Einige Pfarreien der Stadt Zürich feiern den 1. August in einem Gottesdienst. Weshalb und wie sie das tun, erklären die Leitungspersonen von St. Gallus in Schwamendingen und St. Konrad in Albisrieden: Frieda Mathis und Daniela Scheidegger.
Regula Pfeifer
Am 1. August um 10 Uhr morgens findet in der Pfarrei St. Gallus in Zürich-Schwamendingen ein Festgottesdienst zum Bundesfeiertag statt. Er trägt den Titel «Heimat ist für mich…»
«Beheimatung und Heimat sind uns wichtig», sagt Frieda Mathis, Pfarreikoordinatorin von St. Gallus und Religionspädagogin. Es gehe darum, sich beschützt, geborgen, verstanden und dazugehörig zu fühlen. Das soll am Festgottesdienst zur Bundesfeier in St. Gallus Thema sein.
«Wir sind ein Quartier mit Menschen aus vielen Kulturen», so Mathis. «Wir versuchen als Pfarrei, ihnen Heimat zu bieten. Denn das erachten wir als unsere Aufgabe als Kirche.» Es sei ein Geschenk, in einem Land wie der Schweiz leben zu dürfen. Dieses Geschenk gelte es zu teilen, ist Mathis überzeugt. «Wir holen Kraft aus unserem Glauben, um die Stimme zu erheben für Menschen, die ansonsten untergehen würden in der Gesellschaft.»
Das gelte nicht nur am Bundesfeiertag, sondern im alltäglichen diakonischen Wirken. «Unser Sozialdienst ist offen für alle Menschen in Schwamendingen.» Er unterstütze auch Menschen, die nicht katholisch seien. Aktuell ist laut Mathis die Wohnungssituation ein Problem, das viele Menschen im Quartier betrifft.
Es sei eine Umstrukturierung im Gange, bei der bisher bezahlbare Wohnungen durch teure ersetzt werden. Diese könnten lokal verwurzelte Menschen oft nicht bezahlen. «Sie müssen aus dem Quartier wegziehen an einen günstigeren Wohnort und werden so entwurzelt», sagt Mathis.
Seit mehr als 20 Jahren gestalten Alfred Böni und Frieda Mathis einen besonderen Gottesdienst zum Bundesfeiertag. An diesen Feiern nehmen hauptsächlich die regelmässigen Gottesdienstbesucherinnen und -besucher teil. «Einige kommen an diesem Tag in Tracht in die Kirche», sagt Mathis.
Oft wird der Gottesdienst von volkstümlicher Musik begleitet. Diesmal werden die bekannten Jodlerinnen Juliana Kubli und Jana Stadelmann heimatliche Lieder singen – an der Orgel oder am Flügel begleitet von Felix Sutter.
Die Pfarreikoordinatorin bedauert es, Familien mit Migrationshintergrund dann nicht zum Mitwirken einladen zu können. «Sie sind leider am 1. August nicht da, weil sie die Sommerferien in ihren Heimatländern verbringen.» Da der Festgottesdienst bereits am Morgen stattfindet, besuchen ihn auch Menschen aus anderen Pfarreien, hat die Pfarreikoordinatorin festgestellt. Im Anschluss daran sind die Teilnehmenden zum «Kafi Träff» mit 1. Augustweggen eingeladen. «Schenke dir eine besondere Begegnungszeit an diesem Feiertag», heisst es auf der Pfarreiwebseite dazu.
Die Pfarrei St. Konrad in Zürich-Albisrieden bietet gleich zwei Gottesdienste zum Nationalfeiertag an: Am Samstag, den 1. August um 17.30 Uhr, und am Sonntag, 2. August um 10 Uhr. «Die Nationalfeiertagsgottesdienste besucht das normale Gottesdienst-Publikum», sagt die Pfarreibeauftragte Daniela Scheidegger.
Dabei handle es sich mehrheitlich um Seniorinnen und Senioren sowie einigen Personen aus der indischen, der slowakischen und der südamerikanischen katholischen Gemeinschaft, die zu St. Konrad gehören. Rund 80 Personen seien jeweils dabei. «Familien hat es weniger, die weilen dann in den Sommerferien», sagt Scheidegger.
Den Gottesdienst zum Nationalfeiertag begleiten jeweils volkstümliche Formationen aus dem Quartier. «Früher spielten bei uns jeweils Alphornbläser. Nun sind es Schwyzerörgeli-Spieler», so Scheidegger.
Diesmal wird das Schwyzerörgeli-Trio «Echo vom Sihlwald» aufspielen. Es werde «mit seinen lüpfigen und volkstümlichen Klängen für eine besondere und festliche Stimmung sorgen», ist auf der Pfarreiseite zu lesen, die mit «schöner Musik, gemeinsamem Feiern und gemütlichen Begegnungen in angenehmer Atmosphäre» wirbt.
Nach dem Gottesdienst vom Sonntag sind alle zum «gemütlichen Zusammensein» im Bistro am Turm eingeladen. Dieses wird laut der Pfarreibeauftragten abwechselnd von je einer Pfarreigruppe organisiert. Das Bistro ist während den Sommerferien jeden Sonntag nach dem Gottesdienst offen.
«Wir leben in einer christlich geprägten Kultur, da passt ein Gottesdienst als 1.Augustfeier», sagt Scheidegger. Doch selbstverständlich könne man den Anlass auch losgelöst vom Glauben feiern, «mehr patriotisch», was vielerorts so geschehe.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant