Eine Botschaft gibt es in jedem Jahr, aber persönlich schaut ein Papst nur selten beim grössten katholischen Treffen in Rimini vorbei. Leo XIV. änderte das jüngst – nach über 40 Jahren.
Severina Bartonitschek
(CIC) Papst Leo XIV. hat am vergangenen Wochenende das grösste Katholikentreffen Italiens besucht. Das Meeting in Rimini bezeichnete er als «Knotenpunkt für die Kirche und für die Gesellschaft». Das jährliche «Treffen für die Freundschaft unter den Völkern» bringt Menschen aus Politik, Kultur, Kirche, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Die 47. Ausgabe steht unter dem Motto «Die Liebe, die die Sonne und die anderen Sterne bewegt».
«Ja, die Liebe bewegt!», griff Leo XIV. das Thema bei seiner Ansprache auf dem Messegelände der Adriastadt auf. Das Böse könne man nicht mit dem Bösen bekämpfen. Wie im Himmel, so sei auch auf Erden die Liebe das Gesetz des Lebens. «Dem falschen Realismus, der die Gedanken, die Worte und die Nationen wiederbewaffnet, muss die katholische Kultur heute den Realismus der Barmherzigkeit entgegenstellen», so der Papst vor den Teilnehmer des von Laien organisierten Treffens.
Leo XIV. appellierte, das Zusammenleben von Misstrauen, die Kultur von Überheblichkeit, Bildung von Ideologie, Arbeit vom Götzendienst des Profits, Technologie und Finanzwelt von Geschäften des Todes zu befreien: «Entlarven wir die ungerechten Machtverhältnisse, die die Wurzel von Armut und Ungleichheit, von Krieg und Umweltkatastrophen sind.» Er rief dazu auf, damit bei jenen Organisationen zu beginnen, «die wir geschaffen haben und in denen wir tätig sind».
Weiter forderte er: «Entwaffnen wir den technologischen Fortschritt, wenn er überhandnimmt und zerstörerisch wird.» Es bedürfe mutiger Vorreiter, die mit ihrer eigenen Kehrtwende beginnen, um die von allen geforderte Umkehr überzeugend und glaubwürdig werden zu lassen.
«Es darf nicht nur solche geben, die das Feuer der Erschöpfung und Verzweiflung schüren, sondern es muss auch jene geben, die Träume und Visionen neu entfachen», so der Appell des Kirchenoberhaupts.
Leo XIV. ist der zweite Papst, der das Meeting besucht. Im Jahr 1982 nahm Johannes Paul II. (1978-2005) persönlich an der Veranstaltung teil. Die Teilnehmerzahl des Katholikentreffens steigt kontinuierlich. Bis zum 26. August erwarten die Organisatoren rund 800’000 Menschen auf dem Messegelände. Am Morgen hatte er bereits dem nahegelegenen Zwergstaat San Marino einen Besuch abgestattet.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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