Kardinaldekan Tagle vertritt Papst Leo XIV. auf dem Petersplatz

Nach der Entfernung eines Lungentumors liegt Leo XIV. im Krankenhaus. Bei einem grossen Gottesdienst auf dem Petersplatz verliest erstmals der neue Kardinaldekan die Papst-Predigt. Und übernimmt eine weitere Funktion.

(CIC) Premiere auf dem Petersplatz: Erstmals im Pontifikat von Leo XIV. hat am Mittwochmorgen der Kardinaldekan anstelle des erkrankten Papstes dessen Predigt vorgetragen. Zum Abschluss einer weltweiten Bischofsversammlung zum Thema Ehe und Familie übernahm der philippinische Kardinal Luis Tagle (69) die Leitung des Gottesdienstes mit Hunderten Bischöfen und Priestern und Zehntausenden Gläubigen.  

Papst Leo hatte erst wenige Tage vor seiner am Dienstag erfolgten Krebs-Operation Tagle als neuen Chef des Kardinalskollegiums bestätigt, das die Kirche nach Tod oder Rücktritt eines Papstes interimistisch leitet. Der neue Dekan begann die Predigt mit den Worten: «Ich werde jetzt die Predigt verlesen, die der Heilige Vater Leo XIV. verfasst hat.»

Papst betont Tugenden vor der Ehe

In dem Predigttext betonte Leo XIV., zur Ehe gehöre der «feste Plan, das gesamte Leben miteinander zu teilen und aufzubauen». Jungen Menschen, die sich auf die Ehe vorbereiteten, müsse die Kirche die Bedeutung der Tugenden vermitteln, wobei «die Keuschheit einen besonderen Platz einnimmt, denn sie ist eine wertvolle Voraussetzung für ein echtes Wachstum der zwischenmenschlichen Liebe».

Dass derzeit viele junge Katholiken und Katholikinnen lange vor der Ehe als Paare zusammenleben, wurde in der Predigt nicht erwähnt. Bei dem Treffen der Bischofskonferenz-Vorsitzenden aus aller Welt war dies mehrfach zur Sprache gekommen.

Weiter betonte der Papst in dem Predigttext die Offenheit der Ehe für Kinder. Er formulierte: «Ohne stabile Familien, die offen sind für das Geschenk von Kindern und die sich um ihre Erziehung und ihr Heranwachsen kümmern, hat die Welt keine Zukunft.» Mit Nachdruck rief der Papst die Familien auf, den Brauch des gemeinsamen Gebets, insbesondere bei Mahlzeiten, neu zu beleben.

In den Fürbitten nach der Predigt beteten die Menschen auf dem Petersplatz eigens auch für den erkrankten Papst und für seine «balige und vollständige Genesung.»

Kardinaldekan handelt im Papstauftrag

Neben der Predigt hatte Papst Leo XIV. dem Kardinaldekan auch den Auftrag erteilt, einen kirchenrechtlich wichtigen Akt gegenüber einer der mit Rom vereinten Ostkirchen auszusprechen. Tagle bekundete am Ende der Predigt, wie er selbst sagte, «im besonderen Auftrag des Heiligen Vaters Leo XIV.» dem chaldäischen Patriarchen von Bagdad, Paul III. Nona, öffentlich die kirchliche Gemeinschaft.

Die Gemeinschafts-Bekundung an ein neues Oberhaupt einer östlichen Kirche mit eigenem Ritus ist Voraussetzung für die kirchenrechtliche Zusammengehörigkeit Roms mit einer solchen Kirche. Die Chaldäer sind die grösste christliche Konfession im Irak und zählen dort rund 200.000 Mitglieder. Der neue chaldäische Patriarch Paul III. wandte sich zum Ende der Messe an Kardinaldekan Tagle und übermittelte ihm im Namen der chaldäischen Kirche den Dank an Papst Leo XIV. für die Gewährung der kirchlichen Gemeinschaft.


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