Ferien im Kloster zu machen, ist eine immer beliebtere Variante, um in Ruhe zu entspannen und dank klösterlicher Spiritualität neue Selbsterfahrungen zu machen. Von den Gästen profitieren auch die Mönche, wie Birgit Miller vom Gästebereich des Benediktiner-Klosters Engelberg im Interview mit kath.ch verrät.
Wolfgang Holz
Wie viele Gäste zählt das Kloster Engelberg pro Jahr? Ist die Gästezahl in den letzten Jahren gestiegen oder eher rückläufig?
Birgit Miller*: Das Kloster Engelberg begrüsst jährlich mehrere hundert Gäste, die für eine Auszeit einige Tage oder Wochen im klösterlichen Umfeld verbringen. Die Nachfrage bewegt sich seit Jahren auf einem stabilen Niveau, bei leicht steigender Aufenthaltsdauer. Die Nachfrage ist besonders während der Sommermonate, an Ostern sowie über Weihnachten und Neujahr gross. Neben langjährigen Stammgästen dürfen wir regelmässig auch neue Gäste begrüssen, die auf Empfehlung oder aus eigenem Interesse für einen Klosteraufenthalt zu uns kommen.
«Das Kloster bietet eine besondere Kombination aus Stille, Spiritualität und Gastfreundschaft inmitten der Engelberger Bergwelt.»
Neben der Möglichkeit, im Kloster zu gastieren, gehören mit dem Hotel St. Josefshaus sowie dem Hotel Sonnwendhof zwei weitere Gastbetriebe zum Benediktinerkloster Engelberg, die andere Formen des Aufenthaltes ermöglichen.
Warum verbringen Menschen Ferien im Kloster und was gefällt ihnen am Klosterleben?
Miller: Die meisten Menschen kommen nicht als klassische Pilger nach Engelberg. Sie suchen vielmehr eine Auszeit vom Alltag, Ruhe, Orientierung und einen Ort, an dem sie bewusst entschleunigen können. Das Kloster bietet dafür eine besondere Kombination aus Stille, Spiritualität und Gastfreundschaft inmitten der Engelberger Bergwelt.
«Viele Gäste erleben das Mitleben im Umfeld einer benediktinischen Gemeinschaft als wohltuend.»
Geschätzt werden vor allem der klare Tagesrhythmus, die familiäre Atmosphäre und die Möglichkeit, für einige Tage nach anderen Prioritäten zu leben als im beruflichen oder privaten Alltag. Viele Gäste erleben das Mitleben im Umfeld einer benediktinischen Gemeinschaft als wohltuend. Sie schätzen die Ruhe, die Einfachheit und die Möglichkeit, Abstand zu gewinnen und neue Kraft zu schöpfen.
Ebenso wichtig wie die Stille sind für viele Gäste die Begegnungen mit anderen Menschen. Gerade während der Sommerzeit entstehen oft bereichernde Gespräche und neue Bekanntschaften. Viele Gäste beschreiben das Kloster als einen Ort, an dem sie sich willkommen fühlen und sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren können.
Wie sieht der Klosteralltag für die Gäste aus?
Miller: Der Tagesrhythmus orientiert sich am Leben der Mönchsgemeinschaft. Die Gebetszeiten strukturieren den Tag. Wer möchte, kann an den Gottesdiensten und Gebetszeiten teilnehmen und so das klösterliche Leben näher kennenlernen.
«Ausser an Sonntagen und während der Sommerferien werden die Hauptmahlzeiten traditionell in Stille eingenommen.»
Die gemeinsamen Mahlzeiten im Gästespeisesaal sind ein wichtiger Bestandteil des Tages. Ausser an Sonntagen und während der Sommerferien werden die Hauptmahlzeiten traditionell in Stille eingenommen. Das Abendessen wird meist von einem Mönch begleitet. Auf Wunsch sind auch persönliche oder seelsorgerliche Gespräche möglich.
Gibt es auch freie Zeit für die Gäste?
Miller: Ja, neben dem Klosteralltag gestalten die Gäste ihren Aufenthalt frei. Viele nutzen die Zeit zum Wandern, Lesen, Nachdenken oder Erholen. Ergänzt wird das Angebot durch Klosterführungen. In den Sommermonaten findet der Kultursommer statt. Dieses Jahr kommen die Gäste zum Beispiel in den Genuss von Orgelkonzerten, Kalligrafie-Kursen, Themenführungen oder einer temporären Ausstellung.
Welchen Nutzen hat das Kloster eigentlich von seinen Gästen – ausser dem finanziellen?
Miller: Die Gastfreundschaft gehört seit der Gründung des Klosters im Jahr 1120 zum benediktinischen Selbstverständnis. Gäste aufzunehmen ist deshalb nicht einfach ein touristisches Angebot, sondern Teil des klösterlichen Auftrags.
«Menschen bringen ihre Lebensgeschichten, Erfahrungen, Fragen und Sichtweisen mit. Daraus entstehen Gespräche und ein wertvoller Austausch zwischen Kloster und Gesellschaft.»
Die Begegnungen mit den Gästen bereichern auch die Mönchsgemeinschaft. Menschen bringen ihre Lebensgeschichten, Erfahrungen, Fragen und Sichtweisen mit. Daraus entstehen Gespräche und ein wertvoller Austausch zwischen Kloster und Gesellschaft.
Die Gäste helfen mit, dass das Kloster nicht nur ein historischer Ort bleibt, sondern ein lebendiger Begegnungsort. Sie tragen dazu bei, dass benediktinische Werte wie Gastfreundschaft, Achtsamkeit und Gemeinschaft auch heute erfahrbar bleiben. Dieser Austausch ist für das Kloster ebenso wertvoll wie der wirtschaftliche Beitrag des Gästebetriebs.
*Birgit Miller ist Betriebsleiterin Pforte und Gastbetrieb im Kloster Engelberg. Weitere Informationen unter https://kloster-engelberg.ch/
**Am Montag berichtet Pater Thomas vom Kloster Einsiedeln über den Alltag der Gäste im grössten schweizerischen Kloster.
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