Vor 200 Jahren: Letztes Todesurteil der Inquisition vollstreckt

Abweichen vom Glauben galt seit dem Mittelalter als Häresie. Die Inquisition brachte Zehntausende Menschen auf den Scheiterhaufen – noch bis vor 200 Jahren.

(KNA) «Niemand erwartet die Spanische Inquisition!» Was die britische Komikertruppe Monty Python 1970 in einem Sketch verhohnepipeln konnte, war bis ins 19. Jahrhundert noch blutiger Ernst. Am 31. Juli 1826, vor 200 Jahren, wurde in Valencia letztmals ein Todesurteil der Spanischen Inquisition vollstreckt.

Das Opfer war ein katalanischer Lehrer namens Cayetano Ripoll I Pla, geboren 1778. Ein Glaubensgericht (Autodafé) warf ihm vor, Irrlehren – Protestantismus – unter seinen Schülern verbreitet zu haben. Nach zwei Jahren Gefängnis wurde Ripoll gehängt und seine Leiche öffentlich verbrannt. Die katholische Kirche richtete die Spanische Inquisition 1478 ein.

Viele Angeklagte auf dem Scheiterhaufen

Das Ziel war, Juden und Mauren (Muslime) aufzuspüren, die zwar offiziell zum Christentum übergetreten waren, aber im Geheimen weiter ihrer alten Religion anhingen. Vor allem in der Frühzeit starben viele Angeklagte auf dem Scheiterhaufen. Später wurden Todesurteile eher die Ausnahme. Bücher verbieten statt Menschen verbrennen.

Unbestätigten Berichten zufolge wurden über die Jahrhunderte mehr als 100’000 Menschen misshandelt oder als Ketzer und Hexen verbrannt. Allein in Spanien soll es vor 1530 bis zu 12’000 Todesopfer gegeben haben. Reformation, Buchdruck, wissenschaftliche Erkenntnisse und die Aufklärung liessen die Radikalität der Inquisition abebben. Rom setzte ab 1559 auf die Kontrolle «verbotener Bücher», die für Katholiken untersagt waren. Diesen «Index» hielt der Vatikan noch bis ins 20. Jahrhundert aktuell.

Nur in Spanien wurde die Inquisition von den Königen lebendig gehalten. Hinrichtungen wurden zur Abschreckung öffentlich inszeniert, mit teils Tausenden Zuschauern. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts steuerte man auch dort auf ein Ende der Inquisitionstribunale hin. Doch bis Papst Pius VIII. die Spanische Inquisition 1829 offiziell beendete, bestand sie an manchen Orten noch als Sittenpolizei weiter.

Angeschwärzt zu werden, konnte tödlich enden – so wie für Cayetano Ripoll. Papst Johannes Paul II. legte zum Jahr 2000 ein öffentliches Schuldbekenntnis ab für die von Kirchenvertretern verübten Sünden über die Jahrhunderte.


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