Sakrales Openair der Sonderklasse: Bischofsweihen der Piusbrüder im Wallis

Mehr als vier Stunden lang dauerte es: In Écône im Wallis fanden heute Vormittag die vom Vatikan nicht gebilligten Bischofsweihen der Piusbrüder statt. An dem Grossevent im Freien, der einer sakralen Supershow glich, nahmen mehr als 10’000 Gläubige teil.

Wolfgang Holz

Wolkenverhangen und düster präsentierte sich der Himmel über dem Seminar der Piusbrüder zwischen den Obstgärten und Weinreben in Écône. Leicht tröpfelte warmer Regen übers Land. Die vorausgesagten Gewitterstürme bleiben vorerst aus.

Waren es Tränen des Vatikans über den eigentlich illegalen Anlass, der die katholische Kirche seit 1988 spaltet? Dabei hatte Papst Leo XIV. die traditionalistischen Piusbrüder noch am Dienstag nochmals in einem eindringlichen Appell aufgefordert, ihre vom Vatikan verbotenen Bischofsweihen abzusagen. Voller christlicher Zuneigung bat und forderte er sie von ganzem Herzen auf: «Kehrt um!» In dem vom Vatikan veröffentlichten Brief richtet sich der Papst an den Leiter der Priesterbruderschaft St. Pius X., Davide Pagliarani.

Doch der Ruf verhallte ungehört in den Walliser Bergen. Auch die Tausenden von Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt, die zu den Bischofsweihen pilgerten und für Verkehrsstaus rund um Écône sorgten, liessen sich nicht davon abbringen, dem sakralen Grossevent beizuwohnen. Im Gegenteil: Aus allen Gesichtern, alt und jung, strahlte eine unglaubliche Freude und Beseelung.

Lange Anreise für «wahren katholischen Glauben»

Eine junge Polin in einem geblümten Sommerkleid erklärt, warum sie gestern extra aus Warschau nach Mailand geflogen war, vier Züge und zwei Busse nehmen musste, bis sie im Wallis angekommen war. In wenigen Worten beschreibt sie, warum ihr dieses Ereignis so wichtig ist: «Es ist der einzig wahre katholische Glaube, der hier gefeiert wird. Die katholische Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist verwässert worden durch die Religionsfreiheit», sagt sie und lächelt. «Der heutige Katholizismus gleicht dem Protestantismus.»

Inzwischen ist die Sonne hinter den Wolken hervorgekommen, und die Besucherinnen und Besucher haben sich der Wiese vor dem Priesterseminar und der Kirche angenähert, auf der die Bischofsweihen gefeiert werden. In einem riesigen Zelt steht alles bereit für die angehende Feier. Unter anderen die vier Bischofsstäbe, die vier Mitren, die vier Evangelien. Die Bischofskandidaten haben dafür einen eigenen Altar.

Im Hintergrund ist der Hauptaltar zu sehen, auf dem später die Messe gefeiert wird. Er ist mit einem Kreuz und sechs grossen Kerzen geschmückt. Rechts und links vom Altarbereich sind mehrere hunderte Ordensfrauen platziert: in weiss Dominikanerinnen, andere in schwarzem Habit.

700 Priester bei Bischofsweihe

Dann ziehen die mehr als 700 Priester und Patres der Piusbruderschaft ein – eine fast nicht enden wollende Prozession, die sich vom Hügel durchs Kirchenvolk herunter in den Chor ergiesst. Eine katholische Orchestrierung der Sonderklasse. Die Tausenden Gläubigen ihrerseits ergänzen die sakrale Optik durch ein Meer an weissen Écône-Baseballcaps.

Die Zeremonie wird von Bischof Alfonso de Galarreta, Erster Generalassistent der Piusbruderschaft und einer der 1988 von Erzbischof Marcel Lefebvre geweihten Bischöfe, und Bischof Bernard Fellay als Mitkonsekrator geleitet. Und natürlich haben auch die vier Bischofskandidaten selbst Einzug gehalten.

Einer der vier neu geweihten Bischöfe und Lokalmatador ist der Schweizer Pascal Schreiber. Der 53-Jährige wurde in eine katholische Familie mit fünf Kindern im Schweizer Kanton Aargau geboren. 1992 trat er ins Priesterseminar der Piusbrüder im bayerischen Zaitzkofen ein. Sein Studium setzte er in Écône im Wallis fort, wo er im Sommer 1998 zum Priester geweiht wurde.

Nach fünf Jahren als Priester in Deutschland und der Westschweiz übernahm er 2003 die Leitung einer Jungenschule in Mels in der Deutschschweiz und 2005 einer Mädchenschule in Wil. 2014 wurde Schreiber an den Distriktsitz Schweiz der Bruderschaft berufen, nach Rickenbach. Seit August 2020 leitet er als Regens das Priesterseminar in Zaitzkofen, wo rund 50 angehende Priester und Brüder aus 16 Ländern ausgebildet werden.

Die anderen drei geweihten Bischöfe sind Michael Goldade (45), ein US-Amerikaner, und die beiden Franzosen Michel Poinsinet de Sivry (42) und Marc Hanappier. Letzterer ist der jüngste der vier Weihekandidaten und wurde 1990 in eine katholische Familie mit zehn Kindern geboren, wovon vier einer geistlichen Berufung folgten.

Bischofskandidat lehnen «Irrlehren» ab

Als Dienstältester darf Pascal Schreiber dann den Eid vortragen: «Ich, Erwählter der Kirche, werde von nun an und für immer dem seligen Apostel Petrus, der heiligen römischen Kirche, unserem Heiligen Vater, dem Papst, und seinen rechtmässig bestellten Nachfolgern treu und gehorsam sein.» Danach folgt die individuelle Prüfung mit mehreren Fragen, die jeder Bischofskandidat selbst beantworten muss.

«Wollt ihr die Traditionen der heiligen Väter, die kanonischen Dekrete und die Konstitutionen des Apostolischen Stuhls in Ehrfurcht annehmen, lehren und bewahren?» «Volo» – «Ich will es» – antworten alle nacheinander. Danach folgt eine Serie von «Credos» – «Ich glaube es».

Kurios ist, dass die Vier auch folgende Frage mit Ja beantworten: «Lehnt ihr auch feierlich jede Irrlehre ab, die sich gegen diese heilige katholische Kirche erhebt?» Werden die Piusbrüder selbst doch seitens des Vatikans als schismatisch eingestuft.

Danach beginnt die feierliche Messe vom kostbaren Blut. Es folgt der Höhepunkt: die Weihe der Bischöfe. Bevor die Weihe vollzogen wird, werden alle Heiligen in einer Litanei angerufen, bei der die weihenden Bischöfe Gott bitten, die Auserwählten zu segnen, zu heiligen und zu weihen.

Stab, Ring, Evangeliar

Anschliessend legen ihnen die weihenden Bischöfe das geöffnete Evangelienbuch auf die Schultern und lassen es dabei leicht auf den Kopf drücken. Während des Gesangs des «Veni Creator» (»Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein») erfolgt die Weihe des Hauptes und dann der Hände der neuen Bischöfe mit dem heiligen Chrisam. Am Ende erhalten sie den Segen, und es werden ihnen Stab und Ring sowie das Evangelienbuch übergeben. Besonders emotional ergreifend ist es, zu sehen, wie die vier Bischöfe während der Allerheiligenlitanei auf dem Boden nebeneinander ausgestreckt liegen – als Demutsgeste vor Gott.

Eine persönliche Demutsgeste anderer Art ist es, wenn die geweihten Bischöfe jeweils zwei brennende Kerzen als Opfergabe, zwei Brote, von denen das eine versilbert, das andere vergoldet ist, sowie zwei Fässchen Wein übergeben: als Opfergang der Neugeweihten zum Konsekrator.

Dann plötzlich grollt doch noch der Donner. Ein Gewitter zieht auf. Die Gläubigen werden gebeten, auf ihren Plätzen zu bleiben. Blitze zucken auf und es beginnt stürmisch zu regnen. Leute verlassen das Gelände, während die Priester den Gottesdienst seelenruhig weiterfeiern. Hat der Apostel Petrus etwa doch etwas gegen diese illegale Bischofsweihe und den Bruch mit Rom?


Piusbrüder ignorieren Papst – Bischöfe nun exkommuniziert

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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