Kloster Einsiedeln: «Absurd, wenn Piusbruderschaft mit Rosenkranzprozession Tradition für sich beansprucht»

In Einsiedeln veranstaltet «Militia Immaculatae» seit 2021 jeweils im Oktober eine Rosenkranzprozession über den Klosterplatz. Das Problem ist: Die Organisation wurde von der Piusbruderschaft neu gegründet – doch die Piusbrüder selbst wurden zwischenzeitlich exkommuniziert.

Wolfgang Holz

Mit der Rosenkranzprozession, die in diesem Jahr am 10. Oktober stattfindet, wird in Einsiedeln an eine sehr alte Tradition in angeknüpft: Über Jahrhunderte war es üblich, anlässlich des Rosenkranzfestes Anfang Oktober zum Gedenken an den Sieg von Lepanto eine feierliche Rosenkranzprozession durch Einsiedeln durchzuführen.

Sieg über Osmanisches Reich

In der Seeschlacht von Lepanto 1571 besiegten die christlichen Mittelmeermächte, organisiert von Papst Pius V., überraschend in Unterzahl die Türken – «dank des Rosenkranzgebets,» wie die Veranstalter Militia Immaculatae auf ihrer Webseite schreiben. Jahrhundertelang thematisierten Personen laut der Freien Universität Berlin Lepanto als Sieg eines «christlichen Europas», um so eigene, ideologische Weltanschauungen zu positionieren.

Der Organisator der Rosenkranzprozession, die Militia Immaculatae, zu Deutsch «Ritterschaft der Unbefleckten», ist seit 1917 eine katholische Bewegung des heiligen Pater Maximilian Kolbe. Diese fördert die Verehrung der Muttergottes und des Rosenkranzes. Pater Maximilian Kolbe ist bekannt, weil er im KZ in Ausschwitz freiwillig für einen mitgefangenen Familienvater im Hungerbunker sein Leben hingab. Die MI hat mehrere Tausend Mitglieder im deutschsprachigen Raum und über 100’000 Mitglieder weltweit, so die Organisation über sich.

Die Frage ist, ob es noch legitim ist, dass die «Ritterschaft der Unbefleckten», die im Jahr 2000 von der konzilsfeindlichen Piusbruderschaft neu gegründet wurde, nun noch über den Klosterplatz marschieren darf. Beziehungsweise ob das Kloster Einsiedeln dies toleriert. Denn die Piusbrüder wurden nach den illegalen Bischofsweihen in Econe im Wallis diesen Sommer von Papst Leo XIV. exkommuniziert. Im letzten Jahr nahmen an der Prozession laut Angaben der Veranstalter 750 Personen teil.

Unterer Klosterplatz gehört dem Bezirk Einsiedeln

Wobei sich das Problem im Prinzip nur teilweise stellt. Denn der Einsiedler Klosterplatz gehört zwei Besitzern. Der untere Teil des Klosterplatzes mit dem Marienbrunnen und bis zu den Klosterarkaden gehört dem Bezirk Einsiedeln – und ist demzufolge öffentlicher Grund. Nur der obere Teil des Klosterplatzes ist im Besitz des Klosters.

«Einsiedeln ist seit über 1000 Jahren ein Ort der Gastfreundschaft und ein Ort der Begegnung ganz unterschiedlicher Menschen», nimmt Pater Philipp Steiner Stellung gegenüber kath.ch. Grundsätzlich seien bei der Muttergottes von Einsiedeln alle willkommen. «Allerdings erwarten wir von unseren Gästen den Respekt für die hier gelebte Tradition und Offenheit. Der Bezirk hat den Anlass bewilligt und unser Kloster wurde erst vor wenigen Tagen über die Durchführung informiert. Wir haben dies so zur Kenntnis genommen.»

«Das Kloster wurde um keine Bewilligung ersucht.»

Aber ist denn garantiert, dass die Piusbrüder nicht auch den oberen klostereigenen Teil des Klosterplatzes in Beschlag nehmen? «Ja, das sollte garantiert sein. Den Veranstaltern ist diese Grenzziehung bekannt, und der Bezirk hat nur für den Bezirksgrund eine Veranstaltungsbewilligung erteilt. Das Kloster wurde um keine Bewilligung ersucht», erklärt Pater Philipp.

Klar sei indes, dass das Kloster Einsiedeln nicht hinter dem Anlass stehe und selbst auf eine eigene, traditionsreiche Feier des Rosenkranzfestes mit grosser Eucharistischer Prozession zurückblicke, die bis ins 17. Jahrhundert zurückgehe und noch heute lebendig sei.

«Diese findet am Sonntag, 4. Oktober statt, den wir in Einsiedeln als Rosenkranzsonntag begehen», sagt Pater Philipp Steiner gegenüber kath.ch. «Es ist deshalb absurd, wenn die Piusbruderschaft mit ihrer seit wenigen Jahren existierenden Rosenkranzprozession die Tradition für sich beansprucht.»


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