Um das Krematorium in Luzern tobte ein Kulturkampf bis vor Bundesgericht

Heuer feiert das Krematorium in Luzern sein 100-jähriges Bestehen. Bis es soweit war, lieferten sich Befürworter und Gegner einen langen Kulturkampf. Wo die Frontlinien verlaufen sind, erklärt der Historiker und Ausstellungsmacher im Podcast «Laut + Leis».

«In der Ausstellung haben wir eine Treppe installiert, die will zeigen, wie schwer das gewesen ist. Es standen sich zwei Lager gegenüber: auf der einen Seite mehrheitlich das katholisch-konservative Lager, auf der anderen das liberale Lager, und dort hatte es auch Freimauer dabei, die versuchten, die Kremation, wie sie schon rundherum in Betrieb war, auch nach Luzern zu bringen.

Die Auseinandersetzung hat noch eine zweite Dimension: Nicht nur die beiden Lager, sondern es war auch Stadt gegenüber Restkanton. Der Restkanton, mehrheitlich katholisch-konservativ, und die Stadt in einem Mehrheitsverhältnis liberal.

Die liberale Stadt hat bereits bei der Planung des Zentralfriedhofs Friedental 1885 vorgehabt, ein Krematorium einzurichten. Das scheiterte dann, weil es in der Verordnung hiess: ausschliesslich Erdbestattung.

Und ich bin mir nicht so sicher, ob es nicht auch ein L’art pour l’art gewesen ist, einfach zu kämpfen. Im Sinne von: Was die anderen wollen, wollen wir nicht.»

Das sagt der Historiker Jürg Stadelmann im Podcast «Laut + Leis». Auf dem Friedhof Friedental hat er mit seinem Team die Ausstellung «Frieden im Tal. 100 Jahre Krematorium Luzern» konzipiert. Sie dauert bis zum 15. November und ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. (sl)


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