Im Sport kochen die Emotionen gerne mal hoch, das zeigt sich aktuell wieder bei der Fussball-WM. Sind Flüche und Kraftausdrücke denn in Ordnung? Kommt drauf an, meint der bekannte Mönch Anselm Grün.
(KNA) Jetzt bei der Fussball-WM sieht man es ständig, bei Spielern, Trainern und Zuschauern: wildes Rumgefluche. Aber ist das auch in Ordnung? Eine Antwort aus Christensicht gibt der bekannte Benediktinermönch Anselm Grün aus der Abtei Münsterschwarzach in Bayern: «Es ist sicher hilfreich, wenn man sich sehr ärgert, irgendeinen Kraftausdruck zu verwenden», sagte der 81-Jährige. «Aber man sollte sich davor hüten, heilige Worte als Kraftausdruck zu missbrauchen.»
Den Ärger zum Ausdruck zu bringen, wirke entlastend, ergänzte Grün, der als Bestseller-Autor ein Millionenpublikum mit seinen spirituellen Büchern erreicht. «Wenn man allein ist, kann man für sich mal einen Kraftausdruck brauchen, um den Ärger auszudrücken.» Auch er selbst fluche, gestand der Ordensmann: «Wenn ich beim Autofahren falsch abgebogen bin, sage ich manchmal ‘Scheisse’. Aber dann versuche ich mich wieder zu beruhigen.»
Zur Beruhigung könne man zum Beispiel laut sagen: «Halb so schlimm!» Der Benediktiner fügte hinzu: «Wenn man in Gesellschaft ist, sollte man versuchen, ruhiger zu reagieren. Denn dann würde mein ausgedrückter Ärger bei andern Unruhe, Ärger oder vielleicht auch Schuldgefühle bewirken.»
Grün äusserte sich ausserdem zum Fluchen in der Bibel. Die Heilige Schrift kenne zwei Weisen davon: «Da leidet zum Beispiel der Psalmbeter, dass Menschen ihn verfluchen. Verfluchen ist eine tiefe Verletzung, Ausdruck von Feindschaft und Missachtung.»
Überdies gebe es in der Bibel die Bitte, dass Gott die Frevler verfluchen und ihnen keine Macht geben solle. «Aber zugleich weiß der Beter, dass er Gott nicht missbrauchen kann gegen die Frevler, sondern dass er das Gott überlassen muss», erklärte Grün. «Gott möge Gerechtigkeit walten lassen und den Menschen, die Böses tun, die Macht nehmen.»
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