In der St. Johannes-Kirche in Zug ist bald eine spezielle Ausstellung zu sehen: Göttinnen-Figurinen werden im religiösen Raum platziert und begegnen dabei christlichen Symbolen.
Wolfgang Holz
Gott könnte im Prinzip auch eine Frau sein. Dieses Sujet wird zwar nicht explizit thematisiert in der Ausstellung, die demnächst in der Zuger St. Johannes-Kirche zu sehen sein wird. Gleichwohl werden viele Göttinnen ausgestellt – inmitten des sakralen Raums der Kirche.
«Statt Abgrenzung soll in Form dieser Konfrontation der Symbole Verwandtschaft erfahrbar werden.»
Unter dem Titel «Wo ist die Göttin?» werden nämlich in der Kirche im Zuger Herti-Quartier vom 15. bis 25. August Göttinnenfiguren aus 30’000 Jahren Geschichte und von allen Kontinenten ausgestellt. Sie begegnen dabei christlichen Symbolen.
«Statt Abgrenzung soll in Form dieser Konfrontation der Symbole Verwandtschaft erfahrbar werden. Die Ausstellung öffnet Türen, weitet Herzen und zeigt, wie Identität durch Verbindung wächst», heisst es in einer Medienmitteilung der Zuger Pfarrei St. Johannes der Täufer der Katholischen Kirche der Stadt Zug.
«Wir stellen insgesamt 34 Exponate aus», erklärt Seelsorgerin Regula Grünenfelder gegenüber kath.ch. «Diese werden in der Taufkapelle im Dreiviertelkreis so platziert, dass sie einerseits offen zum Altar und andererseits zu Maria im Dialog sein können». Die Göttinnen sollen nicht in Konkurrenz zu den christlichen Symbolen treten, betont sie.
Kern der Ausstellung ist die über vier Jahrzehnte gewachsene Sammlung von Luisa Francia. Francia ist eine deutsche Autorin und Filmemacherin zu weiblicher Spiritualität und Magie. Sie arbeitete unter anderem als Tanzlehrerin für afrikanischen Tanz.
Ab den 1980er Jahren reiste sie auf der Suche nach magischen Traditionen, Volksheilkunde und Schamanismus mehrmals nach Afrika, Indien und Nepal und schrieb Reportagen und Bücher über ihre Erfahrungen. In ihren zahlreichen Publikationen, häufig im Ratgeberstil, beschäftigt sie sich mit den Themen Hexen, Tarot, Horoskopdeutung, Göttinnen und weiblichem Schamanismus und gibt Anleitungen zur Gestaltung magischer und meditativer Rituale für Lebensstadien wie für den Alltag von Frauen.
Ihre Sammlung umfasst rund 100 Exponate, von der Frauenfigur von Willendorf über Isis, Ashera, Kubaba und Durga bis zu Marien-Statuetten, Originale wie Repliken. 2024 übergab Francia ihre Sammlung dem Verein Göttinnenraum (goettinnenraum.ch). Seither ist sie durch weitere Exponate und Sammlungen gewachsen.
Kuratiert und inszeniert wird die Ausstellung von Sonja Koch, theologisch begleitet von Regula Grünenfelder, Seelsorgerin der Pfarrei. Zur Ausstellung gibt es auch ein Rahmenprogramm. Unter anderem wird Anna Gamma einen Impuls und eine Meditation über weibliche Macht veranstalten. Ausserdem finden Gottesdienste statt (Maria Himmelfahrt).
*Die Göttinnen-Ausstellung im religiösen Raum wird vom 15. bis 25. August in der Kirche St. Johannes in Zug gezeigt und ist täglich geöffnet von 7 Uhr bis 19 Uhr. Die Vernissage findet am 15. August um 11 Uhr statt.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/wo-ist-die-goettin-ausstellung-in-der-zuger-kirche-st-johannes/