Der nigerianischstämmige Priester Ugonna Vitus Nwosu hat kürzlich zwei weitere Pfarreien im Wallis übernommen. Seit dem 1. September betreut der 44-Jährige neben seinen bisherigen Pfarreien Binn, Ernen und Lax neu auch Bellwald und Fiesch.
Wolfgang Holz
«Gott hilft uns immer im Leben – ob wir arbeiten, studieren oder spielen», sagte Pfarrer Ugonna Vitus Nwosu einmal im Interview mit kath.ch. «Ich glaube, dass wir nicht dazu bestimmt sind, von dem, was wir glauben, getrennt zu sein. Wir tragen unseren Glauben mit uns und wir zeigen ihn in dem, was wir tun.»
Pfarrer Vitus, wie er von seinen Gläubigen im Wallis liebevoll genannt wird, ist ein lebensnaher Seelsorger, der gerne mit anderen Menschen zusammen ist. Nicht nur in der Kirche. Auch auf der Strasse. Oder auf dem Fussballplatz, wo er als leidenschaftlicher Stürmer des FC Ernen spielt und Tore schiesst.
Am vergangenen Wochenende haben die Pfarreien Bellwald und Fiesch ihren neuen Pfarrer Ugonna Vitus Nwosu feierlich empfangen. Nwosu leitet kümmert sich nun neben seinen drei Pfarreien Binn, Ernen und Lax im Untergoms auch um die Gläubigen in Fiesch und Bellwald im Oberwallis, wie der «Walliser Bote» aktuell berichtet.
«Wo Menschen zusammen sind, da ist die Kirche.»
Ein Pfarrer sei für ihn in erster Linie ein Lebensbegleiter, sagt der gebürtige Nigerianer. Die Kirche sei für ihn der Ort, an dem Menschen zueinanderfinden und eine Gemeinschaft aufgebaut werden kann. Wobei Kirche für ihn nicht nur ein Gotteshaus aus Stein bedeutet. «Wo Menschen zusammen sind, da ist die Kirche.» Sagts und verweist auf die berühmte Passage im Matthäus-Evangelium, wo Jesus klar stellte: «Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.»
Die heilige Messe ist für ihn dabei nur ein Teil. «Man muss sich Zeit nehmen für die Menschen, mit ihnen reden und die Sorgen ernst nehmen», so der Pfarrer. Trotzdem feiere er gern die heilige Messe und predige auch gerne.
Wenn Ugonna Vitus Nwosu die Messe feiert, darf gerne getanzt und gelacht werden. «Die Gottesdienste hier sind oft etwas langweilig», bestätigt Nwosu. «Es ist doch nicht jede Messe eine Trauermesse.» In Nigeria sei es nicht ungewöhnlich, dass die Messe zwei Stunden dauere und die Menschen dabei tanzten.
Schon als zehnjähriges Kind wusste Ugonna Vitus Nwosu, dass er später einmal Pfarrer werden möchte. Sein Studium der Theologie, Philosophie und Kommunikation führte ihn von Nigeria über Italien in die Schweiz. Heute ist er einer von fünf nigerianischen Priestern im Wallis, wie er gegenüber kath.ch sagte.
Er ist seit Mitte 2019 Pfarrer von Ernen, Binn und Lax im Untergoms, vorher hatte er schon fast ein Jahr lang den schwer kranken Ortspfarrer vertreten. «Eigentlich wollte ich 2018 nur für einen Sommer kommen, um die Schweiz kennen zu lernen», erzählte der Nigerianer, der damals in Bologna sein Masterstudium in Theologie machte.
Sein Vater war Offizier, seine Mutter entstammt einer adligen Familie, so Nwosu. Alle sieben Geschwister haben studiert, ein Bruder lebt und arbeitet in Deutschland. Die Muttersprache von Pfarrer Vitus ist Igbo – er stammt aus jener Region im Südosten von Nigeria, die Ende der Sechzigerjahre als Biafra ihre Unabhängigkeit erklärte. Der darauffolgende Biafra-Krieg, der in Europa vor allem durch die Hungersnot unter der Bevölkerung bekannt wurde, prägt bis heute das Bewusstsein der Menschen dort.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant