihnen haben vielleicht schon lange keinen Kontakt mehr mit der Kirche gehabt. Und da kann ein mehrseitiges Ehevorbereitungsprotokoll, wie es in der Ortspfarrei auszufüllen ist, nachdenklich stimmen. Für andere ist die Feier im Rahmen eines Gottesdienstes in «ihrer» Kirche ganz zentral. Hier, wo sie mit ihrem Glauben zuhause sind, wollen sie auch Ja sagen zu ihrer Partnerin, zu ihrem Partner.

Die Seelsorge steht vor der Herausforderung, Paare mit diesen ganz unterschiedlichen Bezügen zu Kirche und Glaube auf dem Weg zur Ehe als Sakrament zu begleiten. Eine solche Begegnung kann dazu beitragen, ob und in welcher Form die Kirche als gesellschaftlich kompetenter Akteur wahrgenommen wird.

Seelsorgerinnen und Seelsorger in Pfarreien und regionalen Fachstellen leisten hier grosse Arbeit. Sie sprechen Menschen an einem für sie bedeutenden Punkt im Leben an und konfrontieren sie mit ihrem Glauben. Als Orientierungsrahmen dient ein in die Jahre gekommenes Eheverständnis der katholischen Kirche. Dieser Rahmen aber kann sehr vielfältig gestaltet werden. Und das schätzen Paare, die sich in die – pardon – in der Kirche trauen.

Martin Spilker

* Christiane Florin: “Die Ehe. Ein riskantes Sakrament”, Kösel-Verlag 2016

Beiträge auf kath.ch

gratis unbeschränkt verwendbar Ein Priester segnet ein Brautpaar. | © Oliver Sittel

Was geschieht, wenn der Staat nicht mehr kontrolliert, wer eine Ehe eingeht? Was bedeutet die Aufhebung der obligatorischen Zivilehe für mögliche Opfer von Zwangsheiraten?

Zivile Trauung vor kirchlicher Trauung – ist das wirklich ein alter Zopf?


VorstelluVorstellung des Dokuments Amoris laetitia in Rom: Medienkonferenz | © 2016 screenshot radio vaticanng des Dokuments Amoris laetitia in Rom: Medienkonferenz | © 2016 screenshot radio vatican Vorstellung von “Amoris Laetitia” in Rom. | © Screenshot Radio Vatican

Als Nagelprobe für die Reformen von Papst Franziskus wurde sein langerwartetes Schreiben zu Ehe und Familie bezeichnet. Doch was herauskam, ist kein Reformpapier, sondern ein tiefgründiges Plädoyer für Barmherzigkeit.

Barmherzigkeit über alles – Papst Franziskus erweist sich als radikaler Seelsorger


Papst Franziskus auf dem Weg zur Synodenaula. | © Oliver Sittel

2014 und 2015 hat Papst Franziskus Bischöfe aus der ganzen Welt sowie Fachleute zu Familiensynoden in den Vatikan eingeladen. kath.ch hat dazu ein umfangreiches Dossier erstellt.

kath.ch-Dossier zur Familiensynode im Vatikan 2015


Verschiedensprachige Ausgaben von “Amoris laetitia”. | © KNA

Im April 2016 hat Papst Franziskus als Ergebnis und Zusammenfassung der Familiensynoden das Schreiben “Amoris Laetitia – Über die Liebe in der Familie” veröffentlicht.

Das apostolische Schreiben «Amoris laetitia» (Die Freude der Liebe) von Papst Franziskus aus dem Jahr 2016.