Argentinien: Märtyrerbischof Angelelli erhält Gedenkort

Der argentinische Bischof Enrique Angelelli ist vor 50 Jahren ermordet worden. Er hatte die Brutalität des Militärregimes kritisiert. Der Geistliche war mit dem späteren Papst Franziskus bekannt und wurde von ihm seliggesprochen. Nun erhält er einen Erinnerungsort.

(KAP) Zum 50. Jahrestag des Todes von Bischof Enrique Angelelli eröffnet die argentinische Provinz La Rioja einen neuen Erinnerungsort, der das Leben, Wirken und Martyrium des früheren Diözesanbischofs würdigt. Der Themenpark «Memoria y Martirio» soll künftig Pilger, Gläubige und Besucher anziehen und Geschichte, Glaube und Natur miteinander verbinden, berichtet das spanischsprachige Portal aciprensa (Mittwoch).

Installation eines M

Die Anlage wird am Samstag, 1. August, wenige Tage vor dem Todestag Angelellis am 4. August, eröffnet. Herzstück des Parks ist eine grosse Struktur in Form eines «M», die für die Begriffe «Martirio» (Martyrium) und «Memoria» (Erinnerung) steht, sowie ein 15 Meter hohes Kreuz. Zum Gelände gehören zudem ein Auditorium, eine Ausstellungshalle, eine Bibliothek, Bildungsbereiche für Kinder und Räume für Besucher.

Gezeigt werden persönliche Gegenstände Angelellis, Fotografien sowie eine historische Dokumentation über die gesellschaftliche, politische und kirchliche Situation Argentiniens zur Zeit der Militärdiktatur. Der Ort liegt nahe der Stelle, an der der Bischof 1976 ums Leben kam. Nach Angaben der Provinzregierung soll er Teil eines grösseren religiösen und kulturellen Pilgerwegs werden und die Erinnerung an einen Bischof bewahren, der sein Amt als Dienst an den Menschen verstanden habe.

Kritiker der Militärdiktatur

Angelelli, seit 1968 Bischof von La Rioja, setzte sich besonders für die Armen, Landarbeiter und sozial Benachteiligten ein. Sein Leitspruch lautete: «Mit einem Ohr am Evangelium und mit einem Ohr beim Volk.» Während der Militärdiktatur (1976-1983), in der Zehntausende Menschen verschleppt und ermordet wurden, kritisierte er die Gewalt des Regimes.

Am 4. August 1976 wurde sein Fahrzeug auf der Rückfahrt von Chamical nach La Rioja von einem anderen Wagen abgedrängt und zum Unfall gebracht. Während die Behörden zunächst von einem gewöhnlichen Verkehrsunfall sprachen, kam eine spätere juristische Untersuchung zu dem Ergebnis, dass es sich um einen staatlich beauftragten Mord handelte. Kurz zuvor waren bereits die Priester Carlos Murias und Gabriel Longueville sowie der Laienmitarbeiter Wenceslao Pedernera ermordet worden.

Papst Franziskus, der Angelelli noch aus seiner Zeit in Argentinien kannte – der spätere Pontifex war damals Provinzoberer der Jesuiten – unterstützte die Anerkennung seines Martyriums. 2018 wurde das Dekret über das Martyrium bestätigt, 2019 wurden Angelelli und die drei weiteren Opfer als «Märtyrer von La Rioja» seliggesprochen.


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/argentinien-maertyrerbischof-angelelli-erhaelt-gedenkort/