Erneutes Predigtverbot für Laien: Theologe Bauer rät zu Gelassenheit

Debatte um die Predigt: Der Münsteraner Theologe Christian Bauer kritisiert das erneute Nein aus Rom zur Laienpredigt. Die Folgen hält er aber für begrenzt.

(KNA) Wäre es klüger gewesen, gar nicht erst in Rom um Erlaubnis für die Laienpredigt zu fragen? Diese Frage stellt der Münsteraner Professor für Predigtlehre, Christian Bauer, am Mittwoch im Interview des katholischen Internetportals «Kirche und Leben» mit Blick auf das neuerliche Verbot der Laienpredigt aus dem Vatikan. Der Bescheid des zuständigen Kurienkardinals Arthur Roche war am Dienstag veröffentlicht worden. Demnach dürfen Katholiken ohne Weihe weiterhin nicht im Rahmen einer Heiligen Messe predigen.

Der Leiter des Dikasteriums für die Gottesdienste und die Sakramentenordnung hatte am 17. Juni auf eine Anfrage des Bischofskonferenz-Vorsitzenden Heiner Wilmer geantwortet. Dieser hatte eine Sondergenehmigung beantragt, mit der auch nicht geweihten Männern und Frauen mit theologischer Vorbildung das Predigen in Messfeiern erlaubt worden wäre. Die Mitwirkenden am Reformprozess Synodaler Weg der katholischen Kirche in Deutschland hatten die Bischöfe zu einem solchen Antrag aufgefordert.

Je nach Bistum – «wirklich bitter»

Bauer sagte, er hoffe, das am Dienstag bekannt gewordene Verbot habe im Alltag der Kirche in Deutschland keine spürbaren Auswirkungen. Er verwies auf den Umgang mit dem Predigtverbot von 1988: «Man hört Rom und geht dennoch in ungekündigter Verbundenheit mit der Weltkirche mit guten Gründen und im Vertrauen auf den schöpferischen Geist im Heilsplan Gottes einen anderen Weg.»

«Wirklich bitter» sei die römische Entscheidung allerdings für jene Diözesen und Gemeinden, in denen diese Option aufgrund des jeweiligen Bischofs oder Pfarrers vor Ort nicht zugänglich sei.

Die römische Argumentation hält Bauer für eine «theologisch recht billige Vertröstung im Sinne eines im Kern klerikalistischen ‘Whataboutism’». Eine Parallele sieht er in der Debatte um das Tragen liturgischer Gewänder im Gottesdienst: Auch dabei gehe es nicht um eine Klerikalisierung von Laien, sondern «um eine Entklerikalisierung des kirchlichen Amtes, die in der symbolisch verdichteten Ritualöffentlichkeit der Kirche für alle sicht- und spürbar ist».

Predigt nah am Leben der Menschen

Sinn und Ziel einer Predigt ist nach Bauer, das Evangelium so zur Sprache zu bringen, dass die Menschen selber darin eine Rolle spielen können. Aus seiner Sicht sei sekundär, ob die predigende Person eine Weihe hat oder nicht. Wirklich wichtig im Geiste Jesu sei vielmehr, dass die Predigt Menschen im Umkreis Jesu das Haupt erheben und aufatmen lasse, «dass sie über sich hinauswachsen und aufrecht gehen lernen, zu sich und zueinander finden – und dass sich ihr Leben zum Guten wendet».

Diesem pastoralen Ziel seien auch disziplinäre Kirchenfragen unterzuordnen. «Denn es geht ja auch in der Predigt primär um das Anbrechen der Gottes- und nicht um ein Stabilisieren einer Männer- oder Klerikerherrschaft», betonte der Theologe.


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/erneutes-predigtverbot-fuer-laien-theologe-bauer-raet-zu-gelassenheit/