Einige Missbrauchsopfer in Spanien zeigen sich enttäuscht vom Papst

Der Papst hat sich mit spanischen Missbrauchsopfern getroffen – doch deren Verbände zeigen sich enttäuscht. Es handele sich um handverlesene Personen, die repräsentativen Vereinigungen blieben aussen vor.

(KNA/KAP) Spaniens Missbrauchsopfer-Verbände zeigen sich vom Papst enttäuscht – obwohl sich Leo XIV. in Madrid mit Opfern sexuellen Missbrauchs trifft. Am Montagmorgen hielten sie deshalb vor der Vatikanbotschaft in Madrid eine Pressekonferenz sowie einen lautlosen Protest ab, während sich der Papst dort mit Regierungschef Pedro Sánchez traf. 

Streit zwischen Regierung und Bischofskonferenz

Die mögliche Vertuschung von Fällen durch Kirchenvertreter und zögerliche Entschädigungsleistungen führten immer wieder zu Streit zwischen der sozialistischen Regierung und der Spanischen Bischofskonferenz. Vor einigen Monaten akzeptierten die Bischöfe ein staatlich kontrolliertes Entschädigungsverfahren, nachdem sich die Regierung direkt an den Vatikan gewandt hatte.

«Mit Klarheit und Festigkeit» aufarbeiten

Laut einer jüngsten Umfrage der Zeitung «El País» meinen 70 Prozent der Spanier, die Kirche decke immer noch Täter. König Felipe VI. erinnerte den Papst am Samstag beim Empfang im Königspalast daran, dass der durch Kirchenmitglieder verursachte Schmerz «mit Klarheit und Festigkeit» aufgearbeitet werden müsse.

Offenbar nach langem Zögern hatte der Vatikan einem Treffen mit Missbrauchsopfern für diesen Montag zugestimmt. Auf dem Flug von Rom nach Madrid unterstrich Leo XIV. vor Journalisten, sexueller Missbrauch in der Kirche sei «noch immer eine offene Wunde» – die er weiter bekämpfen wolle, wie er es sein Leben lang getan habe. Leider sei es ihm unmöglich, sich mit allen Opfern zu treffen, die darum bitten.

«Der Papst trifft sich lediglich mit ein paar von der Kirche ausgewählten Opfern, die keine unangenehmen Fragen stellen werden.»

Dennoch äusserten sich die Opferverbände nun enttäuscht. «Der Papst trifft sich lediglich mit ein paar von der Kirche ausgewählten Opfern, die keine unangenehmen Fragen stellen werden», sagte der Präsident des Nationalen Verbandes für gestohlene Kindheit (ANIR), Juan Cuatrecasas, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Das sei nicht hinnehmbar und traurig.

«Leugnen, Verheimlichen, Vernachlässigen»

Überrascht sei er nicht über das Vorgehen, vermutlich vor allem kirchennahe Opfer zu empfangen, so Cuatrecasas. Organisiert hätten das Treffen die Bischofskonferenz sowie Vertreter des Opus Dei. Das harte Urteil von Cuatrecasas: «Damit ist das Ergebnis seit Jahren immer dasselbe: Leugnen, Verheimlichen, Vernachlässigen der Pflicht zu Hilfeleistung sowie Komplizenschaft.

Am Montag verurteilten die Protestierer den »Ausschluss repräsentativer Verbände.« Sie verlangten eine rechtliche Anerkennung der Opfer, lebenslange psychologische Betreuung sowie angemessene Entschädigung und Wiedergutmachung. »Wir wollen kein Foto mit dem Papst. Wir wollen Rechte und Wiedergutmachung für alle«, so die Opferverbände.

Augustinerorden besucht

Papst Leo XIV. hat während seines aktuellen Spanienbesuchs auch 220 Mitglieder des Augustinerordens getroffen, dem er selbst angehört. Die Begegnung fand am Sonntagnachmittag in der Nuntiatur in Madrid statt, wie das vatikanische Presseamt laut «Vatican News» bekanntgab. Nach der Begrüssung durch den spanischen Augustiner-Provinzial P. Domingo Amigo González richtete der Papst einige Worte der Dankbarkeit an die Anwesenden. Er betonte, dass die Gemeinschaft und die Einheit der Herzen unter den Augustinern in diesem historischen Moment eine Botschaft an die Welt sein könnten.

Diese Botschaft solle an die jungen Menschen weitergegeben werden, fuhr Leo XIV. fort. Der Papst verwies etwa auf die 600’000 jungen Leute, die er am Abend davor bei der Vigil auf der «Plaza de Lima» getroffen hatte und die von ihren Fragen und ihrer spirituellen Suche berichteten.

Mit Bezug auf die anwesenden Ordensschwestern kontemplativen Lebens habe Leo XIV. den Wert ihrer Berufung hervorgehoben – auch um dem sozialen Handeln einen Sinn zu geben, teilte der Vatikan weiter mit. Dies sei bedeutsam in einer Zeit, in der die Stille und die Fähigkeit des Menschen, in sein eigenes Herz einzutreten, verloren gingen.


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