«Ich war fassungslos» – Synodale zum Zürcher Nein zum Allianz-Beitritt

Die Katholische Kirche im Kanton Zürich tritt der Allianz Gleichwürdig Katholisch nicht bei. Einen Vorstoss in dieser Richtung hat die Synode jüngst abgelehnt. Für die Motionärin, Synodale Myriam Barzotto, wäre ein Beitritt logisch. Synodalratspräsident Raphael Meyer begründet die Vorbehalte mit der vermittelnden Rolle der Kantonalkirche.

Regula Pfeifer

«Der Entscheid kam für mich überraschend», sagt die Synodale Myriam Barzotto gegenüber kath.ch. Denn für sie war eigentlich klar: Die Zürcher Kirche teilt mit der Allianz Gleichwürdig Katholisch (AGK) das Ziel einer «gleichberechtigten, glaubwürdigen und solidarischen Kirche». Ein Beitritt zur AGK wäre die logische Folge.

Zur Illustration zitiert Barzotto die Kirchenordnung, Artikel 4, Absatz 1. Demnach engagiert sich die Zürcher Kantonalkirche «insbesondere für eine generationenübergreifende Gemeinschaft und für die Gleichberechtigung der Geschlechter».

Also ging Barzotto davon aus, dass ihre Motion eine Mehrheit findet im katholischen Kirchenparlament, der Synode. Diese fordert den Synodalrat auf, einen Bericht und Antrag vorzubereiten mit dem Ziel eines Beitritts zur AGK.

Neben den vier Erstunterzeichnerinnen – alle Frauen aus der Geschäftsleitung der Synode – hatten sich weitere rund 40 Personen im Vorfeld per Unterschrift mit dem Anliegen einverstanden erklärt. Die wenigen fehlenden Stimmen würden sich ergeben, meinte Barzotto. Am Donnerstag waren 90 Synodale anwesend.

50 Nein-Stimmen

Doch es kam anders. Die Vorlage unterlag in der Abstimmung mit 35 Ja- gegen 50 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen. Offenbar hatten einige Synodalen in der Debatte ihre Meinung geändert. Der negative Entscheid habe zu einer «sichtlichen Enttäuschung im Saal» geführt, heisst es in der Mitteilung der Kantonalkirche.

Der Entscheid sei «ein absoluter Frust» gewesen und habe sie fassungslos gemacht, beschreibt Barzotto ihre Reaktion. Für sie war die Motion nur ein erster «kleiner Schritt». Das Nein interpretiert die Kirchenpolitikerin so: Synodalrat und Synode seien nicht mal gewillt, die Frage zu prüfen. Dahinter stecke eine Angst, die konservativen Kreise im eigenen katholischen Umfeld zu ärgern.

«Man getraut sich nicht zu dem zu stehen, was man macht.»

Unverständlich ist für sie etwas Weiteres: «Man getraut sich nicht zu dem zu stehen, was man macht.» Barzotto verweist die viermal 10’000 Franken pro Jahr, den die Kantonalkirche seit 2025 der AGK zukommen lässt – «eine gute Sache», wie sie findet. Die Motion verlangt denn auch, dieser Beitrag solle unbeschränkt fortgeführt werden.

Demgegenüber hätte aber ein Beitritt für die Zürcher Kirche den Vorteil, inhaltlich mitwirken zu können, so Barzotto. Mitglieder der Synode oder des Synodalrats könnten als Delegierte in Projekten mitarbeiten oder in der Steuerungsgruppe den Kurs mitbestimmen, steht in der Motion. Diese erwähnt, dass bereits drei weitere Kantonalkirchen der AGK beigetreten sind – Basel-Stadt, Luzern und Thurgau. Dasselbe gelte für den Frauenbund Schweiz und weitere über 60 Organisationen oder Institutionen der Kirche.

Geld ja, aber kein kirchenpolitisches Zeichen

Synodalratspräsident Raphael Meyer begründet auf Anfrage die Ablehnung der Motion, ohne das Stimmenverhältnis im Synodalrat bekannt zu geben. Der Synodalrat könne sich vorstellen, die AGK weiter finanziell zu unterstützen, schreibt er an kath.ch.

Vorbehalte habe er aber bezüglich eines formellen Beitritts und einer Mitarbeit in der AGK. Die Kantonalkirche sei für alle Katholikinnen und Katholiken im Kanton da, müsse also die unterschiedlichen Strömungen ernst nehmen und für alle ansprechbar bleiben. «Eine formelle Zugehörigkeit zur AGK würde diese vermittelnde Rolle unnötig erschweren», sagt Meyer. Denn damit würde sich die Kantonalkirche in einem «bestimmten kirchenpolitischen Spektrum» positionieren.

Meyer betont: «Die ablehnende Haltung des Synodalrats und der Mehrheit der Synode richtet sich nicht gegen Gleichwürdigkeit oder gegen Nichtdiskriminierung. Wo wir als Körperschaft Verantwortung tragen – insbesondere als Arbeitgeberin –, bleibt die Haltung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich klar: Diskriminierung hat keinen Platz, und gleiche Würde muss konkret gelebt werden.» Die Zürcher Kantonalkirche könne «aber nicht so tun, als könnten wir kirchliche Grundfragen allein und ohne Einbezug der bischöflichen Seite entscheiden».


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