Berner Rabbiner kritisiert Verleihung des Ehrendoktorats an messianisch-jüdischen Theologen

Der Berner Rabbiner Jehoschua Ahrens kritisiert die geplante Verleihung der Ehrendoktorwürde an den messianisch-jüdischen Theologen Mark S. Kinzer durch die Theologische Fakultät Freiburg. Messianisches Judentum könne keine «Brücke zwischen Judentum und Christentum» sein – Kinzer stehe ausserhalb des Judentums.

Barbara Ludwig

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg (Schweiz) hat am 21. April angekündigt, dass sie dem amerikanischen Rabbiner und jüdischen Theologen Mark S. Kinzer den Ehrendoktortitel verleihen will. «Mit dieser Auszeichnung würdigt die Fakultät einen international anerkannten Theologen, Bibelwissenschaftler und messianisch-jüdischen Rabbiner, dessen akademisches Werk und dialogisches Engagement in besonderer Weise zur Vertiefung der Beziehungen zwischen Judentum und Christentum beigetragen haben», heisst es in einem Communiqué.

Juden, die an den christlichen Messias glauben

Kinzer ist in einem jüdischen Elternhaus aufgewachsen und kam 1971 zum Glauben, dass Jesus von Nazareth der Messias sei. Er gehört damit zur Bewegung der messianischen Juden. Messianische Juden betrachten sich selbst als Teil des Judentums, teilen aber signifikante Glaubensinhalte mit den Christen, schreibt der katholische Theologe Martin Steiner in einem Beitrag der «Schweizerischen Kirchenzeitung».

Ihre Selbstverortung im Judentum ist umstritten. Von den meisten jüdischen Gemeindevertretungen würden die messianischen Juden nicht als Juden anerkannt, so Steiner.

«Nicht Teil des Judentums»

Dass Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät Freiburg erhalten soll, löst nun in der Schweiz Kritik aus. Die Ankündigung habe jüdische und katholische Dialogpartner in der Schweiz «gleichermassen irritiert», schreibt der Berner Rabbiner Jehoschua Ahrens in einem Kommentar in der jüdischen Wochenzeitung «Tachles» (5. Juni). «Denn Kinzer steht mindestens aus Sicht der Schweizer Juden als Vertreter eines sogenannten messianischen Judentums ausserhalb des Judentums.»

Das «messianische Judentum» sei für die jüdische Seite denominationsübergreifend «nicht Teil des Judentums – und schon gar keine Schnittstelle oder Brücke zwischen Judentum und Christentum», stellt Ahrens fest.

Verschiebung des Dialogs in «inakzeptable Richtung»

Dass sich Kinzer von der christlichen Missionierung von Juden und der sogenannten Substitutionstheologie distanziert – der Auffassung, wonach die Kirche an die Stelle des Judentums in der Heilsgeschichte tritt –, ändert aus Sicht von Ahrens nichts. Die Universität Freiburg zeige «leider wenig Sensibilität gegenüber der jüdischen Seite», und die Entscheidung der Theologischen Fakultät, Kinzer die Ehrendoktorwürde zu verleihen, «muss problematisiert werden», findet er.

Weil der amerikanische Theologe nicht nur für sein akademisches Werk, sondern explizit auch für sein dialogisches Engagement gewürdigt werden soll, geht Ahrens davon aus, dass «die Befürworter dieser Ehrendoktorwürde» den katholisch-jüdischen Dialog «in eine Richtung verschieben möchten, die für Juden völlig inakzeptabel» sei. «Wer jüdisch ist und wer nicht, und wer das Judentum im katholisch-jüdischen Dialog vertritt, wird immer noch durch das Judentum selbst bestimmt», betont er.

Antijudaismuskritische Haltung

Mark S. Kinzer ist ehemaliger Präsident und emeritierter Professor am «Messianic Jewish Theological Institute» in Kalifornien. Die Theologische Fakultät Freiburg bezeichnete ihn in ihrer Mitteilung als «führende Stimme im Kontext messianisch-jüdischer Theologie». In diesem Rahmen mache er seine «Selbstverortung im Schnittfeld von Judentum und Christentum» dazu fruchtbar, für eine antijudaismuskritische Haltung im Sinne der Konzilserklärung Nostra Aetate und für eine «wechselseitige Verständigung zwischen Judentum und Christentum» zu werben.

Die Fakultät erwähnt, dass Kinzer im Gegensatz zu anderen messianisch-jüdischen Stimmen Judenmission und Substitutionstheologie strikt zurückweist. Damit habe der Theologe im messianisch-jüdischen Diskurs wichtige Impulse und «bedeutungsvolle Gegenakzente» gesetzt, heisst es im Communiqué.

Kinzers Theologie stehe in einem intensiven Austausch mit der katholischen Theologie, schreibt die Fakultät weiter. Besonders hervorzuheben sei sein «langjähriges Engagement in verschiedenen Dialogformaten zwischen römisch-katholischer Kirche und messianischem Judentum.

Die Verleihung des Ehrendoktorats findet am Montag, 16. November, an der Universität Freiburg statt.

Heute publiziert kath.ch einen Gastkommentar von Christian Rutishauser zur Thematik. Der Jesuit ist Experte für den jüdischen-christlichen Dialog, unter anderem ist er Berater des Papstes für die religiösen Beziehungen zum Judentum. An der Universität Luzern ist er Professor für Judaistik und Theologie.


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