Was für eine Überraschung: Theologe Fredy Bihler hat mit dem Abschluss der Startphase der Synodalitätskommission sein Amt als Geschäftsführer niedergelegt. Dabei war er noch voller Euphorie vor Antritt seiner Tätigkeit. Was ist passiert? Es scheinen einige Wolken aufgezogen zu sein, und konkrete Ergebnisse sind offenbar noch rar nach zwei Jahre Bestehens der «Syko» – wie RKZ-Chef Urs Brosi postuliert.
Wolfgang Holz
«Fredy Bihler brachte eine sehr hohe Identifikation mit dem Thema Synodalität mit. Mit hoher Organisationsentwicklungskompetenz und ebenso mit seelsorglicher Haltung begleitete Fredy die Kommission durch die Startphase, bei der es galt, sehr unterschiedliche Erwartungen an Synodalität in der Schweiz zusammenzubringen. Die Stelle der Geschäftsführung wird im Juni neu ausgeschrieben.»
So lautet das offizielle Fazit zur Amtsaufgabe von Fredy Bihler, wie es auf der Homepage der Synodalitätskommission der Schweizer Bischofskonferenz – synodal.ch – zu lesen ist. Doch warum wirft der synodale Experte plötzlich das Handtuch? Zumal sich Fredy Bihler auf seine Aufgabe so gefreut hat, wie der Theologe es in einem Interview mit kath.ch noch schwärmerisch formuliert hatte.
«Die Kirche durchlebt aktuell einen ihrer Schlüsselmomente seit den 1970er-Jahren. Da mitzuwirken, reizt mich», versicherte Fredy Bihler begeistert. Er zeigte sich optimistisch, was die bereits vorhandene Synodalität des dualen Systems angeht.
«Es hat keinen offenen Streit gegeben, aber die Start- bzw. Erklärungsphase der Synodalitätskommission war sehr herausfordernd.»
Und er gab sich kämpferisch, was die Zukunft der Synodalität braucht: «Wir sind herausgefordert, sofort und schnell etwas anzupacken. Und gleichzeitig suchen wir nach einer geistlichen Erneuerung, also einem eher langsamen Bewusstseinswandel. Da gibt es eine grosse Spannung, die wir aushalten müssen, weil beide Aspekte, Spiritualität und Struktur, zusammengehören.»
Eine Spannung, die er offensichtlich selbst nicht mehr ausgehalten hat. In einem kurzen telefonischen Gespräch mit kath.ch wirkt Fredy Bihler ernüchtert und aüsserst vage, was die genauen Gründe seines Rücktritts betreffen. «Es hat keinen offenen Streit gegeben, aber die Start- bzw. Erklärungsphase der Synodalitätskommission war sehr herausfordernd», sagt er.
Was «herausfordernd» konkret bedeutet, umreisst er nicht näher. Nur so viel: Bei einem solchen Synodalitätsprozess in der Schweiz würden ganz unterschiedliche Erwartungshaltungen und Meinungen aufeinandertreffen, so Bihler. Es gehe um Haltungsänderungen und um Strukturreformen. Sprich: Da sind offenbar Konflikte vorprogrammiert.
«Nun wird ein neuer Geschäftsführer weitermachen – bis ein solcher gefunden ist, übernimmt Arnd Bünker vom Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI) die Geschäfte», bilanziert Fredy Bihler. Er selbst wechselt derweil auf eine Stelle in der Spitalseelsorge von HOCH, Health Ostschweiz.
Inzwischen fand eine Begegnung zwischen einer Delegation der Synodalitätskommission und der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) statt. Wie die SBK berichtet, diente das Treffen mit Detlef Hecking (Syko-Präsident) und Arnd Bünker (Geschäftsführender Sekretär ad interim) insbesondere der Vorbereitung des nationalen Synodalitätstages vom 23. September 2026. Im Hinblick auf die Etappen des weltweiten Synodalprozesses stellt sich vor allem die Frage der Umsetzung in den Diözesen.
«Zeit und geistliche Vertiefung in diese komplexe Thematik sind notwendig, um die Arbeit sinnvoll gestalten zu können.»
Denn gemäss dem Generalsekretariat der Synode in Rom seien, so die SBK, in der aktuellen Phase folgende Schwerpunkte zu setzen: die Förderung der synodalen Spiritualität, die Praxis der kirchlichen Unterscheidung, die Erneuerung der Mitwirkungsgremien, die Aufwertung von Diensten und Charismen, Transparenz und Rechenschaft sowie die missionarische Erneuerung. «Zeit und geistliche Vertiefung in diese komplexe Thematik sind notwendig, um die Arbeit sinnvoll gestalten zu können», postuliert die SBK.
Und was meint Urs Brosi, selbst eines der 31 Mitglieder der «Syko» und Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ), zum Zustand der Synodalitätskommission? Er versichert gegenüber kath.ch, dass es keinen Streit mit Fredy Bihler gegeben habe.
Er spricht aber auch Klartext: «Die Synodalitätskommission ist nun eineinhalb Jahre unterwegs. An Ergebnissen, die für Aussenstehende zu fassen sind, gibt es noch sehr wenig», so Brosi. Nur über die Form, wie zwischen Synodalitätskommission, SBK und RKZ Entscheidungen getroffen würden, sei ein kleiner Konsens erreicht worden.
«Ich befürchte jedoch, dass der von der Weltkirche gesteckte Zeitrahmen bis 2027 bei weitem nicht reichen wird, um in der Schweiz massgebliche Schritte zu erzielen.»
«Die aus meiner Sicht wesentlicheren Ergebnisse sind intern zu finden», versichert der RKZ-Chef. Es wachse in der Synodalitätskommission ein Interesse, Fragestellungen trotz erheblicher Unterschiede zwischen den Sprachregionen und zwischen den Kirchenbildern gemeinsam anzugehen. Diese Entwicklung eines gemeinsamen Interesses sei kaum nach aussen zu vermitteln. Man müsse sich, so Brosi, aber bewusst sein, dass es in der katholischen Kirche ausser der Versammlung der Bischöfe in der SBK und der Plenarversammlung der RKZ kein kirchliches Organ gebe, das gesamtschweizerisch für kirchliche Themen in einer gewissen Breite zuständig sei.
«Ich hoffe, dass auf diesem Boden in den nächsten Jahren etwas Konkretes wächst».«, sagt Urs Brosi. «Ich befürchte jedoch, dass der von der Weltkirche gesteckte Zeitrahmen bis 2027 bei weitem nicht reichen wird, um in der Schweiz massgebliche Schritte zu erzielen.»
*Vom 14.–17. September findet in Österreich das Symposium «Synodalität in Europa gestalten» im Bildungshaus Schloss Puchberg, in Wels statt. Im Rahmen der weltweiten Umsetzungsphase der Synode (2025–2028) soll das Symposium einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Europäischen Kirchenversammlung im Frühjahr 2028 markieren. Die Schweizer Delegation besteht aus Bischof Felix Gmür, Don Sergio Carettoni, Roland Loos und Iva Boutellier. Neben diesen Mitglieder der Synodalitätskommission ist Helena Jeppesen-Spuhler über die Europäische Synodal-Taskforce an der Organisation beteiligt.
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