Schweizer Bischöfe zum «Marsch fürs Läbe»: «Jedes Leben verdient Wertschätzung, Achtung, Schutz»

Am Samstag findet in Zürich-Oerlikon erneut ein «Marsch fürs Läbe» statt – organisiert von christlichen Bewegungen und Freikirchen. Die Demonstration setzt sich gegen Abtreibung ein. Die Schweizer Bischofskonferenz stellt klar, dass sie gegen Abtreibung ist. Sie plädiert aber für Lebensschutz für alle – auch für geflüchtete und kranke Menschen.

Regula Pfeifer

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) ist in den vergangenen Jahren immer wieder auf ihre Haltung zum «Marsch fürs Läbe» angesprochen worden. Deshalb habe sie beschlossen, in diesem Jahr erstmals dazu eine Stellungnahme zu veröffentlichen. Das schreibt der SBK-Kommunikationsverantwortliche Maurice Greder auf Anfrage von kath.ch.

Schutz für alle Menschen

Die Schweizer Bischöfe und Territorialäbten wollten mit der Stellungnahme «ihre Haltung zum Schutz des Lebens klar darlegen». Dabei hätten sie einen umfassenderen Ansatz gewählt. «Aus Sicht der katholischen Sozial- und Lebensethik beschränkt sich der Schutz des Lebens nicht auf die Frage der Abtreibung», so Greder weiter. «Vielmehr umfasst er die Würde und den Schutz des Menschen in allen Lebensphasen und Lebenssituationen.»

Dabei argumentiert die SBK mit der Enzyklika «Laudato si›» von Papst Franziskus. Die Enzyklika zeige auf: «Jedes Leben – ob tierisch, pflanzlich oder menschlich – verdient Achtung, Wertschätzung, Schutz». Und sie mache klar: «Alle Lebensformen stehen miteinander in Beziehung, und das Überleben der Menschheit hängt wesentlich davon ab, wie wir die gesamte Schöpfung wahrnehmen, respektieren und bewahren.»

«Gerade besonders schutzbedürftige Menschen laufen Gefahr, abgewertet zu werden.»

Doch in der Realität werde dies oft nicht so gehandhabt. Vielmehr tendiere die Gesellschaft dazu, bestimmten Leben weniger Wert beizumessen, sie gar abzuwerten. Demgegenüber gelte es, das Recht auf Leben aller Menschen anzuerkennen – vom Neugeborenen bis zu den Migranten oder Kriegsversehrten in Gaza.

Dasselbe gelte für Menschen mit Behinderung, ältere oder kranke Menschen. «Gerade diese besonders schutzbedürftigen Menschen laufen in unseren leistungsorientierten Gesellschaften Gefahr, übersehen, ausgegrenzt oder abgewertet zu werden.»

«Die katholische Kirche verteidigt das Leben und lehnt Abtreibung ab», stellt die SBK klar. Doch sie verschliesse die Augen vor den schwierigen Umständen nicht, die zu einer solchen Entscheidung führen könnten. Sie verweist auf die Unterstützung seitens religiöser Vereinigungen, etwa den Solidaritätsfonds von Frauenbund Schweiz und SOS Future Mamans.

Seelsorge als Hilfsangebot

Auch die Kirche könne – neben vielen anderen Akteuren – Unterstützung anbieten. Seelsorgende können demnach Paaren oder Einzelpersonen, einen geschützten Raum des Zuhörens, des Austauschs und der Begleitung eröffnen, wenn sie sich nicht in der Lage fühlten, ein Kind zu bekommen.

Weiter appellieren die Bischöfe an die Menschen in der Schweiz, Mitmenschen persönlich zu helfen. Und es gelte mit politischen Massnahmen die sozialen und strukturellen Voraussetzungen zu schaffen und zu stärken, die es ermöglichten, ein Kind aufzunehmen und ihm ein Leben in Würde zu ermöglichen.

Gesellschaftliche Teilhabe im Blick

Es brauche ein aktives Engagement für den Zugang zu Wohnraum, Nahrung, Gesundheitsversorgung sowie zu Bildung und Ausbildung für alle Menschen, so die SBK. «Nur so kann gesellschaftliche Teilhabe gelingen – unabhängig von Gesundheitszustand, Herkunft oder rechtlichem Status.»

Das Gremium der Schweizer Bischöfe und Territorialäbte verstehe seine Stellungnahme nicht als Kritik am «Marsch fürs Läbe», präzisiert Greder. «Die SBK bringt ausdrücklich ihre Wertschätzung für jedes Engagement zugunsten des Lebens zum Ausdruck.» Dabei ergänze sie den konkreten Fokus des «Marsch fürs Läbe» durch eine breitere Sichtweise. Greder betont, dass die SBK nicht Mitorganisatorin des «Marsch fürs Läbe» und daran auch nicht offiziell vertreten ist.


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