Ab Dienstagmittag ist Leo XIV. in der Gemelli-Klinik. Geplant ist eine Lungen-OP zur Entfernung eines «Knotens», es folgt eine einwöchige Erholungsphase. Wie der Vatikan mitteilte, soll am Nachmittag ein Knoten aus seiner Lunge entfernt werden. Leitender Chirurg bei der Operation wird der italienische Thorax-Spezialist, Professor Stefano Margaritora, sein.
Ludwig Ring-Eifel (CIC)
Wie geht es dem Papst? Ist der kleine Knoten in seiner Lunge doch gefährlicher als zunächst gedacht? Und wird er sein anstrengendes Reiseprogramm durchhalten können, oder sollte er sich lieber länger schonen? Neben diesen bangen Sorgen beschäftigt viele Menschen noch eine andere Frage: Wie geht es weiter im Vatikan, wenn ein Papst länger ausfällt?
Als älteste Wahlmonarchie der Welt hat der Vatikan Erfahrung mit solchen Phasen. In den letzten Lebensmonaten von Papst Franziskus (2013-2025) waren sie, wie schon einst unter Johannes Paul II. (1978-2005), beinahe alltäglich: Das Oberhaupt der katholischen Christenheit war nur noch begrenzt handlungsfähig, Tod oder Rücktritt schienen damals jederzeit denkbar.
Was in kürzeren oder längeren Ausfallzeiten des Papstes geschieht, ist in der katholischen Kirche relativ klar, aber nicht restlos geregelt. Dazu zählt der Grundsatz, dass es für den Kern des Papstamtes keine Stellvertretung gibt.
Deshalb müssen wichtige Audienzen mit Staatsoberhäuptern oder Regierungschefs schlichtweg verschoben werden. Aber auch da gibt es Ausnahmen, wie es Italiens Premierministerin Giorgia Meloni in der Spätphase von Papst Franziskus vormachte. Im Februar 2025 schaute sie auf eigene Faust in der Klinik vorbei, um dem schwerkranken Papst gute Besserung zu wünschen – und niemand verwehrte es ihr.
Ansonsten wird erwartet, dass Leo XIV. in der vorerst auf eine Woche veranschlagten Erholungsphase die Weltkirche vom Krankenzimmer aus regiert. Erzbischof Paolo Rudelli, seit April als «Substitut» die Nummer drei im Vatikan – eine Art Kanzleramtsminister – kann dem Kirchen- und Staatsoberhaupt dringliche Ernennungen und Dekrete in der Gemelli-Klinik zur Unterschrift vorlegen.
Ähnliches gilt auch für Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Da Leo XIV. der erste Papst mit Smartphone-Kompetenz ist, könnte er zudem einige Dinge, die keine päpstliche Unterschrift erfordern, auch per Mail oder Messenger-Dienst regeln.
Aber was passiert, wenn der Papst infolge von Narkose oder OP längere Zeit nicht ansprechbar sein oder gar ins Koma fallen sollte? Parolin wäre im Fall einer dauerhaften Verhinderung des Papstes vermutlich eine Schlüsselfigur.
Unklar ist, ob der noch vergleichsweise junge Papst Leo XIV. – so wie mehrere seiner Vorgänger – bereits zu Beginn seines Pontifikats beim Kardinalstaatssekretär die berühmte «bedingte Rücktrittserklärung» hinterlegt hat. Sie träte dann in Kraft, wenn der Papst dauerhaft handlungsunfähig wäre.
Ein solcher Fall ist es in der Praxis allerdings noch nie eingetreten. Deshalb ist unter Kirchenrechtlern umstritten, wer einer solchen Erklärung zustimmen müsste. Mindestens, das ist Konsens, der Dekan des Kardinalskollegiums, das ist seit vergangener Woche Kurienkardinal Luis Tagle (69) von den Philippinen. Der Ranghöchste im Kardinalskollegium hätte beim Rücktritt wie auch beim Tod des Papstes die Aufgabe, die Kardinäle aus aller Welt nach Rom zusammenzurufen, um einen neuen Papst zu wählen.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/wenn-der-papst-laengere-zeit-verhindert-ist/