Jubla-Bundespräses nach Unfall: «Versuche, Jugendlichen zu helfen, wieder Vertrauen in sich selbst zu finden»

Letzten Donnerstag ist eine 19-Jährige bei Vorbereitungsarbeiten für das Sommerlager der Jubla Horw in Eich LU tödlich verunglückt, ein 25-Jähriger wurde schwer verletzt. Carole Imboden, Bundespräses von Jubla Schweiz, ist als Krisenverantwortliche vor Ort tätig. Im Interview sagt sie, wie sie die Jugendlichen und die lokalen Scharleiterinnen und -leiter unterstützt.

Barbara Ludwig

Frau Imboden, als Bundespräses und Krisenverantwortliche von Jubla Schweiz unterstützen Sie die Jubla Schar von Horw und die Betroffenen nach dem tragischen Unfall. Gehören zu diesem Personenkreis auch die Familienangehörigen der tödlich verunglückten Frau oder weiterer Scharmitglieder?

Carole Imboden*: Als Krisenverantwortliche koordiniere ich in erster Linie die Unterstützung innerhalb der Schar. Mit der Familie der Verunglückten stehen wir in Kontakt. Weitere Menschen aus dem persönlichen und lokalen Umfeld werden von Fachpersonen, den Kirchgemeinden und Pfarreien vor Ort begleitet.

«Was mich berührt: Der Zusammenhalt in der Schar ist stark spürbar.»

Wie geht es den Jugendlichen und den Scharleitern der Jubla Horw sechs Tage nach dem Unfall?

Imboden: Die Betroffenheit ist gross und die Trauer sitzt tief. Was mich zugleich berührt: Der Zusammenhalt in der Schar ist stark spürbar. Das Team trägt einander in diesen schwierigen Tagen.

Sie sind zurzeit meistens vor Ort in Horw. Auf welche Weise helfen Sie den Betroffenen?

Imboden: Meine Rolle ist die einer Krisenverantwortlichen. Vieles betrifft Entscheidungen, die in dieser schwierigen Zeit mitgetragen werden müssen: Findet das Lager statt? Wie kommen die Leitenden durch die nächsten Tage? Ich koordiniere die Kommunikation und schaffe den Rahmen für erste Abschiedsmomente. Und ich versuche, den Jugendlichen zu helfen, wieder Vertrauen in sich selbst zu finden. Situativ führe ich Gespräche oder höre einfach zu. Unterstützt werde ich dabei von weiteren Verantwortlichen auf lokaler, kantonaler und nationaler Ebene.

«Im Moment steht die Bewältigung des Alltags im Vordergrund.»

Führen Sie vorwiegend Einzelgespräche oder organisieren Sie auch Treffen, an denen sich die Betroffenen austauschen?

Imboden: Im Moment steht die Bewältigung des Alltags im Vordergrund. Wir hätten diese Woche ein Lager mit rund 90 Kindern gehabt. Dessen Absage bringt viele praktische Aufgaben mit sich. Beispielsweise die Kommunikation mit Kindern und Eltern, den Abbau des Lagerplatzes oder die Klärung, wie es für die angemeldeten Kinder weitergeht. Und immer wieder das Wohlbefinden der Leitenden. Für die eigentliche Trauerarbeit, sowohl in Einzelgesprächen als auch in gemeinsamen Momenten, arbeiten wir eng mit den Präsides vor Ort, mit psychologischen Fachpersonen und der Kirchgemeinde Horw zusammen.

Beten Sie gemeinsam mit den Betroffenen? Oder gibt es andere Formen, in denen Glaube und Spiritualität zum Tragen kommen?

Imboden: Jede und jeder Betroffene geht anders mit der Trauer um. Zusammen mit den lokalen Präsides haben wir bereits einen Tag nach dem Unfall ein Ritual mit den Leitenden und später auch mit den Eltern gestaltet. In der reformierten und der katholischen Kirche in Horw gibt es Orte, an denen Menschen gedenken und Kerzen anzünden können. Es soll Raum für alle Arten der Trauer geben.

Werden Sie bei der Beerdigung oder der Trauerfeier der jungen Frau dabei sein?

Imboden: Ob und in welcher Form eine Trauerfeier stattfindet, ist Sache der Familie.

«Selbstverständlich unterstützen wir die Schar so lange wie nötig.»

Wie lange werden Sie die Unterstützung vor Ort voraussichtlich in der aktuellen Form fortsetzen?

Imboden: Selbstverständlich unterstützen wir die Schar so lange wie nötig. Die intensive Präsenz in der Krisenkoordination ist auf die ersten Wochen ausgerichtet. Danach geht die Begleitung schrittweise in andere Formen über. Immer daran ausgerichtet, was die Betroffenen brauchen. Wir stehen dazu in engem Kontakt mit der kantonalen Ebene, die die Begleitung mitträgt. Wir haben bereits einen Plan aufgestellt, der bis in den nächsten Sommer reicht.

*Carole Imboden ist seit Januar 2025 Bundespräses von Jungwacht Blauring (Jubla) Schweiz und hat damit die Fachverantwortung für Glauben und Kirche innerhalb des katholischen Kinder- und Jugendverbandes. Imboden ist diplomierte Religionspädagogin und Theologin.


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https://www.kath.ch/newsd/jubla-bundespraeses-nach-unfall-ich-versuche-den-jugendlichen-zu-helfen-wieder-vertrauen-in-sich-selbst-zu-finden/