Vatikan-Aussenminister zieht positive Bilanz seiner Moskau-Reise

Organisatorisch war die Reise so kompliziert wie inhaltlich: Über Istanbul reiste Erzbischof Gallagher im Auftrag des Papstes nach Moskau, direkte Verbindungen gibt es nicht. Umso wichtiger war, was er zu sagen hatte.

Ludwig Ring-Eifel

(CIC) Der vatikanische Außenminister Paul Richard Gallagher hat eine positive Bilanz seiner fünftägigen Moskaureise gezogen. In einem Interview mit dem Portal Vatikan News bekräftigte der Erzbischof die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung in dem seit 2022 andauernden Krieg.

Er sagte: «Wir wissen sehr gut, dass historisch gesehen alle Kriege mit Verhandlungen und einem Abkommen enden und dass dann damit begonnen wird, die Beziehungen zwischen den ehemaligen Kriegsparteien wiederherzustellen. In diesem Sinne bietet und verspricht die Diplomatie eine mögliche Lösung.»

Auch Russen sehen sich nach Frieden

Der Aussenbeauftragte des Papstes deutete an, dass es auch auf russischer Seite Gesprächspartner gebe, die ein Ende des Krieges herbeisehnten. Sie wolle man unterstützen. Wörtlich sagte er: «Wir sind nach Moskau gereist, um vom Frieden zu sprechen und um jene zu ermutigen, die wegen des Krieges beunruhigt sind. Ihnen sagen wir: ‘Habt Mut, schlagt den Weg des Friedens ein, habt die Hoffnung, an bessere Tage zu glauben.’» 

Zur Rolle der vatikanischen Diplomatie im russisch-ukrainischen Krieg sagte Gallagher: «Der Heilige Stuhl geht nicht auf Einzelheiten der Verhandlungen ein und schlägt auch keine technischen Lösungen vor, da dies in der direkten Verantwortung der kriegführenden Parteien liegt. Der Heilige Stuhl (…) ruft dazu auf, guten Willen zu zeigen, um ernsthaft einen Dialog in Gang zu bringen.»

«Wir tun, was andere derzeit nicht tun»

Dabei wendet er sich sowohl an die Russische Föderation als auch an die Ukraine und an andere Länder und fordert, «dass keine Mühen gescheut werden, um Raum für den Dialog zu schaffen». Der Vatikan tue «das, was andere derzeit nicht tun und lädt dazu ein, zu überlegen, ob die bisher eingeschlagenen Strategien die Ergebnisse hervorbringen, die es braucht, um die Tragödie zu beenden».

Der britische Kurienerzbischof betonte dabei die Bedeutung humanitärer Aktionen. In diesem Bereich leiste der Heilige Stuhl bereits seit langem seinen Beitrag. Dieses Engagement werde «sehr geschätzt».

In Moskau hatte Gallagher in einem Pressestatement erklärt, der Heilige Stuhl biete zudem seine «guten Dienste» an, um Wege zu neuen Verhandlungen für einen Frieden im Ukraine-Krieg zu öffnen. Dazu erklärte er nun: «Es scheint, als sei eine direkte Einbindung unserer diplomatischen Vertretungen nicht erwünscht. Dennoch wurde die Geste gewürdigt – die Tatsache, dass wir uns nicht aus der Verantwortung ziehen.»

Schnittmengen mit dem orthodoxen Aussenamt

In dem Interview ging Gallagher auch auf seine Begegnung mit dem Leiter des Aussenamts des russisch-orthodoxen Patriarchats, Antonij, ein. Er sprach von einem «sehr herzlichen, geschwisterlichen Verhältnis». Und weiter: «Es war ein sehr ermutigendes Treffen, das gezeigt hat, dass wir sehr viele Dinge teilen, auch wenn wir in einigen Fragen unterschiedliche Ansichten haben.»

Schliesslich würdigte Gallagher seine Begegnungen mit den Angehörigen der römisch-katholischen Minderheit in Russland, die er als Brückenbauer in der russischen Gesellschaft bezeichnete. Das einzige Treffen in Moskau, zu dem er sich nicht äusserte, war die Begegnung mit Putins aussenpolitischem Chefberater Juri Uschakow. Es fand am Donnerstag im Büro des Beraters statt, ursprünglich war es für Mittwoch angekündigt. Auch von russischer Seite gab es zu dem Treffen keine Erklärung.


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