Am 7. Oktober treffen sich die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen in Rom zu «Zehn Jahre nach Amoris Laetitia». Katholische Frauenorganisationen der Schweiz haben dem Schweizer Vertreter, Bischofs Charles Morerod, ihre Anliegen gesandt. Morerord bestätigt: Der Blick der Frauen müsse besser ins kirchliche Leben integriert werden.
Regula Pfeifer
Mehrere Frauenorganisationen der Schweiz haben sich mit einem Schreiben an Bischof Charles Morerod gewandt. Darin teilen sie ihm ihre Ansichten und Anliegen zu Frauen- und Familienfragen mit. Dies im Hinblick auf dessen Reise ans synodale Treffen «Zehn Jahre nach Amoris Laetitia», das vom 7. bis 14. Oktober im Vatikan stattfindet, wie es im Brief heisst.
Es handle sich um einen «unaufgeforderten synodalen Beitrag» und nicht um einen Forderungskatalog, heisst es im Brief weiter, den die Co-Präsidentin von Frauenbund Schweiz, Katharina Jost Graf, und Vorstandsfrau Barbara Schmid-Federer unterschrieben haben. Das Schreiben sei von ihren Erfahrungen und Lebenswirklichkeiten als Frauen und Familien geprägt.
Sechs katholische Frauenorganisationen haben mitgewirkt: der Frauenbund Schweiz, der Frauenrat der Schweizer Bischofskonferenz, die Vereinigung der Ordensoberinnen der apostolischen Orden der deutschsprachigen Schweiz und Liechtensteins (Vonos), das Westschweizer Netzwerk der Frauen in der Kirche (Réseau des femmes en Eglise), die Katholische Frauenunion des Tessins (Unione Femminile Cattolica Ticinese, UFCT) und der internationale katholische Frauenrat Catholic Women’s Council (CWC).
Die Frauenorganisationen wünschen sich, dass Frauen, Familien und junge Menschen von der Kirche in ihren tatsächlichen Lebenswirklichkeiten wahrgenommen werden. Ihre konkreten Probleme müssten in kirchlichen Gesprächen berücksichtigt werden – darunter auch Gewalterfahrungen. «Kirche kann in schwierigen Lebenssituationen eine wichtige Begleiterin sein, wenn sie Nähe, Orientierung und Unterstützung bietet», heisst es im Schreiben. Allerdings dürften Menschen «nicht dazu gedrängt werden, in gewaltvollen oder entwürdigenden Beziehungen auszuharren».
Sie plädieren dafür, Frauen als eigenständige Personen wahrzunehmen, welche die Familie, das Erwerbsleben, die Gesellschaft und Kirche gestalten. Sie müssten die Kirche als Ort erleben, den sie mitgestalten könnten und wo sie ihre Fähigkeiten einbringen könnten. Es gelte, ihnen in der Kirche Mitsprache und Entscheidungsmöglichkeiten zu geben.
Junge Menschen wiederum soll die Kirche in ihren Lebenswünschen begleiten und dabei unterstützen, «tragfähige, gleichwürdige und verantwortungsvolle Beziehungen zu gestalten», finden die Frauenorganisationen. Dabei solle nicht auf eine spätere Ehevorbereitung fokussiert werden. Ebenso sollten junge Menschen gestärkt werden, um den Gefahren etwa im digitalen Raum selbstbestimmt begegnen zu können.
Schliesslich zeigen sich die Frauenorganisationen überzeugt: Familien sind nicht nur Empfängerinnen von kirchlichen Angeboten. Sie können aktiv zur Weiterbildung kirchlicher Gemeinschaften beitragen.
Diese Aussage entspricht auch der Meinung des Adressaten Charles Morerod. Der Bischof von Genf, Lausanne und Freiburg ist aktuell Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK). Er wird das kirchliche Spitzengremium am Treffen «Zehn Jahre nach Amoris Laetitia» im Vatikan vertreten. «Es ist wichtig zu betonen, dass die Familien eine aktive synodale Rolle haben und nicht nur eine passive Empfängerinnenrolle», schreibt er auf Anfrage von kath.ch. Das gelte allerdings nicht nur für Familien.
Zum Schreiben der Frauenorganisationen allgemein sagt er: «Ein Teil der Aussagen entspricht jenen, die andere gemacht haben, und diese betreffen teilweise nicht spezifisch die Frauen.»
Konkret entnimmt Morerod dem Schreiben den Appell, dass die Sicht der Frauen vermehrt ins kirchliche Leben integriert werden solle. «Ich versuche dies zu tun, und ich bin glücklich darüber», schreibt der Westschweizer Bischof. Die Männer wüssten, dass die Frauen viele Dinge sähen, die sie nicht sähen. Einen Punkt aus dem Schreiben unterstützt der Bischof vollumfänglich: «Der Aufruf, gegen Gewalt an Frauen zu kämpfen, ist sehr wichtig.»
Die Frauenorganisationen, die sich an Morerod gewandt haben, sind nicht am Treffen in Rom beteiligt. «Gerade deshalb war es uns wichtig, unsere Perspektiven und unsere Expertise Bischof Morerod mit nach Rom zu geben», sagt Frauenbund-Schweiz-Sprecherin Sarah Paciarelli auf Nachfrage.
Die Frauenorganisationen setzten sich seit Jahren mit Familienrealitäten auseinander, so Paciarelli. «Wir hätten es deshalb begrüsst, wenn diese Expertise im Rahmen der Vorbereitung gezielt erfragt, beziehungsweise einbezogen worden wäre. Mit unserem Schreiben bringen wir sie nun aus eigener Initiative ein.»
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/frauenorganisationen-wenden-sich-an-bischof-morerod/