Bei den mit Spannung erwarteten Zwischenwahlen in den USA fällten die Wähler ihr Urteil über die Politik von Donald Trump. Es wurde eine schallende Ohrfeige für den US-Präsidenten und seine Partei.
Tobias Käufer
(KNA) Aus Rot wurde Blau: Die «magischen Wand» des TV-Senders CNN machte die historische Bedeutung dieser Wahlnacht auf Knopfdruck deutlich. Wo vor zwei Jahren noch das Rot der Republikaner die politische Landschaft der USA prägte und Donald Trump zu einer zweiten Präsidentschaft ins Weisse Haus führte, leuchten nun viele blaue Flächen auf. Sichtbares Zeichen für eine tektonische Machtverschiebung hin zu den Demokraten.
Deutlich früher als erwartet steht fest: Die «Blauen» dominieren künftig das Repräsentantenhaus und den Senat. Für US-Präsident Trump wird das Regieren also schwieriger.
Angesichts der Deutlichkeit der Niederlage versuchte Trump am Wahlabend erst gar nicht, die Resultate in Zweifel zu ziehen: «Ich bin absolut bereit, diese Ergebnisse zu akzeptieren», sagte er der «New York Times». Er selbst hatte die Halbzeitwahlen zu einer Abstimmung über seine Politik und seine Person erklärt: «Tut einfach so, als stünde ich auf dem Wahlzettel.»
Dann aber brach sich Wechselstimmung Bahn, die selbst die optimistischen Umfragen für die Demokraten so nicht vorhergesagt hatten. In Texas schrieben gleich zwei Demokraten Geschichte. Gina Hinojosa besiegte den republikanischen Gouverneur Greg Abbott und wird damit zur ersten Latina, die den konservativen Bundesstaat regiert.
Minuten zuvor feierte ihre Partei den Sieg von James Talarico im Kampf um den texanischen Senatsposten gegen den Republikaner Ken Paxton. Der Wahlkampf ging als teuerster eines Bundesstaates in die Geschichte ein, denn Tech-Milliardär Elon Musk hatte die republikanische Kampagne mit Hunderten Millionen Dollar unterstützt.
Es war nicht der einzige politische Erdrutsch des Abends. Für Aufsehen sorgte auch das «Wunder von Kansas». Im republikanisch geprägten Flyover State« hatte kein Demokrat seit 1932 einen Senatssitz gewonnen. Nun beendete Adam Hamilton diese Durststrecke.
»Ich kandidiere, weil ich der Meinung bin, dass unsere Verfassung derzeit unter Beschuss steht«, hatte der Gründer und Pastor der methodistischen Church of the Resurrection seine Kandidatur begründet.
Im Wahlkampf griff er das dominierende Thema auf: die hohen Spritpreise und Lebenshaltungskosten. Der von Trump angezettelte Iran-Krieg sei daran schuld, warf Hamilton dem US-Präsidenten vor.
Vor allem in landwirtschaftlich geprägten Gegenden wie Kansas waren die gestiegenen Diesel- und Düngemittelpreise ein großes Ärgernis für viele Bürger.
In mehreren Bundesstaaten setzte sich die »blaue Welle« durch und brachte neue Politiker-Persönlichkeiten hervor, die in den nächsten Jahren prägend sein könnten. Dazu zählt Keisha Lance Bottoms, die als erste afroamerikanische Gouverneurin in den USA künftig in Georgia regieren wird. In South Carolina gewann mit Annie Andrews ebenfalls eine Demokratin überraschend deutlich.
Das Medienecho in der Wahlnacht fielt entsprechend aus: »Die Wähler bestrafen Trump mit einem dramatischen Umschwung zugunsten der Demokraten«, kommentierte die »Washington Post«. Die »New York Times« schrieb: »Überraschende Wahlsiege im ganzen Land als landesweite Absage an Trump«. Und das Portal Politico titelte: »Die Wähler verdrängen die Republikaner aus der Macht.«
Dieser Erfolg bringt den Demokraten nicht nur strategische Machtoptionen zurück, er füllt auch ihr Personaltableau mit interessanten Charakteren. In Kürze wird das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur eröffnet – und plötzlich ergeben sich ganz neue Möglichkeiten, aber auch Verpflichtungen. Hakeem Jeffries, der voraussichtlich als Sprecher des Repräsentantenhauses zu einer der einflussreichsten Figuren des Landes aufsteigen wird, erklärte: Aufgabe der demokratischen Mehrheit sei es nun, das Leben in den USA wieder für jeden Amerikaner bezahlbar zu machen.
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