Piusbrüder: Überrascht über Schweigen des Papstes

Die Piusbruderschaft ist entschlossen, bald neue Bischöfe zu weihen. Und der Vatikan hat entschlossen erklärt, dass darauf der Ausschluss aus der Kirche folgt. Dennoch scheint man auf ein Einlenken des Papstes zu hoffen.

(KNA) Die traditionalistische Piusbruderschaft zeigt sich überrascht über das Schweigen von Papst Leo XIV. zu ihrer drohenden Exkommunikation. Es sei sein «aufrichtigster Wunsch», den Papst noch vor den für 1. Juli geplanten verbotenen Bischofsweihen zu treffen, sagte der Generalobere der Bruderschaft, Davide Pagliarani, dem eigenen Pressedienst FSSPX.Actualités. Es gebe jedoch bislang weder eine Antwort noch eine persönliche Reaktion von Leo XIV.

Erinnert an Audienz bei Papst Franziskus

Pikant: Pagliarani erinnert in diesem Zusammenhang an Papst Franziskus (2013-2025), der der vorkonziliaren Liturgie mit kirchendisziplinarischer Härte entgegengetreten war und dessen Amtsführung und Programm der Pius-Obere insgesamt als eine «Katastrophe» bezeichnet. Es sei wohl «nur ein Detail, aber als ich um ein Treffen mit ihm im Vatikan bat, erhielt ich binnen 24 Stunden eine Audienz, und er zeigte sich besonders freundlich», so Pagliarani.

Nein zu Reformen des Konzils

Die Priesterbruderschaft Sankt Pius X. (FSSPX) will am 1. Juli in Écône im Wallis vier ihrer Priester zu Bischöfen weihen. Da der Papst die Weihe wegen lehrmässiger Differenzen mit den Piusbrüdern nicht erlaubt hat, droht den Kandidaten sowie dem weihenden Bischof nach dem Kirchenrecht die von selbst eintretende Exkommunikation, also der Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft.

Die Piusbrüder lehnen die meisten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab, etwa zu Ökumene und Religionsfreiheit. Zudem beharren sie auf alten Formen des Gottesdienstes. Der Gemeinschaft gehören weltweit mehr als 700 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich.

Keine theologische Einigung zu erzielen

Bereits 1988 waren nach der unerlaubten Weihe von vier eigenen Bischöfen ihr Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), sowie die Geweihten exkommuniziert worden. Benedikt XVI. (2005-2013) hob die Beugestrafe zwar 2009 auf; zu einer theologischen Einigung kam es aber trotz langer Verhandlungen nicht. Von den vier 1988 geweihten Bischöfen leben nur noch Alfonso de Galarreta (69) und der frühere Obere Bernard Fellay (68). Ihre Weihen und Weihehandlungen sind nach dem Kirchenrecht unerlaubt, aber gültig.

Persönliches Kennenlernen

Der aktuelle Generalobere Pagliarani betonte nun: «Bevor man eine Gemeinschaft mit mehr als 1000 Mitgliedern, die für Hunderttausende Gläubige weltweit einen Bezugspunkt darstellt, vielleicht für schismatisch erklärt, wäre es vielleicht wünschenswert, jene persönlich kennenzulernen, über die geurteilt werden soll.» Die geplante Sanktion betreffe nicht nur eine Institution, sondern auch «Menschen, die dem Papst und der Kirche zutiefst verbunden sind».

Bei den nun in Sozialen Medien geposteten Aussagen Pagliarinis handelt es sich um Auszüge eines bereits vor Wochen geführten Gespräches. Es erhält nun neue Aktualität durch den herannahenden Weihetermin. Bislang hat sich lediglich die vatikanische Glaubensbehörde zu Wort gemeldet, nicht aber der Papst selbst.

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